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 © Helmut Meisl

 Fastenaktion
Diese Seite als Druckausgabe


DDr. Franz Gmainer-Pranzl




50 interessierte Zuhörer folgten im Pfarrzentrum Neualm dem anspruchsvollem Referat


Prolog
"Zeit für die Lampe des Engels ..."
(Christine Busta)

Immer noch die Handschrift des Schöpfers,
wiedererkannt und unverstanden,
täglich aufs neue entziffert, gedeutet,
nie zuende.

Wir zeichnen uns ein an den Rand,
staunend,
fragend,
aufsässig,
müde.

Dunkler wird es
und kälter,
Zeit für die Lampe des Engels,
der nicht diktiert,
der uns liest.


Epilog
"... wie aus dem Gesicht geschnitten"
(Andreas Knapp)

das sieht dir wohl ähnlich
was du alles geschaffen hast
und so erfinderisch
kann nur die liebe sein

du hattest es nicht nötig
aus dir etwas zu machen
dich gar zu verewigen
in einem meisterwerk

schaffen wolltest du
aus lauter lust an licht und leben
denn du bist kreative kraft
mit himmlischen ideen

in allem was geschaffen
bleibt immer auch des künstlers spur
so ist das angesicht der liebenden
dir wie aus dem gesicht geschnitten

Und die Bibel hat doch nicht recht?

"Die Erde war wüst und leer - von Chaos zum Kosmos". Ein nicht gerade leicht verdauliches Thema war dem Referenten des zweiten Abends der Fastenaktion 2008 vorgegeben.

Und dieses Thema ist zugleich ein unlösbares Problem. Dass aus dem chaotischen Durcheinander eine von Gott gestaltete kosmische Ordnung wurde, ist mehr oder weniger die Überzeugung derer, die diese Welt als "Schöpfung" bezeichnen - aber, lässt sich das auch beweisen? Wird die Welt durch Zufall regiert oder wird sie von einem göttlichen "Du" gelenkt? Ist das, was wir unter Chaos und Kosmos verstehen, nicht letztlich das selbe nur aus unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet?

Theologie und Naturwissenschaft führen immer noch einen Streit darüber, der selbst ziemlich wüst und leer ist und dabei wird es dunkler und kälter in dieser Welt.

Das Problem oder der unsichtbare Gärtner
Worin besteht das eigentliche Problem? Es besteht nicht darin, dass unsere Welt als ein geordneter Kosmos angesehen wird. Es besteht auch nicht darin, dass Menschen diesem Universum gegenüber eine Haltung des Staunens und eine Form der Spiritualität entwickeln. Es besteht nicht einmal darin, dass religiöse Menschen vor allem aus den Traditionen des Judentums, Christentums und des Islam an einen Schöpfer der Welt glauben. Der Kern des Problems besteht darin, dass ein fundamentaler Dissens besteht zwischen denen, die behaupten, dass für die gesamte Entwicklung der Welt eine höhere Intelligenz verantwortlich sein muss (Intelligent Design), während andere diese Behauptung ablehnen (Naturalismus).

Von den Verfechtern des "Intelligent Design" werden 3 Hauptargumente vorgebracht:
1. Nichtreduzierbare und komplexe Systeme der Natur (zB. das menschliche Auge) können nicht evolutionär durch Mutation und Selektion hervorgebracht werden, sondern müssen eine Ursache haben, die an sich schon vom Niveau einer hohen Komplexizität ausgehen. Diese These wird von Evolutionsbiologen mit Hinweis auf mehrere Zwischenschritte abgelehnt.
2. Etwas, dass eine spezifizierte Komplexizität zeigt, wie zB. ein Gedicht, kann nicht zufällig entstanden sein, sondern bedarf einer intelligenten Ursache.
3. Das Argument der "Fein-Abstimmung". Würde irgend einer der Werte der Fein-Abstimmung innerhalb des Universums auch nur im Geringsten abweichen (zB. Gesetzmäßigkeiten des Atomaufbaus), wäre das Universum in dieser Form dramatisch anders oder gar unmöglich.

Eine Diskussion über diese Theorie und Gegentheorie ist praktisch sinnlos und nicht zielführend, da die Situation schon viel zu verfahren ist. Hervorzuheben ist aber die Spannung, die sich daraus für glaubende Menschen ergibt. Auch wenn der verständliche Wunsch auftaucht, zu Gott, den Schöpfer der Welt einen naturwissenschaftlichen Zugang zu finden, ein letztlich haltbarer Beweis ist bis heute nicht gelungen. Gott zeigt sich als "unsichtbarer Gärtner".

