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Wer war Benedikt XV.? Ein Friedenspapst
Nach dem Tode Papst Pius X. (19. August 1914) wählten die Kardinäle am 3. September 1914 den Erzbischof von Bologna, Kardinal Giacomo della Chiesa, am 3. September 1914 zum neuen Pontifex. Er nannte sich Benedikt XV.
Der neue Papst, geboren am 21. November 1854, war 1878 zum Priester geweiht worden; Mai 1907 folgte die Ernennung zum Erzbischof von Bologna, am 25. Mai 1914 die Berufung ins Kardinalskollegium. Sein Pontifikat war durch die Schrecken des 1. Weltkrieges geprägt, in dem Benedikt XV. versuchte strikte Neutralität zu wahren. Er unternahm zahlreiche Friedensbemühungen, in denen er immer einen gerechten Ausgleich und weitreichende Abrüstungen vorschlug. Trotz seiner Neutralität wurde ihm von den kriegsführenden Parteien immer wieder ungerechtfertigt Parteilichkeit vorgeworfen. In Deutschland befürchtete der Evangelische Bund einen „Papstfrieden“; die Alliierten hatten den Italiener dagegen versprochen, den Vatikan aus allen Friedensverhandlungen herauszuhalten. Trotz dieser Enttäuschung verstärkte Benedikt XV. den Einsatz des Vatikans zur Linderung der Kriegsleiden, u.a. durch die Pflege von Verwundeten, der Lieferung von Lebensmitteln und dem Austausch von Kriegsgefangenen. Dadurch wuchs nach Ende des Krieges das internationale Ansehen des Papsttums. In Bezug auf Deutschland verbesserte sich das Verhältnis zur Weimarer Republik. 1921 berief Benedikt XV. die Erzbischöfe Faulhaber von München und Schulte von Köln ins Kardinalskollegium und errichtete das Bistum Meißen. Innerkirchlich war die Einführung eines neuen kirchlichen Gesetzbuches (Codex Iuris Canonici) bedeutsam, das 1918 in Kraft trat. Dieser einheitliche Kirchenrechtskodex war modernen Verhältnissen angepasst, stellte einen wirklichen Fortschritt dar und förderte das religiöse Leben. 1917 gründete Benedikt XV. die Kongregation für die orientalischen Kirchen und das Orientalische Institut in Rom. Besonders lag dem Papst die Missionsarbeit am Herzen, wobei er großen Wert auf die Heranbildung eines einheimischen Klerus legte. In den letzten Monaten seines Pontifikates versuchte Benedikt XV. die Hungersnot in der Sowjetunion zu lindern. Er starb am 22. Januar 1922. Seine letzten Worte waren: „Wir wollen unser Leben gern opfern für den Frieden der Welt.“ Diese Welt betrauerte ihn als Papst der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe.
Ein Name ist Programm
Der Wunsch nach einer intakten Weltgemeinschaft wird 2005 durch die Stolperfallen, Schieflagen und Ungerechtigkeiten der Globalisierung beeinträchtigt. Irakkrieg und dauernde gewaltsame Auseinandersetzungen auf dem afrikanischen Kontinent, Terror, mit religiösem Fanatismus verquickt, und nicht gelingende Friedensbestrebungen in der Heimat Jesu – ein Papst, der sich nennt wie der Benedikt, der als „Friedenspapst“ in die Kirchengeschichte einging, verdeutlicht: Er nimmt die Weltprobleme wahr und versucht, Machtkampf und Krieg, Gewalt und Unterdrückung zu verhindern. Ob damit sein Aufgabengebiet als „demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn“, als der sich Benedikt XVI. kurz nach seiner Wahl selbst bezeichnete, wieder – wie bei seinem Namensvorgänger und bei seinem Vorgänger im Amt – vornehmlich in der Weltpolitik liegen soll?
