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6. Dezember 2007 - Das ELTheater

Heute ist die Premiere des Stückes „Krach im Hause Gott“ von Felix Mitterer in der evangelischen Kirche Hallein. Kurt Schwaiger, der die Regie führt, berichtet über das ELtheater und Alt-Pfarrer Wolfgang Del-Negro, der von Anfang an dabei war.

Die Truppe entstand 1994 aus dem „Evangelischen Literaturkreis“ (deshalb „ELTheater“), der als Ziel seiner Tätigkeit die Gestaltung von gemeindeeigenen Veranstaltungen und Festen sah.

Der Wunsch einiger Mitglieder, einmal auch Theater zu spielen, bewog den Leiter des Literaturkreises, Kurt Schwaiger, damals Lehrer für Bewegungserziehung und Sport an der Pädagogischen Akademie Salzburg, einen ersten Versuch zu wagen. Die Auseinandersetzung mit Literatur war der Ausgangpunkt für die Arbeit. Mit den Theaterproduktionen gesellte sich dann die Spielfreude dazu und der Nervenkitzel der Aufführungen.

Das alleine macht Amateurtheater aber nicht aus. Der große Gewinn ist die lange Probenarbeit, in der das Stück und seine Rollen erarbeitet werden. Bewegungsarbeit, Spracharbeit, Textlernen, Überlegungen zu Bühnenbild, Kostümen, Musik, Ton und Technik prägen eine intensive und spannende Arbeit, bei der das Endergebnis zwar wichtig ist, aber der Weg dahin das eigentlich Wertvolle darstellt.

Der Unterschied zum Schauspieler an professionellen Bühnen liegt zu einem Teil in dieser Auffassung der Prozessorientierung. Der Profi ist in seinem Erfolg viel stärker vom Endprodukt abhängig. Seine Karriere ist bestimmt davon. Die genannten Kriterien für das Amateurtheater entsprechen naturgemäß nicht seinen Intentionen.

Das Nachahmen von Profi-Theater wäre für Amateure aber kontraproduktiv. Wohl gelten auch manche Gesetze aus dem professionellen Theater für Laien, aber grundsätzlich muss es Eigenständigkeit entwickeln, da völlig andere Voraussetzungen gegeben sind.

Eine Besonderheit ist es auch, dass in der Kirche Theater gespielt wird - eine unserer festen Spielstätten. Das Theater hat seine Wurzeln im Gottesdienst: Es ist aus den Mysterien der Gottesverehrung heraus gewachsen und hat sich verselbständigt.

So können wir vielleicht gerade bei unserer neuesten Produktion „Krach im Hause Gott“, von Felix Mitterer, sagen: Wir sind zurückgekehrt an den Ort, der die Wiege des Theaters darstellt.




"Krach im Hause Gott" - das aktuelle Stück des ELTheaters
Markus Schwarz, Wolfgang Del-Negro, H.C.Kröss, Gerlinde Steinberger, Helmut Mitsch

Wolfgang Del-Negro und das ELtheater

Der evangelische Alt-Pfarrer von Hallein ist in Pension und kann sich nun ganz und gar auf seine Karriere als Schauspieler konzentrieren. Er war von Anfang an dabei. Als 1994 die Theatertruppe des evangel. Literaturkreises allmählich Gestalt gewann und sich an ein erstes Projekt wagte, war Wolfgang Del-Negro der einsame Geograf in „Der kleine Prinz“ von Exupery. Diese Rolle stand ihm familienbedingt sehr gut, denn sein Vater war ein bekannter Geologieprofessor an der Universität Salzburg und unterrichtete am Gymnasium auch Geografie.

Der Einstieg war perfekt. Aber es ging gleich dramatisch weiter. Wolfgang Del-Negro übernahm die fiese Rolle des Fabrikanten Birling in Priestleys „Ein Inspektor kommt“. Diesen neoliberalen Widerling spielte er so glaubwürdig, dass er in der Folge noch weitere skrupellose Leute verkörpern durfte. Darunter auch die Glanzrolle des Hoteliers Ganser in „Steinbichler Geschichten“ von Herbert Rosendorfer.

Dann war es allerdings eine sehr sympathische Rolle, in der er als jüdischer Großvater mit seiner Enkelin in einem Versteck Zuflucht suchen muss: In „Die Mädchen von Viterbo“ von Günther Eich.

Die Vielseitigkeit seines Spieltalents, gepaart mit seiner kultivierten Sprache, zeigte sich dann in einer weiteren schwierigen Rolle, in Dürrenmatts „Romulus der Große“. In diesem Stück gelingt ihm eine überzeugende Darstellung des germanischen Feldherrn Odoaker, der den letzten römischen Kaiser in Pension schickt.

Und am 6. Dez. 07, mit der Premiere der neuesten Produktion des ELtheater, ist Wolfgang Del-Negro wohl an einem vorläufigen Höhepunkt seiner Theaterkarriere angelangt, nämlich beim Lieben Gott. Er spielt zwar einen ziemlich grantigen Gott, aber immerhin Gott.

Über den Erfolg dieser Rolle kann erst zu einem späteren Zeitpunkt berichtet werden, doch kann man davon ausgehen, dass die Besucher der Vorstellungen ihr Kommen nicht bereuen werden!


Autor / Quelle: Kurt Schwaiger

Beitrag online bis 31.12.2007 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (5.12.07 - 07.12.07 - ) / 1970 / 399