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Bildquelle: Intersol
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SOLIDARITÄT konkret
Neues und Anderes, das bereichert ... Andreas Oberascher, Zivildiener in Bolivien
Wind wirbelt Sand und Staub auf und bläst ihn vorbei an unverputzten Häusern aus Adobe, die das Stadtbild Oruros prägen. Eine der Etnie Aymara zugehörige Frau verkauft Kräuter an der Ecke zum „mercado de las brujas“ (Hexenmarkt), wo man als Zutat für andine Riten u.a. Lamaföten erwerben kann. In einem bunten Tuch, das um ihre Schultern gebunden ist, schläft ihr kleines Kind, den Kopf an ihren Bowlerhut gestützt. Eine Gruppe von Mineros passiert den Markt, um Alkohol, Zigaretten und Coca für die Ch‘alla zu erstehen, die jeden ersten Freitag im Monat stattfindet. Ich wende meinen Kopf, als ein junges Mädchen mir einen Becher frisch gepressten Orangensaft (um 0,10 EURO) anbietet. Ich nehme ihn zu mir, während ich ein schmackhaftes „charque`kan“ verzehre, das lokal-typische Gericht von Oruro - getrocknetes Lamafleisch mit Mais, gekochte Kartoffel, scharf gewürzt. Beim letzten Bissen höre ich neben mir einen Landbewohner fragen: „Wie heißt du? Was machst du hier?“ „Ich bin Andreas“, antworte ich ich arbeite in der Institution „Complejo Solar Oruro“, die hier in den Dörfern einfache Technik zur Nutzung von Sonnenenergie vorstellt, wie z.B. Solarkocher.“ Er zeigt sich interessiert und bestätigt, dass in Bolivien neben Mineralien besonders die Sonnenenergie von Tata Inti (Sonnengott) sehr reich vorhanden sei. Auf ein paar Fragen hin, erklärt der Mann mir, dass seine Frau 2 Mal pro Woche dreistündige Fußmärsche zurücklegt, um Brennholz zu sammeln und dass sie ihr Haus noch immer mit Kerosinlampen beleuchten. Ich lade ihn ein, in unser kleines Büro zu kommen, um die Komponenten des Solarkomplexes (Solarkocher, Solarlampen und Solarradios) kennen zu lernen.
Am nächsten Tag kommt er tatsächlich, überzeugt sich von der Funktionalität der Technologien und lädt uns zu einer Versammlung in seinem Dorf ein. Mit einem von der Partnerorganisation CETHA geliehenen Pickup kommen wir nach fünfstündiger Fahrt über den ariden bolivianischen Altiplano dort an und Cirilo (mein Quechua und Aymara sprechender Arbeitskollege) beginnt mit der Präsentation der Geräte.
Vorsichtig aber interessiert nähern sich die Dorfbewohner. Nach einem längeren Austausch kommt es zu Kaufentscheidungen. Wir geben Solarkocher, Solarlampen und Solarradios unter stark subventionierten Bedingungen (bis zu 70% nur der Materialkosten) weiter. Nachdem die Technologien nochmals erklärt sind, machen wir uns wieder auf den Weg nach Oruro und spät nachts kehre ich sehr müde in mein Zimmer im Süden der Stadt zurück.
Wie kommt nun ein 20jähriger HTL-Abgänger aus Faistenau bei Salzburg in die comunidad Orinoca in Oruro? Dies alles wird durch den gemeinnützigen Verein Intersol möglich, der mit 3 bolivianischen Institutionen den Verein „Complejo Solar Oruro“ initiiert hat und mich als Auslandszivildiener dorthin entsandt hat.
Ja, es besteht die Möglichkeit, wenn auch über Hürden, seinen Zivildienst als Sozialdienst in einem Land des Südens abzuleisten und resumierend kann ich nur bestätigen, dass dieses Jahr für mich ein besonderes gewesen ist. Besonders, weil es sehr viel Neues, Anderes und Unbekanntes für mich bereithielt.
Neues, Anderes und Unbekanntes, das mich für den weiteren Lebensweg prägen und bereichern wird und somit schon jetzt ein Teil von mir geworden ist.
Autor / Quelle:
Beitrag online bis 1.5.2008 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (16.3.08 - 16.03.08 - ) / 2115 / 303
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