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20. Dezember 2006 - Seniorenheim Hallein: Die „Vergiß-Meinnicht“-Station

Jeder möchte alt werden, aber kaum jemand möchte alt sein: Zu den unvermeidlichen Folgen des Älterwerdens gehört leider das Nachlassen der körperlichen und geistigen Fähigkeiten.

Die Bewohner der „Vergiß-Meinnicht“-Station leben in verschiedenen Stadien der Demenz. Dies würden manche wohl als schlimmes Ereignis und Katastrophe betrachten und vielleicht innig hoffen, dass es ihnen erspart bleiben möge.

Ein Besuch in unserem Seniorenheim zeigt aber deutlich, dass dieses Leben durchaus erträglich und zeitweise auch schön sein kann: Die Bewohner werden in einer Weise betreut, dass sie ihre Individualität behalten können und ihr Leben so weit wie möglich selbst führen können.

Adnana Pasic, die Leiterin der Station: „Unsere Ziele sind: Zufriedene Bewohner, die ihre innere Ruhe gefunden haben. Durch Regelmäßigkeit in der Betreuung, Achtung, Respekt und Kompetenz können demente und desorientierte Personen ihre „vergessenen Fähigkeiten“ zurückgewinnen und damit Kompetenz im Alltag erreichen.“ Diese Station gibt es seit 10 Jahren, die Idee und Durchführung stammen von Adnana Pasic.

Manfred Rehrl hat eine Ausbildung als Maschinenbauer und früher bei Emco gearbeitet, dann die Ausbildung zum Altenfachbetreuer gemacht. Er arbeitet gern mit den alten Leuten und findet diese Arbeit schön und befriedigend. Für ihn ist es kein Problem, mit alten Leuten zu tun zu haben und oft ihren Abbau miterleben zu müssen. Bei Bekannten und Verwandten würde es natürlich mehr belastend sein, aber hier lernt man die Menschen erst als Patienten kennen. Sie erkennen oft ihre eigenen Angehörigen nicht mehr. Wichtig sind die gewohnte, ruhige Umgebung und immer die gleichen Personen, die sie betreuen.

Jasna Kos arbeitet als Praktikantin. Durch Aktivierung sollen die Patienten gefördert werden, jedoch bleibt neben der Versorgung leider oft zu wenig Zeit für Spiele, Gespräche und Gemeinsamkeit.

Ulrike Schmidt arbeitet gern auf dieser Station. Manchmal braucht jemand besondere Zuwendung oder es ist auch nur notwendig, jemand in die Arme zu schließen oder die Hände zu halten, so dass sie sich geborgen und vertraut fühlen, in einer Welt, die sie nicht mehr verstehen und begreifen können.

Die Bewohner der Station sind natürlich unterschiedlich, wie die Menschen auch sonst überall: Manche mögen gerne Besucher, andere wollen lieber ihre Ruh haben. Aber über ein paar freundliche Worte haben sie sich immer gefreut, und ich betrachte es als Ehre und Freude, dass einige sich auch gern von mir in die Arme haben schließen lassen und sich wohlgefühlt haben, wenn ich ihnen leise „Wohin soll ich mich wenden…“ vorgesungen habe.





Autor / Quelle: Wilfried Kaaser - Pastoralassistent

Beitrag online bis 19.12.2006 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (19.12.06 - 19.12.06 - ) / 1624 / 398