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Hilde Hofrichter mit Enkelin Philomena und deren Vater Heimo
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22. Dezember 2005 - Hofrichter Hilde
Unsere Kirche? Die ist eine Baustelle, im Großen wie im Kleinen hier in Hallein. Nie fertig, aber so lang sich etwas bewegt, ist sie nicht tot.
1942 in Wien geboren, mit Peter seit 1966 verheiratet, vier Kinder, 11 Jahre Tätigkeit im Tourismusverband Hallein, seit 1998 in Pension.
Wir, mein Mann Peter und ich, sind fast auf den Tag genau 25 Jahre hier in Hallein. Es war der 12. Dezember 1980, als wir in ein kaum fertiges, feuchtes Haus einzogen. Katharina war damals 13, Veronika 12, Joachim 6 und Pia gerade etwas über ein Jahr alt. Und nun hat unsere "kleine" Pia vor 14 Tagen selbst ein Baby zur Welt gebracht, eine hübsche kleine Tochter, der die Eltern den seltenen Namen Philomena, die Geliebte, gegeben haben. Mit ihr gibt es in unserer Familie nun sechs Enkelkinder und, wenn alles gut geht, kommt im Februar ein siebentes, das erste für Karin und Joachim.
Immer, wenn ein Kind in unserer Familie zur Welt kommt, stellen sich mir viele Fragen: nach seinem persönlichen Schicksal, nach dem Geschick und den Möglichkeiten seiner Eltern, nach seinem Platz im Leben, in der Gesellschaft, in der Kirche. Was wird es sehen, erleben, vorgelebt bekommen? Was wird ihm wichtig sein? Was wünsche ich Philomena und im Weiteren uns allen für die Zukunft?
Für mich selbst wünsche ich mir genug Kraft und Durchhaltevermögen, um mit den Anforderungen der schon ziemlich großen und noch immer wachsenden Familie zurecht zu kommen und dabei weder mich selbst noch meinen Mann zu kurz kommen zu lassen. Ich finde, die jungen Leute haben es heute schwerer als wir es vor 30, 40 Jahren hatten. Die beruflichen Anforderungen, der Leistungs- und Zeitdruck sind viel größer geworden. Das wirkt sich auf die Kinder aus. Sie müssen mit dem hohen Tempo mithalten, es geht nicht anders. Da springen wir gern ein, wenn das gebraucht wird, damit unsere Enkelkinder z.B. an schulfreien Fenstertagen, wie etwa dem 9. 12., versorgt und die Eltern entlastet sind. Es ist sehr schön, sie ein paar Tage bei uns zu haben, allerdings ist es auch eine Herausforderung. Ich nehme es als Fitnesskur, denn sie bringen mich immer so richtig auf Touren und dafür muss ich ihnen ja eigentlich dankbar sein. Es stellt sich uns also weder die Frage nach dem Sinn des Lebens noch ist uns je langweilig.
Irgend wann einmal möchte ich aber noch etwas ganz Verrücktes, Außergewöhnliches tun, aber da ist noch gar nichts klar. Kochen vielleicht, meine große Leidenschaft, irgendwo für viele Leute, oder ein paar Monate ins Kloster gehen oder einmal eine Zeit lang wo ganz anders in der Welt, unter ungewohnten Menschen und Umständen zu leben versuchen.
Wir leben in Hallein in der Wallmannhofstrasse in guter Nachbarschaft miteinander. Einige von uns sehen von ihren Gärten aus zwar nun statt dem Dürrnberg nur mehr die Hinterseite eines Supermarktes, aber wir hatten es ja lange Zeit schön unverbaut, was soll´s. Was mich derzeit als Salzburgerin aber furchtbar zornig macht, ist die permanente Verringerung öffentlicher Sozialleistungen. Kürzungen überall: Saftladen, Hilfswerk, Haus Mirjam, Haftentlassenen-Nachsorge... Dafür soll das Feuerwerk zu Silvester in Salzburg ganz schön teuer sein. Hier stimmt vieles grundsätzlich nicht mehr. Die Sorge für diejenigen, die, aus welchen Gründen immer, nicht für sich selbst sorgen können, ist uns aufgegeben, dafür sind unsere Steuern zu verwenden, nicht aber zur Finanzierung eines Silvesterspektakels. Das eine ist ein Muss, das andere ein Kann, wenn sich´s ausgeht. Als Bundesbürgerin ärgert und schmerzt mich die unverantwortliche Kürzungspolitik im Bildungsbereich. Ich wünsche mir ganz dringend, dass der Mensch wieder Mittelpunkt politischen Denkens und Handelns wird.
Unsere Kirche? Die ist eine Baustelle, im Großen wie im Kleinen hier in Hallein. Nie fertig, aber so lang sich etwas bewegt, ist sie nicht tot. Schön wäre es, wenn die „Baupläne“, kämen sie nun aus Rom oder aus Hallein, ein wenig mehr einsichtig, verständlich und nachvollziehbar vermittelt werden könnten! Für die Baustelle „Pfarre Hallein“ erhoffe und wünsche ich mir, dass nicht nur Steine bewegt werden, sondern dass wir auch als Gemeinde in dieser Pfarre wieder in Bewegung kommen, dass wir uns auf den Weg machen, auch heute und morgen nach Gott zu fragen, und zu leben, was die Botschaft Jesu ist: Als von Gott geliebte Menschen in Liebe zu Gott und zu unseren Mitmenschen zu leben. Das wollte er uns beibringen, dafür ist er Mensch geworden. Das ist es, was wir zu Weihnachten, in ein paar Tagen, feiern. Oder?
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Autor / Quelle: Hilde Hofrichter
Beitrag online bis 31.3.2006 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (21.12.05 - 21.12.05 - ) / 1275 / 362
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