Es waren einmal zwei Forschungsreisende die eine Lichtung im Urwald fanden. In der Lichtung wuchsen herrliche Blumen und viel Unkraut. Ein Forscher sagte: "Irgendein Gärtner muß dieses Grundstück bebauen." Der andere dagegen meinte: "Es gibt keinen Gärtner." Also schlugen sie ihre Zelte auf und stellten eine Wache. Kein Gärtner wurde je gesehen. "Aber vielleicht ist er ein unsichtbarer Gärtner." Also errichteten sie einen Stacheldrahtzaun. Sie elektrisierten ihn. Sie patrouillierten mit Bluthunden. Aber keine Schreie deuteten je darauf hin, daß irgendein Eindringling einen Schlag bekommen hätte. Keine Bewegung des Stacheldrahts verriet einen unsichtbaren Kletterer. Die Bluthunde bellten nie. Und doch war der eine Forscher nicht überzeugt. "Es gibt aber einen Gärtner, unsichtbar und unempfindlich gegen elektrische Schläge, einen Gärtner, der heimlich kommt, um sich um den Garten zu kümmern, den er, liebt." Zum Schluß meinte der Skeptiker verzweifelt: "Aber was bleibt von Ihrer ursprünglichen Behauptung? Wie unterscheidet sich ein unsichtbarer, unkörperlicher, ewig ausweichender Gärtner von einem nur in der Vorstellung existierenden Gärtner oder von einem, der gar nicht existiert?"

Gerade als religöse Menschen können wir dieser Situation nicht entrinnen; gesehen haben wir den "Gärtner" nicht. Weder seine Existenz noch seine Nicht-Existenz lassen sich beweisen.

Und die Bibel hat doch nicht recht?
Der Spannung zwischen Naturwissenschaft und Theologie widmet sich der zweite Teil des Vortrages. Gegenseitig halten sich teilweise uneinsichtige Naturwissenschaftler und Theologen für "geistige Neandertaler" und Illusionisten.

Das dahinter stehende Vorstellungsmodell aus dem 19. Jhdt. ist leider bis heute in der Diskussion wirksam. Ein Irrtum besteht darin zu behaupten, dass Naturwissenschaften die Welt so beschreiben, wie sie ist. Theologische Aussagen wären keiner wissenschaftlichen Überprüfung fähig.

Tatsächlich sind aber alle naturwissenschaftlichen Theorien keine Abbildung der Welt an sich, sondern lediglich eine Hypothese von dieser Welt, eine Hypothese, die sich durch neue Forschungen und Erkenntnisse täglich verändern kann. Auf diese tägliche Kontrolle und Bewährung muss sich Wissenschaft immer wieder einlassen.

Schadenfreude seitens der Theologie wäre hier kein Zeichen von großer Weisheit, da der Hypothesencharakter wissenschaftlichen Forschens genauso für die Theologie gilt. Auch die Glaubenswissenschaft ist kein Abbild Gottes, sondern der niemals abschließbar Versuch, Glaubensaussagen zu verantworten. Dies geht nur durch das unablässige Bemühen, die Wahrheit des Evangeliums in den stets wechselnden Umständen und Gesellschaftsformen neu zu vertreten.

Viele Naturwissenschaftler und Theologen kennen die Grenzen ihrer eigenen Methode nicht bzw. respektieren nicht das Charakteristische des anderen Diskurses. Hier liegt eine Schuld auf beiden Seiten.

Mythen in der Genesis
Beschreibungen der Schöpfungstheologie sind keine naturwissenschaftlichen Beschreibungen und daher auch nicht wortwörtlich zu verstehen. Es gibt keine sprachunabhängigen, objektiven Tatsachen, d.h. alle alten Schriften sind immer im Konnex der jeweiligen Zeit zu verstehen.
Die Beschreibung der Schöpfungsgeschichte in der Bibel als naturwissenschaftliche Tatsache zu bewerten, ist auch aus theologischen Gründen falsch. Die biblische Schöpfungstheologie ist aus ihrem Begründungszusammenhang keine Weltentstehungstheorie, sondern ein geschichtstheologisch strukturiertes Sinnpostulat. Dieses soll einen Legitimationsrahmen für den Bund Gottes mit dem Volk Israel bilden. Diese Schöpfungsaussagen sind in einer mythischen Sprachform erstellt und können als solche leicht missverstanden werden.

Das Thema "Mythen" war bereits im ersten Abend der Fastenaktion im Mittelpunkt der Ausführungen, d.h. es lohnt sich, alle Abende der Fastenaktion zu besuchen.





Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl

Beitrag online bis 31.12.2008 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (18.2.08 - 26.02.08 - ) / 2086 / 583