Diese Seite als Druckausgabe
Mag. Barbara Rauchwarter
Pfarrer Dr. Peter Gabriel freut sich bei der Begüßung sichtlich, dass schon am ersten Abend der Fastenaktion das evangelische Pfarzentrum bis auf den letzten Platz besetzt ist.
|
Gott hat nicht einmal einen Bart
In einem bis auf den letzten Platz gefüllten evangelischen Pfarrzentrum begann Mag. Barbara Rauchwarter den Reigen der Vorträge der Fastenaktion 2007.
Ein spannendes Referat, das die weit über 50 interessierten Zuhörer über eine Stunde lang in den Bann zieht, in ein paar Absätzen wiederzugeben ist eine Aufgabe, die man erst gar nicht versuchen sollte. In den folgenden Zeilen können daher nur einige Gedanken und Anregungen aufgenommen werden, die auch dazu einladen wollen, (auch) den nächsten Vortrag zu besuchen.
Ein Gebet, das die Welt umspannt, das die Christen aller Welt vereint, ist das "Vater unser". Bereits 75 n.Chr. ist dieses Gebet fester Bestandteil der christlichen Gemeinden. Die Evangelisten Matthäus und Lukas haben es der Nachwelt übermittelt. Während Matthäus seine Formulierung mit Blickrichtung auf die jüdische Tradition asugerichtet hat, wendet sich Lukas in seiner Textfassung an die "Heidenchristen" und damit vom Grundverständnis wohl auch an uns.
Bevor wir das Vaterunser beten, sollten wir uns unserer Beziehung zu Gott klar werden, die Gott selbst als einen "Bund" bezeichnet hat. Diese Beziehung zu Gott am Morgen und am Abend festzumachen kann mit keinem Gebet besser gelingen. Wenn Jesus uns aufträgt, zum Gott "Vater" (Abba) zu sagen, will er damit auf die besondere, "familiäre" Bindung hinweisen, die Gott uns anbietet.
Moses versucht in der Geschichte um den "brennenden Dornbusch" von Gott herauszubekommen, wer er ist, wie sein Name ist. Die Antwort "JAWH" wurde vielfach versucht mit dem Hintergrund der jüdischen Überlieferung für uns verständlich zu übersetzen. "Ich bin der ich bin da" oder "ich werde sein, der ich sein werde" oder auch nur "ich bin da" sind nur ungenügende Versuche, dieses "Tetragramm" für uns verständlich zu übersetzen.
Alle (mehr oder weniger gut gemeinten) Versuche, Gott für uns festzumachen, sind zum Scheitern verurteilt; Gott wird uns immer anders begegnen.
Die Bezeichnung "Herr" für Gott war zu den Zeiten der Urchristen eigentlich als eine Provokation auf das gottähnlich sein wollende Getue der Herrschenden gedacht. Es war ganz sicherlich nicht gedacht als eine Einordnung Gottes zu einem Menschenbild eines bestimmten Geschlechtes - auch wenn in der Geschichte der Kirchen dies wohl allzuoft versucht wurde. "Gott ist kein Mann und auch keine Frau", so Barbara Rauchwarter und setzt noch einen drauf: "Und ganz bestimmt hat er keinen Bart". An keiner Stelle der Bibel kann ein diesbezügliches Bild, ein diesbezüglicher Anspruch abgeleitet werden.
Das Vaterunser kann und soll jeder und jede natürlich auch allein sprechen, dennoch ist dieses Gebet kein Gebet für Individualisten, sondern das einer Gemeinschaft, die Jesus selbst gestiftet hat.
Unser Vater im Himmel ist keine Person aus Fleisch und Blut, jeder Versuch ihn sich vorzustellen muss unserer Begrenztheit wegen von Haus aus zum Scheitern verurteilt sein. Demzufolge will Gott von seiner Kirche, von den Menschen seines Bundes, auch kein hierarchisches System mit "denen oben" und "denen unten". Ganz klar sind diese Vorgaben in den Petersbriefen nachzulesen; die ersten Christengemeinden haben dies umzusetzen eine ganze Zeit lang auch geschafft, was dann aus dieser Forderung Gottes geworden ist, mag jeder selbst beurteilen.
Wie können wir Got "heiligen"? Gott zu heiligen, das kann man ganz sicher nicht "machen". Am ehesten vrständlich wird diese Forderung nach dem persönlichen Freimachen für eie "geheiligte Zeit", eine Zeit, in der nicht das Laufen nach Geld und Anerkennung unser Denken und Tun bestimmt. Wenn wir Menschen versuchen, etwas zu "heiligen", laufen wir immer Gefahr, etwas Profanes mit dem Fluidum der Macht zu umgeben. Gottes Name selbst heiligt uns und will von uns geheiligt werden.
Das ganze Referat als pdf-Dokument zum Nachlesen.
Autor / Quelle: Helmut Meisl
Beitrag online bis 31.12.2007 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (26.2.07 - 06.03.07 - ) / 1726 / 362
|