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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
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Dreifaltigkeit

Das Geheimnis zu erforschen ist Vermessenheit,
es zu glauben, ist Frömmigkeit,
es zu schauen, ist Seligkeit.

(nach Bernhard von Clairvaux)


Ich lebe lieber in einer Welt voller Geheimnisse als in einer, die so klein ist, dass mein Verstand sie begreift.
(Jean Giono)



Dreifaltigkeitssonntag

24.05.2002: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

Als Trostwort habe ich diesen Vers gegen Ende einer Beerdigung oft den Menschen zugesagt. Können Trauernde wirklich Trost daraus ziehen? Weil Gott seinen einzigen Sohn hingab, kann ich einen geliebten Menschen etwas leichter hergeben, freigeben allein in die Obhut seines Schöpfers? Manchmal mag einer so empfinden. Und doch, dieses Bibelwort hat nicht allein und nicht zuerst die Trauernden im Blick. Als Mutmach-Wort gilt es denen, die mitten im Leben stecken; die mutig oder müde, zäh oder kraftlos den Lebenskampf führen, die nach ihres Lebens Sinn und Ziel fragen, die so manches Mal verzagen möchten und Hilfe brauchen, um sich immer wieder aufzurappeln. Hingegeben hat Gott seinen Sohn an dieses Leben. Nichts, was das Leben ausmacht, blieb dem Sohn fremd, die Freude nicht, Leid und Schmerz nicht – und schon gar nicht die Liebe. Im Gegenteil: seine Liebe ist das Maß aller Dinge. Aus Liebe wurde er einer von uns, in Liebe neigte er sich den Menschen zu, lehrte und heilte er, aus Liebe ertrug er Kreuz und Tod – die Liebe eint ihn mit dem Vater. Und diese Liebe ist unsere Rettung, lässt sie sich doch durch nichts begrenzen, auch nicht durch Sterben und Tod. Wer der Liebe des Vaters glaubt, die im Sohn Gestalt angenommen hat, der hat das ewige Leben. Gibt es einen stärkeren Trost?




Autor / Quelle: Gundula Kühneweg

Beitrag online bis 30.5.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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