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Ein Jahr mit der Bibel
soll weltweit das Jahr 2003 sein. Wir wollen uns darauf vorbereiten und Ihnen helfen, dass es für Sie wirklich ein Jahr mit der Bibel werden kann.
Die Bibel ist Glaubensgrundlage aller Christen, darum werden wir alle Aktionen zur Hinführung zum Jahr mit der Bibel ökumenisch durchführen.
Wir haben bereits im Februar mit der „ökumenischen Fastenaktion“ zum Thema „Gottesbilder-Menschenbilder“ begonnen. Jeder Abend hat ein eigenes Thema.
Ab 10. April laden wir Sie jeweils 14-tägig zu Gesprächsrunden zum Markusevangelium ein. Auch hier hat jeder Abend sein eigens Thema, so dass Sie dann kommen können, wenn Sie Zeit haben. Die genauen Termine entnehmen Sie bitte der Terminvorschau.
Von 12.-19. Oktober wird im Halleiner Ziegelstadel die große ökumenische Bibelausstellung mit einem umfangreichen Rahmenprogramm stattfinden.
Es ist eine Erfahrung, die Bibelleser auf der ganzen Welt verbindet, dass die Worte der Bibel Kraft und Wegweisung für das Leben geben. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Bibel das meistübersetzte Buch der Welt ist. Wir glauben, dass die Bibel Menschen, die auf der Suche nach Orientierung sind, Antworten zu geben vermag, aber nicht wie ein Rezeptbuch oder wie ein Lexikon. Entstanden in weit über 1000 Jahren kann sie gar nicht in jedem Satz eine fertige Antwort geben. Neben unzähligen, auch historisch interessanten Geschichten aus alten Zeiten, ist die Bibel vor allem ein Zeugnis menschlichen Fragens und Suchens nach Gott und nach Möglichkeiten, sein Leben im Gegenüber zu ihm und von ihm begleitet, in Menschenwürde zu gestalten. Die Bibel beschreibt das im Bild eines Weges, den Gott mit seinem Volk geht und der in ein immer tieferes Erkennen und Begreifen führt, das in Jesus Christus seinen Höhepunkt findet. Folgerichtig lehrt Martin Luther dass wir von Jesus Christus her die Bibel lesen und verstehen sollen. Als Maßstab zur Beurteilung der Einzelaussagen der Bibel formuliert er: „Was Christum treibet“ dh: Wie hätte Jesus in der jeweiligen Situation entschieden? Widersprüchliches und Zeitgeistiges lösen sich so und bewahren vor blinder Buchstabengläubigkeit.
So hat es die Synode unserer Kirche 1998 noch einmal ausdrücklich formuliert:
- Wir halten es für grundlegend, dass die Einzelaussagen der Bibel immer im Licht des biblischen Gesamtzeugnisses gelesen und an Jesus Christus, als der Mitte der Hl. Schrift, gemessen werden müssen.
- Aus der Bibel selbst ergibt sich eine „Hierarchie von Wertigkeiten. Diese auf konkrete heutige Fragestellungen anzuwenden heißt, theologisch verantwortungsvoll zu arbeiten. Das kostet Mühe und kann im Einzelfall durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Aber billiger sind biblische Maßstäbe zu gegenwärtigen Fragestellungen nicht zu haben. (Die Tür zur ganzen Bibel ist, dass die Menschen nicht um ihrer Verdienste willen, sondern umsonst, um Jesu Christi willen, die Vergebung der Sünden erlangen, durch den Glauben an Christus – Apologie zum Augsburger Bekenntnis, 4. Art.)
- Gerade weil sich also manches in der Bibel nicht so leicht erschließt, lohnt sich häufiges Lesen und das Gespräch mit anderen Bibellesern.
Ich denke, es ist auch eine gute Schule für unser Alltagsleben, sich nicht immer mit den „einfachen“ Antworten zufrieden zu geben. Am Suchen und Fragen der biblischen Gestalten erkennen wir auch, dass Gott nicht einfach nach unseren Vorstellungen verfügbar gemacht werden kann und dass die Würde der – von Gott geliebten – Menschen ein hohes Gut ist, um das immer wieder gekämpft werden muss.
Viel Freude und spannende Einsichten beim Bibel-lesen wünscht Ihnen Ihr
Autor / Quelle: Pfarrer Wolfgang Del-Negro
Beitrag online bis 31.12.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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