Benedikt XVI. – ein Papst mit einem neuen Namen
Kardinal Josef Ratzinger hat Menschen in aller Welt mit seinen ersten Worten überrascht. „Benedikt“ – der Gesegnete – das ist so bescheiden wie die ersten Worte des neuen Papstes auf dem Balkon des Petersdoms, die Worte vom „einfachen Arbeiter im Weinberg des Herrn“ und vom „unzureichenden Werkzeug Gottes“. Benedikt, der Gesegnete, das ist weniger anspruchsvoll, als sich in anderer lateinischer Tradition etwa den Unschuldigen oder den Frommen zu nennen – Innozenz oder Pius. Bescheiden ist vielleicht auch die bewusste Entscheidung, sich nicht den Namen Johannes Paul anzunehmen. Schon vor Monaten hatte Kardinal Ratzinger zu verstehen gegeben, dass ein neuer Papst auch neue Akzente setzen werde, damit Menschen Kontinuität und neue Impulse wahrnehmen können. Zugleich unterstreicht der neue Name die Einzigartigkeit des zu Ende gegangenen Pontifikats.
Der Namen, den sich ein Papst gibt, wird als „Programm“ gesehen, soll auf ein Vorbild hinweisen, dem er nacheifern will. Noch ist vom Papst oder von Seiten des Vatikans noch keine Erläuterung erfolgt, auf welchen Benedikt sich der neue Papst beruft. Denkbar als Patron ist vor allem der Hl. Benedikt von Nursia, Gründer der Benediktiner. Vor allem aber hat es große Päpste mit diesem Namen gegeben, und solche, die Großes zumindest versucht haben. Der letzte von ihnen, Benedikt XV. , Hat im Ersten Weltkrieg eine ergebnislose aber berühmt gewordene "Note an die Oberhäupter der kriegführenden Völker" gesandt. Die vatikanische Diplomatie nach 1918 konnte immerhin zur inneren Befriedung des Kontinents beitragen. So ist der "Codex iuris canonici", das Gesetzbuch der römisch-katholischen Kirche, auch wenn seither überarbeitet, noch immer mit dem Namen des 15. Benedikts verbunden, unter dem die Sammlung in Kraft trat.
Benedikt XV. gilt als „Friedenspapst“. Er wollte den Ersten Weltkrieg beenden. Für viele engagierte Christen und Kirchenhistoriker ist es keine Überraschung, dass sich der neue Papst den Namen Benedikt XVI. gegeben hat. In Diskussionsforen im Internet waren seit Tagen „Benedikt XVI“ als „wahrscheinlichster“ oder auch „erwünschtester“ Papstname diskutiert worden.
Das Pontifikat von Benedikt XV. begann kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Er ist als „Friedenspapst“ in die Geschichte eingegangen.
In einer Zeit, geprägt von Terror, Selbstmordattentaten, Globalisierungskonflikten, Kriegen und Religionskriegen lag es nahe, dass der neue Papst den Namen Benedikt wählen könnte: Als Zeichen dafür, dass diese Probleme auch von der römisch-katholischen Kirche und dem Papst noch mehr als bisher in der Vordergrund gerückt werden müssen. Ratzingers Namenswahl könnte als Zeichen gedeutet werden, dass er die Vorarbeiten seines direkten Vorgängers in der Weltpolitik nützen will, um sich der Aussöhnung der Streitparteien in weltweiten Konflikten intensiv zu widmen.
Benedikt XV. war Papst von 1914 bis 1922. Geboren wurde der Italiener als Giacomo delle Chiesa am 21. 11. 1854, gestorben ist er am 22. 1. 1922. Er war Erzbischof von Bologna, zum Kardinal ernannte ihn Papst Pius X. im Jahr 1914. Im selben Jahr wurde er dann zum Papst gewählt, wenige Wochen nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges.
