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Thomas Rudolph leitet in Salzburg die Telefonseelsorge und versuchte wahrlich nicht eintönig die Spannungen zwischen Gottesbild / Menschenbild / Wessen Bild? aufzulösen.
Ein wieder vollgefülltes Gruberhaus hörte 90 Minuten mit höchster Aufmerksamkeit den Ausführungen des Referenten zu, der wegen Verhinderung von Pfarrer Schreilechner von seinem evangelischen Amtskollegen, Pfarrer Wolfgang Del-Negro, begrüsst wurde.
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Auf der Spur der Bilder in uns
Am dritten Abend der Fastenaktion ging es auch um die "innere Landkarte", die Bilder in uns projizieren und die unser Leben bestimmen.
Mit drastischen Beispielen machte der Psychotherapeut Thomas Rudolph den Stellenwert von Bildern für Menschen deutlich, zB.: - Nach der Bombardierung Afghanistans durch die USA begannen die Überlebenden ganz auffällig damit, sich alte Filme auf alten Abspielgeräten anzusehen; die Menschen hatten regelrecht "Hunger" nach Bildern aus einer anderen als der eigenen Welt. - Eine satirische Geschichte aus Sibirien erzählt von Jugendlichen, die jedesmal einen mehrstündigen und anstrengenden Fussmarsch auf sich nahmen, nur um eine Filmserie mit Jean Paul Belmondo ansehen zu können. - Oskar Wilde beschrieb in seinem Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" die Geschichte eines Bildes, das anstelle seines Besitzers "altert" und in dem die Spannungen zwischen "innerem" und "äusserem" Bild gut sichbar wird.
Eine Teil des Abends beschrieb die Entwicklung der Wahrnehmung, beginnend von der ganzheitlichen Wahrnehmung eines Kleinkindes über die gefühlsmässige Wahrnehmung mit der Möglichkeit auch Stimmungen von Personen im Raum aufzunehmen bis hin zur analytischen Wahrnehmung von Erwachsenen reicht die Entwicklung des Menschens im Zusammenhang mit den Bildern, die er von sich und seiner Umwelt aufnimmt. Aus dieser Gesamtmenge von Bildern entsteht ein "inneres Bild" als Mosaik von vielen kleinen Eindrücken.
Bilder bleiben weit tiefer im Gedächtnis des Menschen haften als alle anderen Sinneseindrücke und Erfahrungen und sie sparen Zeit und Energie in der Gewinnung weiterer Erfahrungen. Darin liegt aber auch eine Gefahr verborgen die darin besteht, dass einmal "festgesetzte" Bilder den Zugang zu neuen Erkenntnissen behindern können, was im Extremfall bis zum Krankheitsbild des völligen Realitätsverlustes führen kann.
Um zum "Bild Gottes" zu kommen: Gott ist der Inbegriff von Geheimnis schlechthin. Doch auch in der Abstraktheit können wir Menschen letztlich nur in Bildern denken. Dieses individuelle Bild von Gott in jedem von uns kann keine Autorität vorschreiben, es ist das Ergebnis eigener Wahrnehmungen und Erfahrungen. Sowohl das Alte Testament als auch das Neue Testament beschreiben ein nicht wirklich festzumachendes Gottesbild; die Verfasser der heiligen Schriften waren sich offensichtlich der Problematik bewusst, über Gott zu reden und schreiben kann nicht wirklich funktionieren.
Gottesbilder stehen nicht von Haus aus fest, sie stellen sich in den Menschen ein und können (sollen) sich in den verschiedenen Situationen und Entwicklungsstufen auch ändern. Beispiele "verirrter" Gottesbilder kennt die Kirchengeschichte mehr als genug: Kreuzzüge, der Heilige Krieg im Islam und auch heute gibt es wohl noch genügend Irrwege. Ein positives Beispiel eines Gottesbildes mag wohl in der heitigen Zeit die Arbeit von Schwester Theresa in Kalkutta darstellen.
Auch beim Menschenbild ist die Geschichte der Menschheit alles andere als menschlich: Bestand man im Mittelalter auf der Existenz verschiedener "Stände" so gab es vor nicht allzu langer Zeit durch den Nationalsozialismus ebenfalls ein wenige schmeichelhaftes Bild vom Menschen, in dem der Einzelne nichts mehr gilt. Trotz der langen Geschichte der Menschheit ist auch die Jetztzeit nicht frei von Irrtümern, die fast völlige Reduzierung des Menschen auf seine Konsumfähigkeit, wie sie uns Industrie und Handel tagtächlich vorführen, muss letzten Endes auch als Irrweg angesehen werden.
Und so blieb am Ende des Abends eine spannende Frage im Raum: "Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde ..." heisst es in der Bibel; wenn jeder Mensch sich selbst, seine Umgebung und Gott anders erfährt und in Bilder umsetzt, wie kann / soll das Bild Gottes, das wir Menschen uns von ihm machen, wohl wirklich aussehen?
Autor / Quelle: Helmut Meisl
Beitrag online bis 30.7.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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