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Zum Tod von Roger Schutz

Auch viele Halleiner Jugendliche trauern um Frère Roger, den sie in Taizé bei Fahrten der Pfarre kennenlernen konnten.

Roger Schutz wurde am 12. Mai 1915 als Sohn eines reformierten Pfarrers und einer Französin in der Nähe von Neuchatel (Schweiz) geboren. Von 1935 bis 1939 studierte er in Lausanne und in Straßburg Theologie, bevor er sich 1940 im kleinen Dorf Taizé im französischen Burgund niederließ. Er wollte eine Gemeinschaft gründen, die das christliche Ideal der Versöhnung lebte. In seinem Haus fanden Flüchtlinge, vor allem Juden, Schutz vor der Gestapo, denn Taizé lag unweit der damaligen Demarkationslinie zum besetzten Frankreich. Nach Kriegsende kümmerte er sich um deutsche Kriegsgefangene. Immer mehr Freunde und Gleichgesinnte schlossen sich Frère Roger an. 1949 legten die ersten sieben Brüder ein gemeinsames Gelübde zum klösterlichen Leben ab und gründeten damit die „Communauté“ (Gemeinschaft) von Taizé. Bald kamen zu den evangelischen Brüdern Katholiken hinzu.

Für Roger galt die Gemeinschaft und die menschliche Solidarität immer mehr als alle Konfessionen. Seine Botschaft war Liebe und Einheit unter allen Menschen, die Brüderlichkeit und die Versöhnung zwischen den Nationen und Konfessionen.

Nach Beginn eines intensiven Gedanken- und Meinungsaustausches mit dem Vatikan (1958) erhielt er eine Einladung zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962). Sein Orden fand wachsenden Zuspruch unter jungen Menschen aus allen Teilen Europas; das Konzil der Jugend, das 1974 in Taizé stattfand, wurde von mehr als 40.000 Jugendlichen besucht. Seither treffen sich jährlich Zehntausende junger Menschen aus allen Teilen der Welt im Rahmen des „Europäischen Pilgerweges des Vertrauens auf der Erde“ in wechselnden europäischen Städten. Bis zu 60 000 Jugendliche aus allen Erdteilen sprechen in den Wochentreffen über Glaubens- und Sinnfragen, beten und feiern gemeinsam Gottesdienst.

Inzwischen gehören der ökumenischen Gemeinschaft 100 Brüder aus 25 Nationen an. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt selbst und verzichten auf Spenden und Gaben. Einige Brüder leben mit den Ärmsten in Asien, Afrika und Südamerika.

Für seinen Einsatz für Frieden erhielt Frère Roger 1974 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1988 den Unesco-Preis für Friedenserziehung und 1989 den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen. Frère Roger wurde im Alter von 90 Jahren am 16. August 2005 während des Abendgebets von einer scheinbar geistig Verwirrten Frau mit drei Messerstichen verletzt und erlag kurze Zeit später seinen Verletzungen.





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag Aachen

Beitrag online bis 30.9.2005 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (20.8.05 - 31.08.05 - ) / 1158 / 280