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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
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Das erste Wunder

Wenn wir Wunder wirken könnten, womit würden wir wohl beginnen? Mit der Heilung eines Kranken? Mit der Speisung der Hungernden? Jesus hat anders angefangen. Er hat für eine durstige Hochzeitsgesellschaft Wasser in Wein gewandelt. Du wolltest ein fröhliches Fest, lachende Menschen voll Hoffnung. Du hast etwas getan, was jeder verstehen konnte. Du hast ihnen Freude gemacht, ihnen ein Zeichen gegeben: Meine Botschaft soll froh machen.




Nun, das war ja eine unglaubliche Menge Wein! Allerdings. Wir trinken ja noch heute davon!

Hieronymus

14. Jänner 2007 - 2. Sonntag im Jahreskreis

Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand. Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist.

Maßlos übertrieben ist die Menge an (überragendem) Wein, den Jesus da für die Hochzeitsgesellschaft in Kana bereitstellt – ähnlich maßlos wie die alte Trinklied-Träumerei „Wenn das Wasser vom Rhein lauter Wein wär’…“. Sorgt Jesus hier nur dafür, dass ein (be-)rauschendes Fest fröhlich und unbeschwert ausklingen kann und dem Brautpaar ein beschämender Abbruch der Feierlichkeiten erspart bleibt? Das allein wäre schon viel, gerade für ärmere Leute, die wenigstens an so einem Fest nicht an den Mangel erinnert werden wollen, der sonst ihr Leben beherrscht und einengt. (Und ärmere Leute müssen es gewesen sein. Hat man je von Reichen gehört, denen bei einem Fest der Wein ausgeht?)

Aber es geht hier um wesentlich mehr. Das Weinwunder ist ein „Zeichen“, verweist also noch auf eine andere, tiefere Wahrheit. Darauf nämlich, dass mit Jesus jene Zeit des Heils angebrochen ist, die man sich gern in den Bildern einer Hochzeit und einer Überfülle von Wein ausgemalt hat. Das Weinwunder ist ein Fingerzeig, dass mit Jesus der gekommen ist, der unseren Mangel in Fülle, unsere Sorge in Freude verwandeln kann. Damit birgt die Geschichte eine ungeheure Ermutigung in sich: Trau dich – im Bild gesprochen – Leute einzuladen und ein Fest des Lebens zu feiern, auch wenn du zweifeln musst, dass deine Weinvorräte reichen; trau dich, etwas Wichtiges und Gutes anzufangen, auch wenn du glaubst, dass deine eigenen Kräfte der Aufgabe nicht gewachsen sind. Nur so kannst du entdecken, in welchem Übermaß Gott deinen Mangel ausgleicht und in Segen verwandelt.





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag Aachen - Hans Reithofer

Beitrag online bis 11.2.2007 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (11.1.07 - 18.01.07 - ) / 1645 / 176