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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
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Wichtiger noch als Gott sehen zu können, ist die Gewissheit, von ihm angesehen zu werden.


In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.

(Augustinus)

6. Sonntag der Osterzeit

03.05.2002: Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit.

Es gibt stumme Abschiede. Alles ist gesagt. Und wortreiche. Jesus hält zum Abschied lange Reden. Bevor er weggeht, will er sicher gehen. Ob sie alles verstanden haben, die da zurückbleiben? Verstehen wir´s? Er geht weg. Wir bleiben. Ein Tröster kommt. Dieses ganze Evangelium ist ein Kommen und Gehen und keiner findet die Ruhe, es zu begreifen. Zum Abschied will Jesus noch einmal alles zusammenfassen. Deshalb redet er über seine Lieblingsthemen: über die Wahrheit, die Gebote, über den Vater und über die Liebe. Eine Summa Theologica. Danach ist Jesus weg. Der Geist ist gekommen. Die Kirche geblieben. Und sie predigt all das, was Jesus ihr damals eingeschärft hat. Sie redet vom Geist, von der Wahrheit, vom Frieden und von der Liebe. Vor allem von der Liebe, seit zweitausend Jahren. Irgendwas muss schief gelaufen sein. Die Gewalt hat noch nie so viel verletzt. Der Hunger frisst die Kinder eines ganzen Kontinents. Der Durst verdorrt die Hoffnungen von fast zwei Drittel der Menschheit. Heilige Kriege bedrohen den Weltfrieden. Haben wir zu kurz gepredigt, zu selten gebetet, zu wenig geglaubt? Oder fehlt noch was? Zweimal benennt Jesus in dieser Rede, was uns fehlt: Wer liebt, hält meine Gebote. Ja, wir haben geglaubt, gebetet, gepredigt. Aber seine Gebote gehalten? Geliebt? Wohin ist Jesus? Wir finden ihn dort, wo seine Worte keine Zitate bleiben. Alles ist gesagt.





Autor / Quelle: Bernd Kaut

Beitrag online bis 10.5.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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