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 Pfarrzentrum Neualm
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Wachsen und......


........Werden



Leben durch stetes Wachsen und Werden

Gedanken aus dem Herbst-Pfarrbrief der Pfarre Neualm

LEBEN - durch stetes Wachsen und Werden:
Gedanken von Gertrud Bohuny

in der Behutsamkeit und in der Zärtlichkeit – im Vertrauen und im Da-Sein – in der Treue – in der Liebe und in der Freundschaft– im Frohsein und in der Trauer – im Versuch und im Irrtum – in der Selbstwahrnehmung und in der Achtsamkeit – im Zuhören und im Reden – in der Verantwortung – im Loslassen und im Vollenden.

R.M. Rilke drückt all dies in seiner ihm eigenen Poesie aus:

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um
den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht:
bin ich ein Falke,
ein Sturm oder ein großer Gesang.


Ich will immer mehr und anderes und besseres...
Gedanken von Robert Golderer (Pastoralassistent)

Ein Gespräch im Sommer beschäftigt mich noch immer, die Frau meinte:
Ich habe alles erreicht, was ich mir mein ganzes Leben vorgenommen und gewünscht habe. Wir haben unser eigenes Haus, ich liebe meinen Mann und unsere zwei Kinder, ich kann meinem Beruf zumindest teilweise nachgehen, den Kontakt zu unseren Freunden und Verwandten möchte ich nicht missen, und trotzdem wird mir alles zuviel, ich kann und will nicht mehr – ich versteh das nicht.
Auch diese Erfahrung wird sicher jeder schon gemacht haben: Man erzählt von seinen Problemen, Krankheiten und Sorgen und wird stumm und sprachlos, wenn man von den Lasten anderer hört.
Warum ist es für einige manchmal so schwierig, mit dem nur ihnen geschenkten Leben zufrieden zu sein, warum will man immer mehr und anderes und besseres?
Personen, die nicht genug haben konnten, auf der Suche waren und ihr Glück im Übermaß zu finden hofften, gab es auch zur Zeit Jesu.
Sein Umgang mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen ist für mich immer wieder anders und ungewohnt. Er nimmt sie ernst, er begegnet ihnen wertschätzend, er baut sie auf, berührt und bereichert sie und akzeptiert ihre Lebensumstände. Er verurteilt nicht bei Fehlverhalten sondern hilft dem Menschen, damit er sich selbst helfen und finden kann (Lk 7,36ff); kein Wort von Schuldzuweisung selbst bei außerordentlichen Umständen (samaritische Frau, die fünf Männer hatte vgl.: Joh 4), kein Vorwurf oder Schuldspruch, selbst wenn er sein vorhergehendes Leben verprasst, versauft und mit Huren verbringt (bibl. Gleichnis vom barmherzigen Vater), kein schlechtes Gewissen erzeugen bei Menschen, die nach ihrem eigenen Vorteil suchen (Mahl mit Zöllner und Sünder Mt. 9,9ff). Er nimmt die Menschen so an wie sie sind, weil er sie mag. Schuldzuweisungen nützen nichts. Akzeptanz führt zu Veränderung. Die erste Vorraussetzung für eine Wandlung im Leben ist nicht der Wille zur Umkehr, sondern das Annehmen können der gegenwärtigen Situation. Ist ein Mensch, mit welchem Nachteil auch immer er leben muss, denn mehr oder weniger „wert“ als einer, der sein Leben für geordnet hält? Jede Lebenssituation verdient es, ernst genommen zu werden.





Autor / Quelle: Robert Golderer u. Gertrud Bohuny

Beitrag online bis 30.11.2007 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (5.10.07 - 30.11.07 - ) / 1922 / 248