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Gemeinsam für die Kirche beten ...
... miteinander feiern
und über die Zukunft der Kirche (nicht nur in Hallein) nachdenken.
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17. Dezember 2007 - Halleiner Pfarrkreis
Ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wieviel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes tun, die ihn bitten. (Mt 7, 9-11)
Warum waren die Menschen damals, vor 2000 Jahren, von Jesus so begeistert und sind ihm nachgelaufen? Weil er ihnen einen gütigen, liebevollen Vatergott gezeigt hat, einen Gott, vor dem sie nicht Angst haben brauchten, einen Gott, dem man nicht durch Pflichterfüllung und Befolgung von Geboten dient - er hat ihnen Gott ganz anders gezeigt, als die „Schriftgelehrten und Pharisäer“.
Warum ist die Geschichte mit den Christen eigentlich weitergegangen und hat nicht aufgehört, als Jesus weg war? Weil immer wieder Leute von dem angesprochen und fasziniert wurden, was ihnen der Jesus gesagt und gezeigt hat. Man hat dann bemerkt, dass es wichtig ist, Gemeinschaften zu bilden, zusammenzuhalten, diese Dinge weiterzugeben - so ist die Kirche entstanden.
Warum hat es immer wieder Streitereien unter den Christen gegeben? Immer wieder hat es rechthaberische Leute gegeben, die nur ihre Meinungen geltenlassen haben und andere Meinungen abgelehnt, ausgegrenzt und verfolgt haben; vielleicht haben sie auch Vorteile davon gehabt, dass sie sich als die Besten, Auserwählten, Wichtigsten gehalten haben.
Wie ist es weitergegangen? Die wesentlichen Dinge von Jesus und seiner Lehre sind immer geblieben, aber oft sind andere Seiten hervorgetreten. Ein riesiges Glaubenssystem ist entstanden. Das Ausüben von Macht, Einfluss, Herrschaft hat bald eine große Rolle zu spielen begonnen. Und immer hat jeder, der den Glauben so für sich nutzbar gemacht hat, justament das für den Willen Gottes erklärt.
Hat die Kirche aber nicht viel Bedeutendes und Gutes für die Menschen gebracht? Na klar - sonst gäbe es sie ja wohl nicht mehr. Aber neben dem Guten und Faszinierenden, das von Jesus herkommt, hat es auch immer wieder viel Übles und Unmenschliches gegeben. Wenn sie überwiegend nicht auf Seite der Menschen stand, wenn Macht, Einfluss, Geld, ein angenehmes Leben für die Oberen eine zu bedeutende Rolle gespielt haben, ist es mit der Kirche bergab gegangen.
Warum ist sie nicht zugrunde gegangen? Weil immer wieder neu die wesentlichen Aussagen vom Jesus verkündet und gelebt worden sind! Im 11. Jh. war es ein totaler Saustall („das dunkle Jahrhundert der Kirche“), da traten die Armutsbewegungen, z. B. Franz von Assisi auf, oder in der Renaissancezeit: Da kam Martin Luther und die Reformation.

Emmausgang am Ostermontag
Warum geht es der Kirche heute nicht gar so gut? Weil wieder einmal - wie schon so oft - aller mögliche Firlefanz als das Wesentliche am Glauben dargestellt wird und man sich offensichtlich kaum darum kümmert, was der Kern der christlichen Botschaft ist und was die Leute eigentlich brauchen und wollen. Oder braucht irgendwer die Diskussion über die Pille, interessiert irgendwen der Streit, ob die Protestanten Kirche sind oder nicht, oder hält irgendjemand die ewigen Diskussionen für wichtig, ob Frauen Pfarrer werden, oder Pfarrer heiraten dürfen? Der Jesus hätt´ sich auf den Kopf gegriffen über seine Nachfolger.
Ist das nicht ein Vorwurf an die Kirche, direkt Nestbeschmutzung? Na ja - man wird es ja wohl noch sagen dürfen. Vom Pater Beda aus Mariazell, der deftige Sprüche geliebt hat, hab ich (vor Jahrzehnten) einmal gehört: „Nicht der ist ein Nestbeschmutzer, der drauf hinzeigt und sagt: Räumts den Dreck da weg, sondern der, der ihn gemacht hat!“ Ich glaub aber nicht, dass sich bald irgendwas ändert, das System der katholischen Kirche hat sich derart abgeschlossen und einzementiert, dass man nirgends etwas von einer Änderung sehen kann.
Ist deshalb der Pfarrkreis Hallein entstanden? Wenn sich die Kirche so zeigt, dass sie für die Menschen da ist, wenn die Seelsorge sich um die Menschen annimmt und den Menschen nachgeht, wenn man auch manches Altgewohnte verlässt und mutig, froh und selbst begeistert immer wieder neu probiert, die „FROHE BOTSCHAFT“ weiterzugeben - dann werden die Menschen auch erreicht, dann sind sie gerne bei und in der Kirche. Wenn es aber nur um ein trostloses „Pflichterfüllen“ geht und ein ewiges Wiederholen längst sinnlos und unverständlich gewordener Sachen - dann suchen die Leute halt andere Wege, wie sie das kriegen können, was sie eigentlich brauchen und möchten. Viele treten aus der Kirche aus, manche gehen zu anderen Kirchen oder Sekten - der Pfarrkreis hat sich jedenfalls gebildet, um zu versuchen, die Art von Christentum zu leben, die sie als schön und hilfreich kennen.
Was macht der Pfarrkreis? Die dabei sind, treffen sich öfter, diskutieren, feiern gemeinsam - jeden Monat gibt’s eine Vesper -, sie gestalten einen Emmausgang am Ostermontag, sie tragen und organisieren die jährliche ökumenische Fastenaktion mit, und sie hoffen auf bessere Zeiten.
Der Pfarrkreis versucht also, auf seine Weise dem Ideal des Christentums näherzukommen? Ich denke, so ist es. Aber, wie so oft, passiert es auch hier, dass Leute halt einfach das weitermachen und weitergeben, was sie einmal als gut erlebt haben. Man spürt wohl viele Hoffnungen, Erwartungen und Wünsche - aber es wirkt nicht wirklich anziehend, strahlt wenig aus. Von außen wirkt alles nur wie das übliche, unbedeutende und uninteressantes Gestreite im innerpfarrlichen Bereich.
Wie wird es weitergehen? Keine Ahnung - wird wohl wieder einmal anders werden. Mir ist aufgefallen, dass in diesem Adventkalender eigentlich fast alle Leute kritische Worte über die Kirche sagen. Das war nicht gewollt oder geplant - es ist nur einfach unvermeidlich. Das sind „die Zeichen der Zeit“! Mir tun die Leute leid, die so viel hoffen und brauchen würden, aber von der Kirche nichts bekommen als dürre Worte, nicht nachvollziehbare Vorschriften und die kalte Schulter.
Und was machst Du? Ja, ich bin halt kein Luther oder Franz von Assisi, ich hab einfach den Hut draufgehaut und den Dienst gekündigt, bin daher jetzt arbeitslos, und kann solche Sachen machen wie hier den Advent-Kalender.
Autor / Quelle: Mag. Wilfried Kaaser, Salzburg
Beitrag online bis 31.12.2007 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (16.12.07 - 18.12.07 - ) / 1993 / 401
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