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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
Diese Seite als Druckausgabe


Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.


Wenn die Prediger doch Sprache hätten. Ich will die andere Sprache! Erst durch das Leiden an der Form gewinnt die Seele Geist. Dieser gibt jener die Autorität. Die Feuerzunge.
(Peter Handke, Schriftsteller)


Herr, lass etwas passieren!

Heute morgen war ich im Gottesdienst ... Das einzig Aktuelle: die Bekanntmachungen. Hätte doch wenigstens einer gelacht oder geschluchzt oder die Kirche verlassen. Hätte doch einer „Bravo“ oder von mir aus „Halleluja“ gebrüllt. Was soll ich meinen Kindern sagen, wenn ich nach Hause komme? Wie soll ich meine Kirche verteidigen, wenn in ihr keine Toten auferstehen von ihrer Gleichgültigkeit; wenn in ihr keine Gottlosen entdecken, dass sie überraschend geliebt werden; wenn in ihr keine Einsamen plötzlich Wärme spüren? Herr, lass etwas passieren in unserer Kirche!
(Hermann Traub in „Brennpunkt Gemeinde“)

Pfingsten 2002

17.05.2002: Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.

Als wäre es nicht genug, allein Jesu Auferstehung zu begreifen! Ja, im wahrsten Sinne des Wortes zu be-greifen, dass da wirklich der tot geglaubte Jesus vor ihnen steht, ist vielleicht noch nicht mal das Schwerste. Er zeigt ihnen seine Hände und seine Seite. Mit den eigenen Fingern können sie ertasten, was da vor ihren Augen sichtbar wird. Ganz anders verhält es sich dagegen mit dem Heiligen Geist, der ihnen fast im gleichen Atemzug entgegenweht. Hier geht es nicht ums Begreifen, nicht darum, sich an Beweisstücken festzuklammern. Hier geht es - eher im Gegenteil – ums Loslassen. Loslassen, um loszugehen und es Jesus nachzutun. Kaum bleibt den Jüngern Zeit, sich an seiner Auferstehung zu freuen. Gern hätten sie wie früher wieder mit ihm zusammengesessen, wären ihm auf seinen Reisen gefolgt. Aber was er jetzt von ihnen verlangt, ist etwas anderes. Er schickt sie los, aber er geht nicht wie gewohnt voran. Er bleibt ihnen verbunden, aber nicht, um sie auf neuen Wegen an die Hand zu nehmen. Was er da fordert, ist für die Jünger zunächst einfach un-begreiflich. Jesus weiß das. Darum verleiht er seinen Worten mit einem kräftigen Hauch Nachdruck: Nehmt von meinem langen Atem. Das ist der Heilige Geist. Und geht mit meinem Frieden. Den gebe ich euch gleich doppelt dazu. Ihr werdet ihn brauchen.




Autor / Quelle: Susanne Brandt

Beitrag online bis 23.5.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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