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 © Helmut Meisl

 Fastenaktion
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50 aufmerksame Zuhörer kamen zum ersten Abend in den evangelischen Pfarrsaal

Am Anfang schuf Gott ... Viele Mythen - eine Welt

Eigenartige Menschen: Sobald Gott den Menschen etwas Gutes tut, verderben es die Menschen.

Einen tollen Start legte die diesjährige Fastenaktion am ersten Abend im voll besetzten evangelischen Pfarrsaal hin. Dem Referenten Univ. Prof. Dr. DDr. James Alfred Loader aus Wien gelang es von der ersten Minute an, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen und dazu zu motivieren, den äußerst anspruchsvollen Ausführungen eine ganze Stunde lang aufmerksam zu folgen.



O. Univ.-Prof. Dr. DDr. James Alfred Loader

Die enorme Fülle des Vortrages an dieser Stelle auch nur in den wichtigsten Ansätzen wiedergeben zu wollen ist fast nicht möglich und würde den Rahmen dessen sprengen, was an dieser Stelle sinnvoll ist.

Was heißt "Mythos"
Die Auseinandersetzung, ob es Mythen in der Bibel gibt, wurde in der zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts erstmals behandelt. Zu diesem Zeitpunkt wurden die großen mythischen Texte des vorderen Orients allmählich bekannt. In diesem Zusammenhang entstand ein Bibelstreit, weil das Wort "Mythos" vor allem in seiner englischen Fassung "myth" der Träger der Bedeutung "Unsinn" oder "Lüge" war. Rein wissenschaftlich kann ein Mythos zB. aber als eine Mentalität, als eine Art des Denkens andeuten, wo man das Neue, das noch in dieser Welt in Gottes Schöpfung kommt, aufgrund der Vergangenheit, von dem was in der grauen Vergangenheit liegt, versucht zu projizieren und zu verstehen. Zwischen Vergangenheit und der Zukunft die Gegenwart zu gestalten.
Eine zusammengefasste Definition des Mythos könnte wie folgt lauten: "... eine Erzählung, welche reflektiert über die wahre Welt als Schauplatz der Begegnung von Mensch, Natur und Gott."
Im Alten Testament finden sich viele Mythen, beim Blick in einer zweiten Ebene lassen sich diese aber in einem "Groß-Mythos" zusammenfassen.

Wurde das Alte Testament der Bibel abgeschrieben?
In einer Übersicht präsentierte DDr. Loader die "schockierendsten Mythen" aus dem alten vorderen Orient, die am Ende aber doch wieder in einem "Happy End" münden.
Wenn das Alte Testament der Christen offen und interessiert gelesen wird, können diese alten orientalischen Mythen äusserst interessante Hintergrundmaterialien darstellen. Das Alte Testament und das Denken des Alten Testamentes können so wesentlich besser verstanden und eingeordnet werden. In Beispielen aus dem babylonischem Schöpfungsmythos "Enuma Elisch" wurden die Zuhörer auf frappante Ähnlichkeiten zu den Texten in Genesis 1 hingewiesen.
Neben diesen Ähnlichkeiten gibt es noch eine ganze Reihe von Ähnlichkeiten in den Mythen des alten Orients und jenen im Alten Testament. Beispiele finden sich in der Geschichte von Kain und Abel aber auch beim Turmbau von Babel. Schliesslich ging es noch um Parallelen im "Gilgamesch-Epos" einerseits und der Sintfluterzählung andererseits. In beiden Erzählungen wurden die genauen Maße festgeschrieben, wurde fixiert, wer in die Arche hinein sollte und wie danach der Eingang von Gott selbst verschlossen wurde. In beiden Mythen findet am Ende eine kultische Feier mit Brandopfer statt.

Ein Mythos bietet nicht nur Unterhaltung, aber nicht nur das. Die Funktion der Mythen, wenn diese in einen (1) Erzählfaden (Genesis 1-11) eingebaut gesehen werden, liegt darin den Aufstieg und immer wieder folgenden Untergang zu verstehen und zu sehen. In der Schöpfungsgeschichte gibt es einen Aufstieg, der im Sündenfall seinen Tiefpunkt findet. Der Neuanfang mit der Arche Noah findet ebenfalls einen Tiefpunkt im Turmbau von Babel. Es gibt eine Geschichte Gottes mit dieser Welt, die in diesem Auf und Ab immer wieder weitergeht. In der Tiefe ist die Gnade Gottes da, die ein Weiterleben sichert.

Das Volk Israel ist in Kenntnis des "Wellenganges" der Geschichte mit Gott selbstkritisch, darauf bauend, dass Gott am Tiefpunkt des Wellenganges dafür bürgt, dass das Volk weiterlebt. Als das Volk Israel verschleppt wurde, keinen Staat mehr hatte und in einem extremen Tief war, da wurden die vielen Mythen in einer beispiellosen Aktion zusammengetragen und wurden die vielen altorientalischen Mythen in einen israelitischen Großmythos zusammengefasst. Viele Mythen führten so in einen Großmythos, viele Etappen führten zu einer Geschichte, viele Aspekte enden in einer Welt. Dies muss einen nicht weiter verwundern: Für Israel gibt und gab es immer auch nur einen Gott.

Was der Mensch tut und was Gott tut, bringt Hoffnung für die Zukunft. Diese Geschichte war immer so - schon in den Urmythen. Es war nie anders, weil es grundsätzlich nie anders ist. Gott wird immer eingreifen wenn die Menschen durch Sünde einen neuen Tiefpunkt erreicht haben; er kann nicht anders.

Den Abschluss bildete eine Parafrase des Heidelberger Theologen Gerhard von Rad: "Deswegen, weil das Alte Testament offen liegt in die Zukunft, deswegen musste irgendwann der Christus kommen."


Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl

Beitrag online bis 31.12.2008 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (12.2.08 - 26.02.08 - ) / 2079 / 387