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Dr. Hans Neumayer sorgte mit recht plakativen und verständlichen und zusätzlich auch noch medial aufbereiteten Informationen für nachdenkliche aber nicht mutlose Gesichter.
Ordinariatskanzler und "Hausherr" der Pfarre Rehhof, Dr. Hansjörg Hofer, hat leicht lachen ...
... auch dieses Jahr war der Pfarrsaal bei der Fastenaktions-Veranstaltung bestens besucht, über 60 Personen kamen zum Vortrag.
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Auf großem Fuß
Wir leben so, als hätten wir gleich mehrere Planeten Erde zur Verfügung. Warum das (noch) gut geht, war u.a. Thema beim 3. Abend der Fastenaktion 2008.
Der Referent ist in der Erzdiözese Salzburg Umweltreferent und kann als ausgebildeter Theologe und Biologe auf sehr gut zusammen passende Kenntnisse zur Behandlung des Themas des 3. Abends der Fastenaktion verweisen.
Der Prophet kann sich nicht nach dem richten, was die Leute hören wollen, dennoch will er mit seinen Ausführungen nicht (nur) frustrieren sondern auch Mut machen. Würde er in der Entwicklung keine Hoffnung sehen, wäre es sinnlos, diese Arbeit zu machen.
Nachhaltigkeit oder Zukunftsfähigkeit ist ein sehr großes Thema, mit dem aber immer noch sehr viele Menschen heute nichts anfangen können. Dabei ist das Thema ganz und gar nicht neu. "Es ist zu befürchten, dass die folgenden Generationen ein vernichtendes Urteil über den Umgang von uns heutigen mit der gemeinsamen Lebensgrundlage fällen werden - wenn sie es noch können", dieses Zitat auf der Homepage des Landes Salzburg bringt die Verantwortung jener Menschen, die heute hier und jetzt leben, ziemlich genau auf den Punkt.
In der Zeit, bevor die großen fossilen Energielager entdeckt wurden, waren die Menschen in enormen Ausmaß vom Holz abhängig. In den Salinen machte man sich da schon Gedanken darüber, wie man mit den beschränkten Ressourcen umgehen sollte. Bereits im 17. Jhdt. entstand der Begriff "Nachhaltigkeit". Jeder Waldbauer hat diese Kenntnis in sich drinnen und wusste schon damals wie er den Wald bewirtschaften musste, damit auch seine Kinder und Kindeskinder noch einen Nutzen daraus erzielen konnten. Diese Erkenntnis ist den Menschen bei uns in den letzen 100-150 Jahren seit Ausbeutung der gespeicherten Energieformen mehr oder weniger verloren gegangen. Bereits aus dem Jahr 1661 stammt ein Dokument aus der Saline Reichenhall, in dem es um diese Nachhaltigkeit im Waldbau ganz klar geht.
Diesbezügliche Denkanstöße in Richtung Nachhaltigkeit gibt es auch in der Bibel, wie z.B. die Vorschrift, ein Feld alle 7 Jahre brach liegen zu lassen; wobei dieses "Sabbatjahr" auch auf die Menschen bezogen wurde und eine enorme soziale Funktion hatte (zB. Schuldenerlass).
Der Begriff "nachhaltige Entwicklung" wurde in der letzten Zeit in vielen internationalen Dokumenten ausformuliert; allesamt haben das Ziel, aus der Erde nicht mehr zu entnehmen als wieder nachwächst.
Nachhaltigkeit ist Gerechtigkeit im sozialen Maßstab und erweitert im Blick auf die Zukunftsfähigkeit der kommenden Generationen. Es geht dabei nicht um Wirtschaft gegen Ökologie, es geht um soziale Gerechtigkeit, um Umwelt und natürlich auch um Ökologie und Ökonomie. In den Dokumenten der UNO sind u.a. auch die Religionsgemeinschaften angesprochen in ihrer ganz konkreten Verantwortung einerseits selbst nachhaltig zu handeln und andererseits dieses Thema ihren Gläubigen zu vermitteln. Wenn ökologische Kreisläufe nicht funktionieren, ist soziales Zusammenleben nicht denkbar. Wir leben nur von dem, was gewachsen ist.
Der Energieverbrauch im Westen ist um Dimensionen zu hoch. Wir müssen sowohl den Bedarf insgesamt enorm senken als auch den verbleibenden Rest aus nachhaltigen Quellen decken.
