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 © Helmut Meisl

 Adventkalender
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12. Dezember 2005 - Vera Schmalwieser

Vielleicht sind nicht die Ziele und Erfolge, die wir in unserem Leben erreichen können, das Entscheidende, das uns glücklich macht, sondern unsere Bemühung, unser Einsatz, unser all-tägliches Leben!

Wie bei allen Adventkalender-Personen stelle ich drei Fragen, worauf sich ihre Hoffnungen beziehen. Vera Schmalwieser antwortet schriftlich:

persönlich:
innere Zufriedenheit; die Fähigkeit, Vergangenes abzuschließen; die Hoffnung, Neues erleben zu dürfen.

Familie, Umgebung:
Gesundheit und Ausgeglichenheit der Kinder und Enkeln, keine bösen Überraschungen.

Kirche - Pfarre - Gott:
Dass der liebende und verzeihende Gott auch die Maxime der Amtskirche wird.

In der Hoffnung, dass sie doch ein wenig mehr aus sich herausgeht, besuche ich sie zuhause. Sie erzählt dabei ihre Geschichte:

Geboren 1946 in Wien. Die Mutter war Jüdin, hat sich 1938 taufen lassen und so die Nazizeit überleben können. Die Familie der Mutter war gezwungen, zu emigrieren oder ist deportiert worden. Vera war sich als Kind und Jugendliche der jüdischen Wurzeln nicht bewusst, darüber ist nicht gesprochen worden. Ihre Familie vertrat den Standpunkt: Möglichst wenig darüber reden, es könnte gefährlich sein. Erst als Erwachsene lernt sie ihre Herkunft besser kennen und wertzuschätzen.
Sie besucht Volksschule und Gymnasium, dann die Schule für Textildesign. Sie arbeitet zwei Jahre als Textilzeichnerin in Wien und macht zusätzlich eine Sportlehrer-Ausbildung. Sie heiratet, und die Familie übersiedelt nach Hallein. Sie bekommen zwei Kinder und sie arbeitet von 1969 - 98 als Sportlehrerin an Halleiner Schulen.
Ihr Mann macht beruflich Karriere und steigt auf in leitende Position, er ist daher wenig zuhause. Ohne vorherigen Hinweis verlässt er sie eines Tages und zieht aus. Er kehrt dann wieder zurück, aber es beginnt für lange Jahre ein Prozess wiederholter Trennungen und Wiedervereinigungen, ein Sich-nicht-entscheiden-können.
Sie ist von einem Tag auf den anderen gezwungen, allein zu leben, und muss „ein Leben führen, das ich nicht so wollte. Wir waren eine gute Familie.“ Sie leidet an der Kränkung. Dann nimmt sie eine „Auszeit“ und wird für ein Jahr Helferin in einem SOS-Kinderdorf in Ecuador. Danach absolviert sie ein Studium an der Uni Salzburg: Sportwissenschaft, Psychologie, Soziologie, Pädagogik. Nach zehn Jahren erst wird die Ehe geschieden.
Sie ist seit einigen Jahren in Pension und lebt allein in ihrem Haus. Sie beschäftigt sich mit dem Weben von Gobelins an ihrem Webstuhl, betreut sportlich eine Gruppe herzkranker Senioren und hat viel Freude mit den fünf Kindern ihrer Tochter. Sie ist nicht einsam und hat einen großen Bekannten- und Freundeskreis. Es fällt ihr jedoch schwer, mit dem Scheitern ihrer Ehe fertig zu werden. Sie würde sich eine neue Beziehung und Partnerschaft wünschen, weiß aber, dass es nicht leicht wäre. Sie ist aber keineswegs bereit, schon jetzt die Rolle der „Alleinstehenden“ und „Großmutter“ anzunehmen. Es ist jedoch zermürbend, wenn sich Hoffnungen nicht erfüllen. „Das also ist mein Advent“, meint Vera Schmalwieser.

Vielen Dank für Deine Offenheit und Deinen Lebensmut!
Vielleicht sind nicht die Ziele und Erfolge, die wir in unserem Leben erreichen können, das Entscheidende, das uns glücklich macht, sondern unsere Bemühung, unser Einsatz, unser all-tägliches Leben!



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Autor / Quelle: Wilfried Kaaser, Pastoralassistent

Beitrag online bis 31.3.2006 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (11.12.05 - 11.12.05 - ) / 1259 / 408