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 © Helmut Meisl

 Fastenaktion
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Mag. Tilmann Knopf ist evangelischer Pfarrer der Christusgemeinde in der Stadt Salzburg und zusätzlich in der Ausbildung von Religionslehrern an der Pädagogischen Akademie in Salzburg tätig. In seinem Referat versuchte er die Entwicklung der Gottes- und Menschenbilder in der Pädagogik, in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen näher zu bringen. Dabei gab er viele Antworten, löste gleichzeitig aber auch wohl bei vielen der Anwesenden neue Fragen aus; Fragen, die es gilt, ein Leben lang weiterzudenken.





Unterwegs mit unseren Gottesbildern

Die Glaubwürdigkeit der Zeugen unserer Religion ist eine der wichtigsten Säulen in der Weitergabe des Glaubens, meint Mag. Tilmann Knopf beim 4. Abend der Fastenaktion.

Um den Zusammenhang von Menschenbild und Gottesbild und um die Konsequenzen für die Religionspädagogik ging es beim 4. Abend der diesjährigen Fastenaktion im evangelischen Pfarrsaal.

Hatten die Menschen in früheren Jahren ein eher sehr einfaches Gottesbild, das in einer ganz klaren Hierarchie eingebettet war, so hat sich die Situation in der heutigen Zeit auch aus der Sicht der Religionspädagogen ganz wesentlich geändert, wenngleich Unterschiede zwischen evangelischer und katholischer Sichtweise nicht zu verschweigen sind. In diesem "alten" Gottesbild gab es eine ganz klare Hierarchie beginnend mit Gott, dem Papst, den Kardinälen und Bischöfen über die Pfarrer bis hin zu den Erwachsenen. Das Kind in seiner Religiosität wurde keinesfalls als "gleichwertig" gesehen, es rangierte "ganz unten" in dieser Folge. Aus der heutigen Sicht ist bei dieser Einordnung einiges ganz kräftig daneben gegangen: Das Bild findet keine Deckung mit den biblischen Texten und auch in einem Menschenbild, das auf Unterdrückung und bedingungslosen Gehorsam setzt, ist wohl prinzipiell der "Wurm" drin, so Tilmann Knopf.

Heute betrachtet man die Kinder nicht mehr als "kleine Erwachsene", die einfach religiös weniger wissen. Kinder haben eine ganz eigene Form der Religiosität und eine ganz eigene Glaubensgeschichte. Kinder und Jugendliche dürfen nicht das "Subjekt" der religiösen Erziehung sein, vielmehr steuern Kinder und Jugendliche diesen Prozess selbst und machen sich auch selbst die Religion (mehr oder weniger) zu eigen. Auf diesem Weg müssen sie selbstverständlich begleitet werden, auf diesem Weg brauchen sie Orientierung und Vorbilder, die Erwachsenen müssen aber auch von der eigenen Meinung abweichende Meinungen akzeptieren.

Werden Kinder und Jugendliche nach ihren "Gottesbildern" befragt, geben sie Antworten, die sich - genau besehen - von denen Erwachsener kaum unterscheiden: Sie denken an einen liebevollen Gott als "Helfer", an einen Gott als Erklärer der Welt, der Antworten auf die Fragen nach der eigenen Herkunft und der eigenen Zukuft beantworten kann. Und sie fragen sich, ob dieser Gott real vorhanden oder doch nur eine Fiktion ist. Auch die Frage danach, was Gott "bringt" wird sowohl von Jugendlichen als auch Erwachsenen genauso gestellt. Dass es im Christentum eigentlich nicht nur um einen nicht greifbaren Gott geht, sondern auch um einen geschichtlich nachvollziehbaren Jesus von Nazareth, der real auf dieser Welt war und für uns gestorben ist, das spielt bei den Überlegungen Jugendlicher kaum mehr eine Rolle.

Und in noch einem gibt es Parallelen zwischen der Sicht der Jugend und Kindern und den jener der Erwachsenen: Die "Zeugen" der Religionen müssen glaubwürdig sein, was angesichts der 2000-jährigen Geschichte des Christentums nicht immer leicht fällt. Auch die Realität in den Kirchen und Gemeinden heute, die nur allzuoft "im eigenen Saft schmorren", stösst vielen Fragenden an den Kopf.

Es kann und wird daher auch in Zukunft keine einfachen und immer richtigen Antworten im persönlichen Gottesbild geben. Jeder Mensch ist stets "unterwegs" in unterschiedlichen Positionen und wird wohl nie angekommen sein, so lange er lebt.





Autor / Quelle: Meisl Helmut

Beitrag online bis 31.12.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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