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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
Diese Seite als Druckausgabe


Ich sehe was, was du nicht siehst
Ein Kinderspiel. Einer nimmt etwas in den Blick, der andere soll es durch geschicktes Fragen erraten. Beide Spieler sehen dasselbe, doch ihre Aufmerksamkeit ist auf Unterschiedliches gerichtet. Das Spiel lehrt uns, sehen zu lernen, was dem anderen im Augenblick wichtig ist. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich auf das, was den anderen interessiert.
Den Nächsten in den Blick zu nehmen: ein Kinderspiel.




Die Liebe beginnt in den Augen. Sie empfängt sie und gibt sie zurück.

Herbert Heckmann

6. März 2005 - 4. Fastensonntag

Jesus spuckte auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

Wenn doch manche Sensationsmeldung aus der Bildzeitung heute noch eine so spannende Diskussion unter den Menschen auslösen könnte! Immerhin breitete sich zu Jesu Zeiten die Nachricht über die sonderbare Heilung des Blinden auch ohne Massenmedien schnell aus und erregte die Gemüter. Die Menschen aber, die davon hörten, gingen danach nicht so schnell zur Tagesordnung über, befriedigten daran nicht allein ihre Lust am Spektakulären, sondern ahnten, dass es hier um mehr ging, als „nur“ um eine singuläre Wundertat. Von sündiger oder rechter Lebensweise vor Gott war da bald schon die Rede. Um das wahre Licht auf dem Weg der Erkenntnis, um verschiedene An- und Einsichten zu Glaube und Nachfolge kreisten die kontroversen Gespräche zwischen den Pharisäern, Jesus und dem nun Sehenden samt seiner Familie. Schnell wurde für alle deutlich: Gott löst mit dem, was da geschehen ist, Fragen bei den Menschen aus. Er bringt Bewegung in die bisher als sicher geltenden Gesetzmäßigkeiten. Er verunsichert, fordert Stellungnahmen von jedem Einzelnen und erspart niemandem die Auseinandersetzung mit anderen „Sichtweisen“. Wer am Ende zu den Blinden oder Sehenden gehört, bleibt schwierig auszumachen. Bis heute.




Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag Aachen - Susanne Brandt

Beitrag online bis 4.4.2005 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (3.3.05 - 10.03.05 - ) / 1028 / 199