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Anhand von 10 Sätzen erklärte Bischof Johann Weber mit viel Humor, spritzig und selbstkritisch seine Ansätze zum Thema ZUKUNFT WAGEN - ohne Lebenslust?
Dicht besetzt waren die Plätze im gar nicht so kleinen Pfarrsaal in Hallein-Rehhof
Steirer unter sich: Roman Anlanger übergibt dem Gast als Geschenk sein Buch "Salz der Erde"
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Die Hoch-Schule der Zukunft
Weit über 100 Besucher waren vom Vortrag des steirischen Bischofs Johann Weber im Pfarrsaal Rehhof begeistert.
Bereits bei der eine halbe Stunde vor dem Vortrag angesetzten ökumenischen Vesper war die Rehhofer Kirche bestens besucht. Beim anschließenden Vortrag im Pfarrsaal mussten eigens noch schnell Stühle herbeigeschafft werden, um den vielen Besuchern einen Sitzplatz anbieten zu können.
"Mit viel eigener Unsicherheit" referierte Bischof Weber über eine Stunde lang anhand von 10 Sätzen seine Ansätze zum Weiterdenken. Der Platz an dieser Stelle (und auch die Mitschrift) können die Gedanken nur ansatzweise wiedergeben und denen, die dabei waren, die Erinnerungen an einen großartigen Vortrag zurückrufen.1. Die Zukunft kommt nicht allein. Sie hat immer ihre Zwillingsschwester Vergangenheit mit dabei. Es liegt in der Natur der Menschen, das "Alte" zu verklären und die Gegenwart allzu kritisch zu sehen. Es mag früher gemütlich gewesen sein, mit dem Pferdefuhrwerk zu reisen; damit ins Krankenhaus fahren zu müssen, war es gewiss nicht ... Noch nie gab es so viele Arbeitslose wie heute - und noch nie sind so viele Menschen aus der Kirche ausgetreten wir heute ... 2. Wer im Nebel und bei Glatteis Auro fahren muss, hat zusammengebissene Lippen. Wie werden wir Zukunft schaffen? Liebe ist scheinbar so relativ geworden, nichts Sicheres und Verbindliches scheint mehr in ihr zu sein. Das Leben ist "teuer" geworden ... Wieviel Alte, wieviel Pflegefälle können wir uns "leisten" ... Die Kirche ist immer mehr zu einem unbekannten Nachbar geworden, gegen den man gar nichts mehr hat, weil sie im Leben vieler Menschen gar nicht mehr vorkommt ... Aber: Nebel und Glatteis kann man nicht einfach wegbefehlen ... 3. Die Hochschule der Zukunft ist das Altwerden. Die spannendste Frage im Leben der Menschen kommt mit dem älter Werden immer näher: Was ist den jetzt "nachher", wenn unser Leben auf der Erde zu Ende ist? 4. Haltbar Lernen setzt einen Lehrplan voraus. Der Lehrplan des Lebens setzt einen Herzschlag voraus ... 5. Die Schule der Zukunft ist nicht eine der Streber, sondern eine, in der den Anderen die Füße gewachsen werden. 6. Mit Freude die Zukunft finden ist möglich! Aber: es braucht mehr als Wellness und gute Stimmung. Dass wir heute über das Leben verfügen können (Beispiel Schwangerschaftsabbruch) macht nicht frei, sondern betroffen ... Zukunft weitergeben an Kinder ist überaus schwer ... Es braucht in allen Dingen, bei all unserem Tun ein "Gott suchen und finden". Der Einsatz der Kirchen für mehr Gerechtigkeit (zB. Sozialhirtenbrief) auf der Erde ist legitim, wichtig und richtig und entspricht der Forderung Jesu. Eine Kirche der "Auserwählten" und 100%-Christen bringt keine Zukunft, die Kirche Jesu ist eine Kirche der Suchenden, der nicht fertigen und auch sündigen Menschen. 7. Die Tanzschule der Sakramente. Die Sakramente als Chance (wie bei eine Tanzschule) sich "in Manieren zu üben", "schön angezogen" zu sein und "sorgsam miteinander umgehen" lernen. Neben den 7 Sakramenten (in der katholischen Kirche) gibt es sicher noch weitere, zB. das "Sakrament der 40 Tage", das "Sakrament der Ahnung" ... Die Sakramente als erlebbare Fortsetzung des Menschwerdens ... 8. Das kostbaste Erbe ist die fröhliche Veränderung. Die größte Veränderung im Leben könnte die Beichte sein; Beichte aber nicht als genaues "Ausfragen", vielleicht überhaupt nicht als Sakrament der vielen Worte, sondern vielmehr als Sakrament eines Menschen, der nach einer verunglückten Reise wieder "heimkehrt" und für den der Vater dann ein Fest veranstaltet (siehe Gleichnis vom verlorenen Sohn). 9. Ein Kurzkatechismus des Gebetes steht im Johannesevangelium: "Leben in Fülle". Diese drei Worte sollten uns ein Handbuch für das Leben im Alltag bei all unserem Tun sein. Dazu sehr gut passend auch die Formulierung in den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils: „Die Freuden und Hoffnungen, die Sorgen und Nöte der Menschen unserer Zeit, besonders der Armen und der Leidenden, sind auch die Freuden und die Hoffnungen und die Sorgen und die Nöte der Menschen in der Nachfolge Jesu." 10. Hausmittel sind etwas Gutes - unfehlbar sind sie aber nicht. Wir glauben heute alles leisten zu müssen ... was wir brauchen, sind aber Hausmittel gegen schnelle uns selbstgerechte Lösungen ...
Autor / Quelle: (mitgeschrieben von) Helmut Meisl
Beitrag online bis 31.12.2005 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (21.2.05 - 01.03.05 - ) / 1009 / 286
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