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Der Solarkocher im Pfarrgarten im Einsatz
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Solares Kochen - Nur ein Gag?
Vorführung eines Solarkochers im evangelischen Pfarrgarten
Zwei mal bereits baute ich unter den staunenden Blicken der Gottesdienstbesucher am Vorplatz der evangelischen Pfarrgemeinde Hallein den Solar-Kocher auf, um ihn nach dem Gottesdienst vorzuführen. Ich denke, ich konnte glaubhaft machen, dass dieser auch funktioniert. Durch eigene Verwendung dieses Kochers weiss ich, dass er bei Sonnenschein tatsächlich eine Alternative zum E-Herd ist. Für experimentierfreudige Köche macht es zusätzlich auch Spass sich auf eine „andere Art“ des Kochens einzulassen.
Übrigens wussten sie schon, dass die Sonne in einer Stunde weltweit die Menge an Energie einstrahlt, die die gesamte Weltbevölkerung in einem Jahr verbraucht. Wenn davon auch der größte Teil über den Meeren bzw. über unbewohnten Gebieten die Erde trifft (und somit nur indirekt über Wind- und Wellenenergien nutzbar wäre), so könnten und sollten wir doch einen weit größeren Anteil der direkten Strahlungsenergie nützen.
Es ist wissenschaftlich belegt, dass derzeit 120% der Erdoberfläche erforderlich wären, um menschliche Aktivitäten zu absorbiert. D.h. wir leben schon längst nicht mehr im ökologischen Gleichgewicht.
Angesicht dieses drohenden Öko-Kollapses einerseits und eines schier unerschöpflichen Energie-Angebotes andererseits, muss doch das Sinnen und Trachten von uns Menschen die konsequente Nutzung dieser sauberen Energie sein.
Solares Kochen und sonstige solare Anwendungen sind daher richtige Ansätze, die es gilt anzuwenden und weiterzuentwickeln.
Die ersten Solarkocher wurden bereits im Auftrag von Napoleon III. für die französischen Kolonialtruppen in Afrika entwickelt. Nach diesen frühen Versuchen wurde die Idee mit der Sonne zu kochen erst wieder in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgenommen.
Heutzutage sieht man insbesondere in den Entwicklungsländern eine grosse Chance für die Anwendung der Solarkocher. Dort müssen Familien oft 30% ihres Einkommens für Brennholzkauf aufwenden oder legen beim Sammeln Strecken bis zu 15 km/Tag zu Fuss zurück. Die Folgen dieses systematischen Abholzens sind Bodenerosion, Versteppung und langfristig Veränderung unseres Klimas. Die qualmende Rauchentwicklung beim traditionellen Kochen mit Feuer hinterlässt oft genug schwere gesundheitliche Schäden bei diesen Menschen.
Es gibt eine Vielzahl von Solarkochertypen, die sich in zahlreichen Variationen kombinieren lassen. Zwei Techniken sind am weitesten verbreitet: Der heute meistverwendete Reflektorkocher ist ein Parabolspiegel mit 1,4m Durchmesser und einer Leistung von ca. 750 W. Damit werden die Sonnenstrahlen im Brennpunkt konzentriert und ein (vorzugsweise) schwarzer Kochtopf in dieser Position erhitzt.Da dieser Kochertyp dem Sonnenstand nachgeführt werden kann, wird die Sonnenstrahlung recht gut ausgenutzt und kann Temperaturen bis zu 300° Celsius erreichen. Um eine Leistungsvorstellung zu bekommen: dieser Spiegel bringt (bei guter Sonneneinstrahlung) z.B 1 Liter Kaltwasser in ca. 10 Minuten zum kochen, der Vergleichswert auf unserem klassischen E-Herd (perfektes Elektrogeschirr vorausgesetzt) benötigt immerhin ganze 7 Minuten. Mit einem 12-Liter Topf können pro Mahlzeit 12 Personen versorgt werden. Der Solarkocher eignet sich zum Abkochen von Wasser, Braten, Kochen, Garen, aber auch zur gewerblichen Nutzung in Färbereien, Seifenherstellung und Saftproduktion. Die Menschen bekommen durch dieses Gerät also die Chance ein kleines Einkommen zu generieren.
Die Solarkiste arbeitet dagegen mit der einfachen Treibhaustechnik. Es handelt sich um eine gut isolierte Kiste mit schwarzer Innenverkleidung , Glasabdeckung und darüber montierten Sonnenspiegel. Die Kochzeiten sind länger als beim Reflektorspiegel, jedoch ist dieses Gerät infolge der geringeren Grösse flexibler zu handhaben.
Wir (mein Mann und ich) hatten die Chance anlässlich einer Projekt-Reise auf dem bolivianischen Hochland mit Intersol, ein kleiner Salzburger Verein, im Herbst 2006 den Einsatz von Reflektorkocher mitzuerleben. Für ein indogenes Volk, wie die Urus, schwerst marginalisiert, ohne Strom, kaum Arbeit, immer am Existenzminimum lebend, ist Solarenergie eine wertvolle „Lebenshilfe“. Eine garantiert warme Mahlzeit pro Tag ohne laufende Energiekosten. Dass solche Programme sehr wohl politische Sprengkraft in sich bergen, wurde uns auf dieser Reise auch bewusst.
Veranstaltungshinweis Evangelisches Gemeindezentrum Hallein, Davisstraße 38, 1.Oktober 2007, 19:30h Dr. Hans Eder vom Verein INTERSOL spricht zum Thema "Internationale Solidarität".
Autor / Quelle: Helga Schinninger
Beitrag online bis 30.10.2007 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (25.8.07 - 01.10.07 - ) / 1859 / 231
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