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Bevor Neues entstehen kann, muss Altes abgerissen werden ...
muss mutig mit einem Provisorium gelebt werden ...
... und die Bauzeit gemeinsam überstanden werden.
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19. Dezember 2007 - HTL Hallein
Die HTL-Hallein hat in ihrer langen Geschichte wohl selten so bewegte Zeiten wie derzeit erlebt: Der alte Schulbau ist abgerissen worden, ein Neubau wächst sichtbar empor. Der Theorie-Unterricht findet in Elsbethen in Teilen der alten Rainer-Kaserne statt. Wie denken Lehrer, Schüler und Eltern darüber, was hoffen und erwarten sie?
Schulen ändern sich nicht nur äußerlich - durch Zu- und Umbauten wie derzeit in Hallein - sie ändern sich auch innerlich: Sie werden geprägt durch die Persönlichkeiten von Direktoren, Lehrern, vielleicht auch Schülern; die Schulgesetze und Schulprofile ändern sich nach Vorgaben aus der Politik; auch Schulen sind dem Zeitgeist und Zeitströmungen ausgesetzt. Von der Halleiner HTL, früher Fachschule, kann man sagen, dass hier immer neben der beruflichen auch die Persönlichkeitsbildung einen hohen Stellenwert hatte - und so etwas kann letztendlich nur durch „Persönlichkeiten“ selbst bewirkt werden. Auch haben hier immer enge Bindungen und Freundschaften unter den Lehrern und zwischen Theorie- und Fachlehrern bestanden.
Anfang Dezember war ein Gespräch mit Direktor Dipl. Ing. Franz Kurz ausgemacht, dem ich gleich zu Beginn gratuliere für die geniale Lösung des Ausweichquartieres in der Kaserne - viel besser, als jahrelanger Unterricht in Containern. Macht dieser Schulneubau und die Auslagerung nach Elsbethen nicht Riesenprobleme? Er meint: „Es ist vieles möglich, wenn man wagt, über das Bestehende hinauszugehen und hinauszudenken. Wachsen lassen uns nur Herausforderungen! Es ist wie bei Steinen: Sie können zu Stolpersteinen werden, wenn sie im Weg liegen, aber man kann auch höherkommen, wenn man sie übereinander stapelt!“ Er liebt Herausforderungen, hier ähnlich seinem Vater, dem früheren Halleiner Bürgermeister. Er hat viele Hoffnungen und Wünsche, die Schule betreffend: „Eigentlich ist es unfair und unzeitgemäß, dass wir noch immer allen Menschen die gleiche Lernmethode aufzwingen - mehr Bewusstsein und Offenheit für verschiedene Persönlichkeiten und Lerntypen wäre gut!“ „Ich stell´ mir vor, dass wir nicht nur Lernschwache, die gern weiterkommen möchten, fördern - sondern dass das auch von besonders Begabten gemacht wird - die könnten sich so eine zusätzliche Qualifikation erwerben, von der sie später profitieren würden!“ „Ein Vorteil und Segen der derzeitigen Situation: Wir sind gezwungen, aus der Komfortzone auszubrechen, das Altgewohnte und Altbewährte zu hinterfragen. Wir können jetzt manches neu und grundsätzlicher überlegen.“ Und schon sind wir beim Thema Kirche - der er eigentlich auch neue Ideen und mutigen Aufbruch in die Zukunft wünscht. „Meine Kirche findet sich nicht so sehr in der ´Organisation Kirche´- es menschelt hier allzusehr!- sondern in der Gemeinschaft der Gläubigen“.

Die Bauarbeiten an der HTL - ganz sicher auch immer ein Thema beim Schulgemeinschaftsausschuss (Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter mit Direktor DI. Franz Kurz im SGA)
Zufällig findet anschließend an unsere Unterhaltung eine SGA-Sitzung statt: Schüler-, Eltern- und Lehrervertreter beraten mit dem Direktor im Schul-Gemeinschafts-Ausschuss ihre Anliegen. Ich darf zu Beginn meine Fragen stellen. Die Vertreter der Schüler haben naturgemäß wenig Erwartungen an den Neubau der Schule, weil sie deren Bezug kaum mehr als Schüler erleben werden. Aber sie sind sehr angetan von der Lösung in der Kaserne: „Viel besser als Container! In der alten Schule gab es oft Störungen durch den Verkehr, hier ist es so ruhig, und es gibt viel Platz. Die alten Gebäude sind schön ausgemalt und richtig gemütlich!“ Die Lehrervertreter im SGA finden, dass hier wahrhaftig aus der Not eine Tugend gemacht wurde, die Notlösung sei sehr gelungen. Innen ist es zwar eng, aber es gibt viel Auslauf und Ruhe. „Ich habe als alter Anti-Militarist alle Vorurteile gegen die Kaserne revidieren müssen: Ich fühl´ mich unheimlich wohl hier! Wenn die neue HTL nur halb so gut wird, wie es hier ist, dann bin ich restlos zufrieden!“ Ein Problem ist, dass jetzt der Kontakt zwischen Theorie- und Fachlehrern gelitten hat, der bisher so gut war. Gegen die Zweiteilung unter der Kollegenschaft müsste vielleicht etwas unternommen werden. Auch die Vertreter der Eltern äußern sich sehr lobend. „Es freut mich sehr, dass ich in einer Zeit lebe, wo aus Kasernen Schulen gemacht werden! Meine Tochter sagt zu mir: Papa, es ist so schön hier! Ich kann mir vorstellen, dass nach der Fertigstellung des Neubaus manche mit Wehmut an die Kaserne denken werden.“ Sie hoffen, dass die kommenden Generationen das Neue zu schätzen wissen werden, wenn niemand mehr an das Alte denkt.
Autor / Quelle: Mag. Wilfried Kaaser, Salzburg (1972 - 1989 Religionslehrer an der HTL Hallein)
Beitrag online bis 31.12.2007 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (18.12.07 - 20.12.07 - ) / 1994 / 453
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