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 © Helmut Meisl

 Fastenaktion
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Prof. Dr. Karl Kumpfmüller




Die Bürgerspitalskirche erwies sich auch dieses Jahr wieder als idealer Veranstaltungsort für die Fastenaktion.

Alle wollen ihn, keiner besitzt ihn: Frieden

In den Genuss eines brillanten Vortrages von Prof. Dr. Karl Kumpfmüler kamen alle Besucher des zweiten Abends der Fastenaktion.

Wenn Kirchen ein System des Friedens errichten wollen, das biblisch begründet ist, muss es auf Gerechtigkeit aufbauen. Friede ist schließlich weit mehr als das Fehlen von Krieg. Friede ohne Gerechtigkeit ist nicht möglich.

Wie kann man eine harmonische Gesellschaft erreichen, in der erspürbar ist, was in der Bitte des Vaterunser ausgesprochen wird: "Dein Reich komme"? Zu glauben, dass "der Friede" unter Menschen auf Erden schon möglich ist, wird zweifelsfrei zu Frust und Enttäuschung führen. Die großen Ziele im Auge behaltend, machen durchaus auch schon die kleinen Schritte Sinn. Graduell mehr Gerechtigkeit zu erreichen, lohnt sich auch in kleineren Schritten schon. In der ganzen Geschichte der Menschheit gab es immer schon verschiedene Modelle im Zusammenleben, die mal gerechter und mal ungerechter waren.

"Friede ist Leben in Konflikten" (Friedrich Heer) - nachdem das Leben nie konfliktfrei sein wird, kann auch Friede nur in Konflikten stattfinden. Auch wenn Familien und Gesellschaften frei von Krieg sind, frei von Konflikten werden sie kaum sein. Entscheidend bei Konflikten ist der Umgang mit ihnen, entscheidend ist wie man mit ihnen umgeht und was man daraus lernt. Wenn Menschen älter werden und aus ihren Konflikten etwas gelernt haben, sollte das Leben eigentlich freier von Konflikten werden.

Im Sinne des Zitats von Friedrich Heer ist das Streiten für Kinder ungeheuer wichtig für die Entwicklung und sinnvoll, wenn dabei auch das Verzeihen und Entschuldigen Platz hat und erlernt wird.

Hauptursache von Konflikten sind u.a. Situationen, wo sich jemand benachteiligt oder ungerecht behandelt fühlt. Vernachlässigkeit, Lieblosigkeit, fehlende Anerkennung, Ungleichheit (des Besitzes, von Macht, von Einfluss, von Zugang zu Wissen ...), Arroganz und Dummheit sind weitere wichtige Faktoren für das Entstehen von Konflikten.

Konflikte können autoritär (Drohung - Sanktionen - Gewalt) oder ausgleichend angegangen werden. Ein Richter sollte eigentlich die "Schwachen" vor den "Starken" schützen, ein Grundsatz, der in den letzten Jahrzehnten von den Juristen zu Grabe getragen wurde - es geht nur mehr um Besitz, Besitzerhaltung, ausgleichende Konfliktregelung findet nicht mehr statt. Frieden bedeutet aber Kampf um Ausgleich, nicht um Vorteil. Wird dies nicht beachtet, zerstört das Handeln die Gesellschaft.

"Frieden ist ein Leben in Ungerechgtigkeit" oder "der Markt hat keine Seele". Einer Illusion sind all jene aufgesessen, die davon geträumt haben, dass "der Markt" alles regelt. Tatsächlich ist "der Markt" unbarmherzig und funktioniert hinsichtich Schaffung einer friedlicheren Gesellschaft ganz sicher nicht.

Unser Friede ist heute massiv bedroht, allerdings nicht durch die "Feinde" von außen, sondern durch den Kampf um all die Privilegien in unserer Gesellschaft. Wie ungerecht verteilt die Güter der Erde sind, belegen einige wenige ganz aktuelle Zahlen: Nur 1% der reichsten Menschen auf der Erde besitzen 40% aller Güter, andererseits besitzen 50% der Menschen (immerhin 2,4 Miliarden) nur 1% der Güter der Menschheit. So viel eklatante Ungleichheit hat es auf der Erde noch nie gegeben, wobei zu allem Überdruss diese Tendenz noch immer weiter verstärt wird.

Soll unser brüchiger Friede Bestand haben, so müssen sich alle für Gerechtigkeit einsetzen.

Die These vom "auserwählten Volk" wird dann zum Problem, wenn diese These nicht nur für das Zusammenleben in einer Glaubensgemeinschaft herangezogen wird, sondern gleich auch als Prinzip einer staatlichen Ordnung herhalten muss. Am Ende einer solchen Entwicklung stehen Nationalismus und alle seine Folgekatastrophen; die Politik Israels ist hier ganz sicher nicht frei von gravierenden Fehlern, um ein konkretes Beispiel zu nennen.

Voraussetzung für den Dialog im Leben mit unterschiedlichen Kulturen sind Wissen, Verstehen und Annehmen. Dabei muss Herzensgüte das Denken und Handeln leiten, fehlt diese, nützt alles Wissen nichts.

Drei Thesen zum Weiterdenken gab es schiesslich noch zum Schluss.

  • Du sollst nicht begehren - der Habierige kennt kein Fest (er hat alles, kann aber damit nichts anfangen ...)
  • Wer für die Wahrheit taub ist, hat keinen Freund. Hören ist der Weisheit Anfang.
  • Handle für den, der handelt; der Träge hat kein Gestern (sei solidarisch mit dem, der sich einsetzt für Gerechtigkeit, dessen Handeln allein aber nicht ausreicht).

    Frieden ist ein Leben in aktiver Solidarität, das aber maßvolles Handeln voraussetzt.

    Den überaus spritzigen Vortrag hier wiedergeben zu wollen, wäre ein nicht erfüllbarer Anspruch. Die Auszüge aus dem Vortrag wollen Anregungen zum Weiterdenken für jene bieten, die dabei waren und jene neugierig machen auf das Versäumte, die an diesem Abend nicht kommen konnten.




    Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl

    Beitrag online bis 31.12.2007 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
    P 5 (6.3.07 - 13.03.07 - ) / 1734 / 349