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Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchen alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.
Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, das hächste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.
Hier sind die starken Kräfte, die unerschöpfte Macht; das weisen die Geschäfte, die seine Hand gemacht: der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer, der Fisch unzählge Herde im großen wilden Meer.
Hier sind die treuen Sinnen, die niemand unrecht tun, all denen Gutes gönnen, die in der Treu beruhn. Gott hält sein Wort mit Freuden, und was er spricht, geschicht, und wer Gewalt muß leiden, den schützt er im Gericht.
Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod, ernährt und gibet Speisen zur Zeit der Hungersnot, macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl, und die da sind gefangen, die reißt er aus der Qual.
Er ist das Licht der Blinden, erleuchtet ihr Gesicht, und die sich schwach befinden, die stellt er aufgericht. Er liebet alle Frommen, und die ihm günstig seind, die finden, wenn sie kommen, an ihm den besten Freund.
Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm; der Herr allein ist König, ich eine welke Blum. Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt, ists billig, daß ich mehre sein Lob vor aller Welt.
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'Du meine Seele singe'
Zum 400. Geburtstag von Paul Gerhardt
Paul Gerhardt wurde am 12.3. 1607 als Sohn eines Bürgermeisters, Bauern und Gastwirts geboren; als er 12 Jahre alt war, starb der Vater, zwei Jahre danach die Mutter. Paul konnte dennoch die Fürstenschule in Grimma besuchen. Als infolge des Dreißigjährigen Krieges die Pest auftrat, entvölkerte sich die Schule, Paul Gerhardt aber hielt tapfer aus. Am 15. Dezember 1627 verließ er Grimma mit dem Zeugnis für den Besuch der Universität und studierte ab 1628 Theologie in Wittenberg . Hier lebte er bis 1642 und arbeitete als Hauslehrer.
1643 übersiedelte Paul Gerhardt nach Berlin und war bis 1651 Hauslehrer bei A. Berthold, seinem späteren Schwiegervater. 1651 bekam er eine feste Anstellung als Probst in Mittenwalde. 1655 heiratete er Anna Maria, geb. Berthold. 1657 wurde er Pfarrer an der Nikolai-Kirche in Berlin. 1666 wurde er entlassen, weil der stark von der traditionellen lutherischen Orthodoxie geprägte Paul Gerhardt dem preußischen Toleranzedikt nicht zustimmen wollte, das auch den Protestanten reformierter Prägung eine Heimat in der Kirche bieten sollte. Er hatte im Auftrage der Kirchenleitung Berichte und Eingaben an den Kurfürsten mit verfasst und mit unterzeichnet und stand somit als einer der Wortführer der Unerschütterlichen in deren vorderster Reihe. Diese Schriften lassen ihn als sattelfesten Theologen, gewandten Dialektiker und klaren, logischen Denker erkennen. Zwar konnte er aufgrund vieler Bittschriften sein Amt noch eine Zeit lang ausüben, aber seine beharrliche Konsequenz führte 1667 endgültig zum Verlust der Pfarrstelle.
1668 starb Paul Gerhardts Frau, auch vier der fünf Kinder waren bereits gestorben. Nach zwei Jahren ohne Amt wurde er 1669 Archidiakon im abgelegenen Ort Lübben im Spreewald, wo er nach sieben einsamen Jahren starb.
Paul Gerhardt dichtete in all den Jahren mehr als 130 Lieder und wurde nach Martin Luther der bedeutendste Liederdichter der deutschen evangelischen Christenheit. Seine Lieder entstanden aus der Erfahrung persönlichen Leides und zu einem großen Teil in der Zeit, als der Dreißigjährige Krieg tobte, vor allem in den Jahren zwischen 1643 und 1653; sie sind besonders von Gottvertrauen und Heilserfahrung geprägt. Das älteste Berliner Gesangbuch von Johann Crüger enthält 18 Lieder von Gerhardt, die Ausgabe von 1653 bereits 81. Für die Verbreitung seiner Lieder hat der Dichter selbst nichts unternommen, dass sie bekannt wurden, ist das Verdienst von Crüger und dessen Nachfolger Johann Georg Ebeling, der 1666 auch die Gesamtausgabe der Lieder von Paul Gerhardt besorgte. Oft wird gesagt, seine trostvollen Lieder seien aus der Not des Dreißigjährigen Krieges geboren. Passionslieder sind aber tatsächlich die größte thematische Gruppe in seinem Schaffen; es waren vor allem die traurigen persönlichen Erfahrungen, die er als bekennender Christ in der Kirche seiner Zeit machte, welche ihn prägten und seinen Liedern zu Grunde legte. Seine Lieder bezeugen, dass er dadurch nicht verbittert wurde, sondern in sinnlicher, bildlich-anschaulicher und gefühlvoller Sprache von Leid und Not und von dennoch bewährter Zuversicht des Glaubens sprechen konnte. Er erzählt in archetypischen Bildern vom nahen Gott - ganz gegen die Theologie seiner Zeit, die den herrschenden und richtenden betonte. Sogar mütterliche Züge werden gezeichnet von einem Gott, der im Alltag der Menschen gegenwärtig ist und in der Schönheit seiner Schöpfung allezeit erfahrbar wird.
Autor / Quelle: Ökumenisches Heiligenlexikon
Beitrag online bis 1.5.2007 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (12.3.07 - 12.03.07 - ) / 1741 / 181
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