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Marc Chagall David und Batseba
Wenn Sie mehr lesen wollen: Die Geschichte von Batseba findet sich im 2. Buch Samuel, Kapitel 12 und 13. Eugen Drewermann: „Das Matthäus-Evangelium - Bilder der Erfüllung (3 Bände) Stefan Zweig: “Das Lamm des Armen“ (Die Affäre Bellilotte)
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18. Dezember 2005 - Batseba
Die vierte Frau, die Matthäus im Stammbaum Jesu anführt, nennt er nicht einmal mit Namen: „David zeugte mit der Frau des Urija den Salomo (Mt 1,8).
Die Geschichte von David, Urija und Batseba wird im 2. Buch Samuel überliefert. Es ist eine Geschichte von Gewalt und Verbrechen, Schuld und Niedertracht, aber auch von Mut und Größe, Buße und Sühne, mit einer hoffnungsvollen Zukunftsperspektive: Was schlecht anfängt, muss nicht für alle Zukunft schlecht verlaufen oder unvermeidlich schlecht enden!
König David war „groß“, aber in zwiespältigem Sinn: Großzügig und grausam, lyrisch und verlogen, machtbesessen und mild, verbrecherisch und reuevoll.
Es war die Zeit der Kriege gegen die Ammoniter. König David genießt auf dem Dachbalkon seines Palastes den kühlen Abend, und schaut hinunter auf die Stadt. Da bemerkt er eine Frau beim Bade, und ihm wird wieder heiß: Sein ganzes Denken konzentriert sich nur noch darauf - wie kann er diese Frau bekommen? Er fragt seine Diener und ihre Antwort ist ermutigend: Es handelt sich um die Frau eines seiner Generale, Urija. Ihr Name: Batseba. Ihr Gemahl steht gerade im Kampf vor Rabat Ammon. Boten gehen hin und her, es wird unmöglich sein, die Sache geheimzuhalten. David riskiert den Schritt und lässt Batseba zu sich bringen. Warnend sagt ihm Batseba noch, sie habe ihre Tage, doch er lässt keinerlei Bedenken gelten. - Wenige Wochen später lässt Batseba David ausrichten, dass sie von ihm empfangen hat.
Wir können getrost annehmen, dass David nicht allein der aktive Teil an diesem Ehebruch war - gut möglich, dass Batseba es darauf angelegt hat, den König zu verlocken: Sei es, dass sie sich gelangweilt hat, sei es, dass sie einen langfristigen Plan im Auge hatte!
König David muss Schritte unternehmen, um den Skandal zu vertuschen („Der König beschläft die Frau seines Generals!“). Batsebas Mann bekommt sofort Heimaturlaub, der König behandelt ihn auffallend freundlich und ehrenvoll, lässt sich die Fortschritte im Krieg genau schildern, macht ihn halb betrunken und sagt ihm dann: „Geh nach Hause und wasch dir die Füße!“ - Er soll mit Batseba schlafen, dann wird man schon nicht merken, von wem das Kind herkommt.
Doch Urija lehnt ab! Er übernachtet bei den Knechten im Vorraum. „Unsere Soldaten liegen im Feld, da kann ich nicht zu meiner Frau heimgehen und es mir gutgehen lassen!“
Er wird wohl erfahren haben, wie ihm die Hörner aufgesetzt worden sind, und wehrt sich auf die einzige Art, die ihm möglich ist: Er spielt nicht mit.
David schreitet zum Äußersten. Er schickt Urija zurück in den Krieg und gibt ihm einen Brief mit an den Oberfeldherrn Joab: „Lass Urija umkommen!“ Urija selbst überbringt das Schreiben, das seinen Todesbeschluss enthält. Umgehend befielt Joab ein Himmelfahrtskommando, die ganze Einheit wird vor Rabat Ammon aufgerieben, und auch Urija findet den Tod. Ach, wie „süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben“…
David rastet aus, als er von der Schlappe und vom sinnlosen Verheizen seiner Truppe benachrichtigt wird, beruhigt sich aber sofort, als er erfährt, dass auch Urija dabei umgekommen ist, er „tröstet Joab über den Verlust“.
Batseba kommt an den Hof, sie wird die Gemahlin des Königs: Welch eine Ehre und Auszeichnung, wie schön sorgt David für die Frau seines gefallenen Helden! So kommt alles wieder in beste Ordnung. Wir wissen nicht, inwieweit Batseba eingeweiht war oder vielleicht selbst aktiv an diesen Vorgängen beteiligt war - jedenfalls war sie nicht dagegen.
Der Prophet Nathan aber tritt vor David und klagt ihn an im Namen Gottes: Des Ehebruchs und des Mordes, indem er ihm die berühmte Parabel von jenem reichen Mann vorträgt, der einem Armen sein Schäfchen raubte, das seine einzige Freude war. Der König, als er die Geschichte hört, springt zornig auf, da erklärt ihm Nathan mit schneidender Stimme: „Du selbst bist der Mann!“ –
Nicht jeder reagiert wie David, als ihm eröffnet wird, dass seine Untat bekannt geworden ist: Er bereut und bittet Gott um Vergebung; als das Kind schwer erkrankt, fastet er und liegt nachts auf der bloßen Erde. Am siebenten Tag stirbt das Kind. Da beendet David sein Fasten, wäscht und salbt sich, und tröstet seine Frau Batseba: „Er ging zu ihr hinein und schlief mit ihr. Und sie gebar einen Sohn und er gab ihm den Namen Salomo. Der Herr liebte Salomo.“
Was können Menschen tun, die sich so furchtbar vergangen haben, die jedoch ihre Vergangenheit wirklich nicht mehr zurückholen können? Nicht lebenslange Buße und Verzicht, sondern das Ja zum Leben und zum Glück soll die Art sein, das Verbrechen zu sühnen. Es ist nicht ein trotziges „Jetzt erst recht“, das sich von Batseba und David lernen lässt: Es ist vielmehr die Überzeugung, dass Menschen leben dürfen trotz aller Schuld und dass es kein besseres Mittel zu Wiedergutmachung und Sühne gibt, als so intensiv und so „gut“ zu leben wie möglich.
Deshalb ist Batseba wichtig im Stammbaum Jesu bei Matthäus: Der Messias wird nicht kommen, um die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder. ER ist und schenkt uns Gottes unbedingtes Ja zum Leben und zu uns Menschen.
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Autor / Quelle: Wilfried Kaaser, Pastoralassistent
Beitrag online bis 31.3.2006 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (17.12.05 - 17.12.05 - ) / 1271 / 1395
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