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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
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Seitdem Jesus am Kreuz starb, hat der Tod es mit Gott selbst zu tun bekommen.


Auf(er)stehen

In der Auferstehung durchbricht Christus die Mauern des Todes. Auch wir können die Grabsteine durchbrechen, die uns am Leben hindern, können heraus aus den Mauern, die uns umgeben, um das Licht von Ostern zu erblicken, um das Leben in uns zum Leben zu erwecken. Wir können und wir müssen. Was hilft uns denn seine Auferstehung, wenn wir nicht aufstehen?

Ostern 2002

29.03.2002: Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein.

Johannes und Jesus laufen zum Grab Jesu. Atemlos. Schweigend. Sie haben es eilig. Die Nachricht hat sie überwältigt. Sie laufen zum Grab, um vom Leben zu erfahren. Der Herr ist wahrhaft auferstanden. Unglaublich. Aber wahr. Ein Wettlauf zum Grab. So schenkt die Liebe der Freude Flügel. Liebe macht nicht blind, aber sie blickt mit den Augen des Herzens. Johannes ist der Charismatiker. Er ist schneller überwältigt, sein Weg in den Ostermorgen ist kürzer. Der Realist ist ein Fels in der Brandung der Ungewissheiten. Er tut sich schwerer mit dem Glauben, weil die Vernunft ihn zweifeln lässt. Petrus trägt noch schwer an seinem Versagen, aber kein Hahn kräht mehr danach. Der Charismatiker lässt ihm den Vortritt. Die Kirche braucht sie beide: Petrus, den Realisten und Johannes, den Begeisterten. Braucht die Visionen und die Fakten. Historie und Verkündigung. Beide kommen zum Glauben. Werden überzeugende Osterzeugen. Können wir ihnen glauben? Ihre Nachricht hat die Welt verändert. Für immer. Aber am Ostermorgen unseres Lebens geht es uns wie ihnen. Sie wollen den Auferstandenen festhalten. Wollen sicher gehen. Aber er entzieht sich ihnen. Er ist nicht zu fassen. Der Schritt in den Ostermorgen wird auch für uns ein Weg aus der Nacht ins Licht. Erst dann erkennen wir, dass der Stein, der das Leben im Tod lassen will, weggerollt ist. Beide, der Realist und der Begeisterte, künden, was der Glaube zur Erfahrung macht: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten!




Autor / Quelle: Bernd Kaut

Beitrag online bis 5.4.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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