Diese Seite als Druckausgabe
Pfarrer Wolfgang Del-Negro beim "bibelfest" im Ziegelstadel
Richard Schwarzenauer war voller ökumenischem Tatendrang
|
Bemerkenswerte Predigt
Beim Ökumenischen Gottesdienst am 16. Jänner in der evangelischen Kirche hielt Pfarrer Wolfgang Del-Negro eine beachtenswerte Predigt.
Den Inhalt dieser Predigt wollen wir unseren Besuchern der Homepage nicht vorenthalten.
Mt 18, 1-4: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“
Nur auf der Grundlage eines vertieften Verstehens von Vergebung und Heilung, die uns durch Christus geschenkt wird, kann ein neues Miteinander entstehen. Voraussetzung ist, Kränkungen und Verletzungen wahrzunehmen und zu „erkennen“.
Es herrscht hier bei vielen, für die Ökumene eine Herzensangelegenheit ist, große Ungeduld, dass nichts weitergeht. Aber der ökumenische Prozess braucht es auch, dass alle auf diesem gemeinsamen Weg mitkommen können. Nicht die Schnellen allein können das Tempo bestimmen! Es ist zu respektieren, wenn andere Bedenken, Zweifel und Zurückhaltung zeigen. Die Geschichte des Exodus zeigt: Unterwegs-sein hat immer wieder gott-gewollte (?!) Pausen - aber es geht dennoch weiter! Andererseits zeigt das Beispiel der Wüstenwanderung: Zweifler können den Weg ins gelobte Land blockieren.
Zweifler und Blockierer sind es auch, die Jesus aufregen! Die, die immer die gleichen Fragen stellen, dieselben Denkmuster stricken: „Wer ist der Größte…?“ - „Wenn wir erst einmal die richtigen Großen haben, wird sich alles zum Guten wenden…!“ Unwillkürlich fragt man sich: Der neue Papst - eine neue - oder keine Chance für die Ökumene?
Ökumene braucht zwar Verhandlungen unter den „Großen“ und „höchstkirchliche“ Dokumente. Offizielle Dokumente sind aber noch nicht die Ökumene!
Ökumene sind in erster Linie die Menschen in den verschiedenen Kirchen, die bereit sind, Wege zueinander zu sehen und zu finden. Dokumente sind Hilfe oder Hindernis - die wahre Überzeugungsarbeit geschieht jedoch an der Basis, durch Menschen, die ihr Misstrauen überwinden, Freunde werden, miteinander ihr christliches Leben feiern. Daraus erwachsen dann hoffentlich auch die nötigen Dokumente!
„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so bleibt euch das Himmelreich verschlossen.“
Einen Schlüssel bietet hier die Psychotherapeutin Brigitte Gross: Sie entwickelt Methoden, um zum eigenen inneren Kind zu finden - zu dieser ursprünglichen Lebensfreude - den Qualitäten, die man als Kind hat…
Kinder-Qualitäten?- Kinder sind nicht automatisch besser als Erwachsene: Aber sie sind noch nicht belastet durch eine Lebensgeschichte (oder erlernte Geschichte) mit Enttäuschungen, Verletzungen, Niederlagen, Machtspielen, Kämpfen…
- Sie sind offener für Neues: Nicht festgefahren in Gewohnheiten, Traditionen, Verpflichtungen…
- Kinder sind nicht automatisch kommunikativer; manche sind ängstlich und zurückgezogen: Aber sie sind so, wie sie sind - wenn sie es noch nicht gelernt haben, kommen sie ohne Masken, Verstellungen, Heuchelei aus.
- Kinder sind nicht automatisch ehrlicher, wahrhaftiger: Aber noch leichter fähig Fehlverhalten, Lüge, Irrtümer wirklich hinter sich zu lassen, ohne alte Geschichten immer wieder aufzuwärmen…
Ich denke, in einer Gemeinschaft von guten Freunden können solche Eigenschaften von „Kind sein“ gelebt werden!
Wenn ich heute - vermutlich das letzte Mal bei so einem Gottesdienst - dankbar auf einen langen ökumenischen Weg zurückschaue, dann sehe ich, dass da sehr viel davon Wirklichkeit geworden ist:- Erste Gesprächsversuche lockerten das vorherige lediglich Nebeneinander-her-Leben auf. Keine wirklich traditionelle evangelische Familiengeschichte zu haben, hat manches erleichtert. Aber zunächst waren es nur wenige, die diesen Weg mitgehen wollten. In der eigenen Gemeinde hatte das Einigeln der Minderheit Tradition.
- Mit Christian Galsterer beschritten wir den Weg des sich Öffnens, des Wahrnehmens der ausgestreckten Hände katholischer Kollegen. Die große Zahl konfessioneller Mischehen musste ernst genommen werden.
- Wir erinnern uns an die Aufbruchstimmung nach dem 2. Vatikanum.
- Viele Gespräche gab es mit Rupert Reindl: In wenigen Jahren, hoffte er, würde es die Einheit der Christen geben… (Ich konnte nie über den Schatten meiner Nüchternheit springen: Schon damals meinte ich: Beim Amts- und Kirchenverständnis wird sich´s spießen!)
- Mit Balthasar Sieberer in St. Johann erfolgte die gemeinsame Renovierung und Nutzung der Annakapelle.
- Richard Schwarzenauer war voller ökumenischem Tatendrang – ich dagegen: „Wir wollen uns nicht an der ökumenisch geweiteten Brust erdrücken lassen“ - diese Einstellung führte jedoch zur Genauigkeit im Umgang miteinander, zur Freundschaft und der Fähigkeit, vieles gemeinsam zu tun. Letztlich erwächst daraus auch die Stärke, Krisen leichter auszuhalten, sie nur als Krise zu sehen, und als vielleicht notwendige Pause…
- Jahrelang haben wir im „Ökumenischen Arbeitskreis“ versucht, den Salzburger ökumenischen Weg mitzugestalten, ein Weg, wie ihn die christlichen Kirchen in ganz Österreich zu gehen versuchen. Der Papstbesuch in der Christuskirche war ein Höhepunkt. Dann Graz als Ort der großen ökumenischen Versammlung…
- Beim „Ökumenischen Sozialwort“ bestand anfangs in der evangelischen Kirche die Sorge: Können wir da überhaupt mitgehen? Es wurde dann jedoch eine besondere Erfahrung von Gleichwertigkeit! Gleichwertige Partner - nicht: Wer zahlt, schafft an…
RESUMEE Ökumene ist nicht einfach ein schwieriger Weg, sondern ein Weg, auf dem christliche Lebensfreude in all ihren Spielarten und Möglichkeiten erlebt werden kann. Da ist es gewiss schmerzlich, dass es Grenzen des gemeinsam Möglichen gibt. Aber „Sein wie die Kinder“ heißt auch: Sich nicht auf das Schmerzhafte zu konzentrieren, sondern das Mögliche tun - und dass dies unseren Pfarrgemeinden hier in Hallein immer besser gelingt, das gebe Gott.
Autor / Quelle: Pfarrer Mag. Wolfgang Del-Negro (evangelische Gemeinde)
Beitrag online bis 30.11.2006 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (25.1.06 - 24.02.06 - ) / 1308 / 315
|