Schon am 16. November 1914 bat Benedikt XV. in einer Enzyklika um Frieden. Er beurteilte den Ersten Weltkrieg als „Selbstmord der europäischen Nationen“. Sein Pontifikat war geprägt von immer neuen Friedensappellen und Geheimmissionen, die den Krieg beenden sollten, vergeblich. 1917 machte er einen Verhandlungsvorschlag zum Abbruch des Krieges, auch das ohne Erfolg. Nach Kriegsende wandte er sich gegen die harten Maßnahmen der Sieger (Versailler Vertrag u. a.). Trotz seiner Erfolglosigkeit, den Krieg zu beenden, steigerte Benedikt XV. die politische Bedeutung und das Ansehen des Papsttums erheblich.
Aktueller ist noch vielleicht der Umstand, dass es in diesen ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war, dass die Kirche in ihrer Missionsarbeit weniger Europa-zentrisch wurde. Bedeutsam ist auch die von ihm vorangetriebene Belebung der Missionstätigkeit. Nicht mehr nur Weiße konnten Priester werden. Und wenn das auch vielleicht dem Geist der Zeit entsprach – der letzte Papst Benedikt war zwischen 1914 und 1922 im Amt –, so ließe sich etwas überspitzt sagen, dass es diesem Pontifex zu verdanken ist, dass es heute auch farbige Kardinäle gibt. Die Wahlmänner aus der Dritten Welt waren ja vermutlich diejenigen, die in großer Zahl für den Deutschen gestimmt haben.
Doch auch zwei Päpste dieses Namens aus dem 18. Jahrhundert könnten als Patron gedient haben: Benedikt XIII., auf dem Stuhle Petri von 1724 bis 1730. Als gelehrt und fromm bezeichnen ihn seine Biographen - das passt. Aber auch als weltfremd und politisch unerfahren wird er beschrieben - das passt so wenig, dass Ratzinger diesen Aspekt ignorieren konnte. Es bleibt also ein Papst, der den Index der verbotenen Bücher entschärft und selbst heute noch beachtete kirchenrechtliche Werke verfasst hat. Und da wäre noch Benedikt XIV., ein Förderer der Künste und Wissenschaften, der 1740 bis 1758 das hohe Amt innehatte: Er stand im Briefwechsel mit Voltaire, der ihm eine seiner Schriften widmete. Ihm wurden von seinen Bewunderern auch im reformierten England Denkmäler errichtet. Zwei der drei großen Benedikts regierten für sechs beziehungsweise acht Jahre. Das ist in etwa die Spanne, die in den vielen Spekulationen der vergangenen Woche als "Übergangspontifikat" eingestuft worden war.
Als neues Oberhaupt der katholischen Kirche nennt sich der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger Benedikt XVI. Mit der Wahl seines Namens deutet der frisch gewählte Pontifex maximus an, in welcher Tradition er sich sieht. Benedikt leitet sich vom Lateinischen ab und bedeutet "der Gesegnete". Der aus Genua stammende Benedikt XV., auf den der Ratzinger nun namentlich folgt, war 1914 kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges gewählt worden und starb 1922. Er blieb vor allem mit Botschaften des Friedens und der Versöhnung in Erinnerung. Der in Bologna geborene Papst Benedikt XIV. (1740-1758) galt als gemäßigt und gebildet. Papst Benedikt VIII. (1012-1024) verurteilte unter anderem auf der Synode von Pavia die Priesterehe und das Zusammenleben unverheirateter Paare.
Mit der Namenswahl Ratzingers rückt der Papstname Benedikt hinter Johannes und mit Gregor auf Rang zwei der Beliebtheitsskala. Päpste namens Johannes gab es bislang 23 Mal, Gregor und Benedikt nunmehr 16 Mal. Es folgen Clemens (14 mal), Innozenz und Leo (je 13), vor Pius (12) und Stephan (10). In den vergangenen 400 Jahren haben sich die Päpste auf insgesamt nur elf Namen beschränkt.
Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag Aachen
Beitrag online bis 31.12.2005 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (19.4.05 - 15.05.05 - ) / 1074 / 216
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