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 © Helmut Meisl

 Fastenaktion
Diese Seite als Druckausgabe


Dechant Mag. Christian Schreilechner




Rund 90 Personen kamen trotz widriger äußerer Umstände in das Pfarrzentrum nach Neualm

Menschenwürde kann man nicht erwerben

Menschenwürde hat jeder Mensch unabhängig von Religion, Hautfarbe, Rasse, Bildung oder welchen Kriterien auch immer.

Ist der Austausch des Wortes "Vater" oder "Abba" gegen den Begriff Menschenwürde eigentlich zulässig? Ist in der Menschenwürde ein Wesensmal Gottes enthalten? Mit diesen grundsätzlichen Fragen begann Mag. Christian Schreilechner den 4. Vortrag in der diesjährigen Reihe der Fastenaktion im Pfarrzentrum Neualm.

Was bedeutet eigentlich der Begriff "Würde"? Wie ist dieser Begriff eigentlich zu übersetzen? Am Beispiel des geläufigen Stehsatzes, jemand "hat seine Krankheit mit Würde getragen" fällt es leichter zu verstehen, was damit gemeint sein kann: Sicher nicht resignierend kapituliert vor dem Schicksal - nicht frustriert dem Schicksal ergeben - kein passives Laufen-lassen - mit der Krankheit versöhnt - mit und trotz der Krankheit das Leben bejahend ...

Würde ist etwas Lebendiges und Aktives, ein Ereignis, das immer wieder herausfordert, sich den sich jeweils verändernden Situationen des Lebens zu stellen und dabei zu sich und seinen Mitmenschen ja zu sagen. Menschenwürde bedeutet auch ein Ja-Sagen zu Menschen, sich ständig und immer wieder neu in ein Verhältnis zum anderen zu setzen oder sich zu setzen lassen. Wir alle dürfen uns nicht verweigern, wenn wir menschenwürdig handeln wollen.

So gesehen ist es zulässig, den Begriff Menschenwürde als "Ersatz" für das Wort Vater / Abba zu verwenden. Alles Zwischenmenschliche findet sich auch im Verhältnis zu Gott wieder. Schon in der Bibel ist nachzulesen, dass Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen und danach festgestellt hat, das es gut war. D.h. Gott bejaht uns Menschen und er setzt sich auch immer wieder zu uns Menschen ins Verhältnis, er verweigert sich nicht, er lässt den Menschen Achtung und Würde zuteil werden.

Den anderen Menschen bejahen, auf ihn zugehen, sich zu ihm in ein Verhältnis bringen, sich nicht verweigern, das sind die wesentlichen Punkte der Würde.

In den Evangelien der Fastensonntage im katholischen Lesejahr kann dieser Wille Gottes, den Menschen seine Würde zukommen zu lassen, überall erkannt werden.

Menschenwürde kann schließlich auch nur gelebt werden, wenn wir anderen Menschen vergeben können und ihnen so ihre Menschenwürde bewahren. Vergebung ist schon ein wesentlicher Teil der jüdischen Tradition gewesen, in der Jesus gelebt hat und ist auch ein wichtiger Bestandteil des christlichen Glaubens des Neuen Testaments. Im Judentum wurde der Begriff "Sünde" mit "Getrennt sein von Gott" übersetzt. In der Sünde geschieht eine Zerstörung der Gottesbeziehung durch den Menschen. In der Sünde bringen wir uns in ein Missverhältnis zu Gott.

Menschenwürde wird weitaus öfter verletzt, als uns bewusst ist.



Zum Weiterlesen
Umfangreiche Informationen, Texte und Erklärungen zu diesem Thema im Internet (Wikipedia).





Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl

Beitrag online bis 31.12.2007 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (19.3.07 - 27.03.07 - ) / 1749 / 314