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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
Diese Seite als Druckausgabe


Wie kann so wenig nur Nahrung sein für so viele?

kann denn das brot so klein für uns das leben sein
kann denn ein becher wein für uns der himmel sein

Wilhelm Willms




Gott gibt mir Brot und Wasser nicht darum, dass ich essen und trinken soll wie ein Pferd oder Esel, sondern, dass ich aus einer solchen leiblichen Gabe seine Güte erkennen und mich derselben auch in andern Nöten trösten soll.

Martin Luther

20. August 2006 - 20. Sonntag im Jahreskreis

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank.

Was nährt den Menschen? Es ist nun schon der vierte Sonntag, an dem wir Abschnitte aus einer langen Rede vom Brot im Johannesevangelium lesen. Brot und die Frage, was nährt, was satt macht, scheinen zu den zentralen Themen des Glaubens und des Menschseins überhaupt zu gehören. Jesus nimmt dieses Bild selber auf (und erregt genügend Ärgernis damit): „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“

Was nährt uns Menschen, unseren Leib, unsere Seele, unseren Geist, unsere Sehnsucht, unsere Erinnerung und unsere Hoffnung? Im Grunde nährt gar nichts den Menschen wirklich. Alles bleibt vorläufig, alles bleibt unfertig und unerfüllt. Wir bleiben hungrig und fragend, manchmal sogar gierig und unersättlich und erkennen – mit den Worten Ingeborg Bachmanns: „Es muss im Leben mehr als alles geben.“

Keine Angst: Ich habe kein dunkelgraues Bild vom Menschen, aber doch eines von einem Wesen, das bedürftig und angewiesen ist und dessen Seele nur schwer stillbar ist. In der Gemeinde hier in Wien, wo ich mit meinen Mitschwestern gerne zum Gottesdienst gehe, bekommen wir bei der Kommunion immer einen Teil der großen Hostie in die Hand gelegt. Ich halte dieses kleine, unscheinbare, gebrochene Brot gerne noch einen Moment in der Hand und bete: „Jesus, du bist gebrochen, unfertig, unscheinbar – aber du nährst mich, und du bist genug.“





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag Aachen - Christine Rod MC

Beitrag online bis 17.9.2006 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (17.8.06 - 24.08.06 - ) / 1489 / 186