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Um an die Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen.
Stanislaw Jerzy Lec
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3. Fastensonntag
Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben.
Wie oft ist diese Frau in ihrem Leben wohl schon an diesen Brunnen gegangen, um Wasser zu schöpfen. Immer, wenn sie durstig war. Jeden Tag ein paar Mal. Bis Jesus da steht. Gewiss, da steht oft einer. Nach dem Marktplatz ist der Brunnen der Treffpunkt des Dorfes. Aber heute steht ein Jude da. Das ist ungewöhnlich für die Menschen aus Samaria. Und was noch ungewöhnlicher ist: er spricht sie an. „Gib mir zu trinken!“ Jesus bricht alle Tabus. Kein Mann spricht auf öffentlichen Plätzen eine Frau an. Kein Jude eine Samariterin. Schon gar kein frommer Jude eine Ausländerin mit diesem Ruf. Der Mann am Brunnen klingt recht forsch. Er scheint sie und ihre Probleme zu kennen, Gott weiß woher. „Du holst hier Wasser und Wasser und Wasser, aber du wirst immer wieder durstig sein! Ich gebe dir Wasser zu trinken, danach wirst du niemals mehr durstig werden!“ Jesus spiegelt ihr Leben, das so eintönig ist wie das ewige Wasserholen. Egal, wie viele Männer darin vorkommen: sie sind die Wiederkehr des ewig Gleichen. Und er erzählt ihr von Gott. Nur so wächst Glaube. Nur so wächst Kirche: sich von Gott erzählen. Der Durst kommt mit dem Trinken. Je länger er erzählt, umso durstiger wird sie. Umso durstiger wird sie nach Leben, sehnt sich nach wahrer Liebe, nach Erfüllung. Kirche wächst, wenn sich Leute was von Gott erzählen. Zu Hause berichtet sie über den Mann am Brunnen. Da wollen auch die Leute Jesus hören und laden ihn ein zu bleiben. Schenke uns viel Durst nach Leben, oh Herr, und viel Mut zu Tabubrüchen!
Autor / Quelle: Bernd Kaut
Beitrag online bis 7.3.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (18.11.07 - 18.11.07 - ) / 114 / 221
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