Es gibt einen enormen Verlust an Artenvielfalt; hier aufzuzeigen, dass alles Leben auf der Erde gut ist ("... und es war gut"), darauf hinzuweisen sind besonders wir Christen aufgefordert.
Das Kernthema in der Nachhaltigkeitsdiskussion ist sicherlich das Thema "Energie". Wir leben von dem, was in von Millionen Jahren an Pflanzen gewachsen ist und durch Luftabschluss zu Kohle, Öl und Gas geworden ist. Wir leben von Solarenergie, von der gespeicherten in Form von Erdöl, Kohle und Gas und von der, die tagtäglich auf diese Erde einstrahlt. Die Voraussetzungen für eine 100% solare Energieversorgung stehen durchaus gut. Nur eine halbe Stunde Sonneneinstrahlung pro Tag reichen aus, um den gesamten Energiebedarf der Menschheit in einem ganzen Jahr zu decken.
Der "ökologische Rucksack", den jeder von uns mit sich schleppt, ist enorm. Allein 400 kg Müll werden pro Person und Jahr bei uns "produziert". Eine Möglichkeit, begreifbar zu machen, wie groß unser Verbrauch an Natur ist, besteht in der Form der Berechnung eines "ökologischen Fußabdruckes". In diese Berechnung geht unser ganzer Verhalten ein (Verbrauch an Ressourcen, Reisetätigkeit, Essensgewohnheiten ...). Eine individuelle Möglichkeit, diesen Fußabdruck zu berechnen und mögliche Verhaltensänderungen in ihrer Auswirkung zu beurteilen, bietet die Homepage des Lebensministeriums unter der Internetadresse www.meinfussabdruck.at. Würden alle Menschen auf der Erde auf so großem Fuß leben wie wir in Europa, müssten wir 2 Erden zur Verfügung haben. Wären die USA der Maßstab, müsste es 4 Erden geben, ist hingegen der Naturverbrauch in Indien der Maßstab, hätte die Erde noch 90% Reserve für weitere Entwicklung.
Welche Wege können wir gehen? Es ist klar, es muss eine Effizienzrevolution geben, die Energieutzung muss in den nächsten Jahren viel effizieter werden. Es ist heute ohne weiteres möglich, den "Faktor 4" zu erreichen, d.h. den gleichen Komfort mit einem Viertel des Energieverbrauchs zu erzielen. Im Bereich Wohnungsneubau konnte dieses Ziel allein in den letzten 10 Jahren erreicht werden. In allen anderen Bereichen gibt es teilweise durchaus auch schon gute Ansätze, in Summe ist aber noch viel zu tun - darauf hinzuweisen wäre auch eine ganz wichtige Aufgabe der Kirchen; und das nicht nur durch theoretische Hinweise sondern auch durch konkretes Vorleben in den eigenen Verantwortungsbereichen.
Was kann jeder Einzelne von uns tun?- Möglichst regionale Produkte kaufen
- naturnahe Produkte verwenden (keine Fertigprodukte, sondern frische Produkte verarbeiten)
- auf die Langfristigkeit bei allen Entscheidungen Wert legen
- auf Qualität und Haltbarkeit schauen
- auf Vielfalt achten und den Sortenreichtum bewahren
- Recyclingprodukte verwenden
- Produkte aus der aktuellen Jahreszeit und lokalem Anbau nutzen
- usw.
Wichtig sind weiters Bewußtseinsschritte wie langfristiges Denken und darauf zu achten, dass Wohlstand und Wohlergehen nicht nur von Geld allein abhängen. Zeit zu haben in Freiheit zu leben, gelingende Beziehungen pflegen zu können, Sicherheit verspüren und spirituelle Beheimatung zu haben, sind mindestens genau so wichtig wie über ausreichend finanzielle Mittel zu verfügen ("der Mensch lebt nicht vom Brot allein"). Diese spirituellen Werte zu vermitteln, wäre eine ganz wichtige Aufgabe der Kirchen ("und siehe, es war sehr gut"). Auch sollte die Kirche noch mehr eine Lobby für die Schwachen werden.
"Wir Kirchen müssen Sauerteig sein", in der Vermittlung der Werte der Schöpfung aber auch in unserem ganz konkreten Handeln, so der Referent zum Abschluss seines Vortrages, dem noch eine interessante und viele Themen ansprechende Diskussion folgte.
Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl
Beitrag online bis 31.12.2008 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (26.2.08 - 11.03.08 - ) / 2093 / 379
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