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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
Diese Seite als Druckausgabe


Ernte - Ende des Wachstums, Zeit für den Schnitt, zum Sortieren zwischen Frucht und Unkraut. Das mag uns erschrecken. Und trotzdem reiten wir selber so gern als Schnitter.


Nie war es so einfach, böse zu sein.
Nie war es so einfach, gut zu sein.

(Eckhard Nordhofen)



16. Sonntag im Jahreskreis

19.07.2002: Sollen wir das Unkraut ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte.

Sommerzeit ist Urlaubszeit – aber auch Erntezeit für das, was auf den Feldern gewachsen ist. Da kommt Jesu Gleichnis vom Unkraut und Weizen gerade recht. Die Probleme mit lästigem Unkraut kannten die Menschen von damals nur zu gut: Mit dem Unkraut ist eine Grasart (bot. Lolium) mit kleinen giftigen Ähren gemeint. Anfangs ähnelt dieses Gras den Weidenpflänzchen so sehr, dass man sie nicht auseinander halten kann. Wächst das Unkraut dann empor, so erkennt man zwar den Unterschied. Aber dann sind die Wurzeln des Unkrauts schon so sehr mit den Wurzeln des Weizens verwachsen, dass man es nicht entfernen kann, ohne auch den Weizen herauszuziehen. Deshalb ist eine Trennung von Weizen und Unkraut erst nach der Ernte möglich. Diese „Bauernregel“ überträgt Jesus auf das Reich Gottes und die Menschen. Er macht deutlich, wie schwer es für uns ist, zwischen den Menschen zu unterscheiden, die im Reich Gottes sind, und denen, die es nicht sind. Vermeintlich gute Menschen können sich im Nachhinein als schlechte Menschen herausstellen – und umgedreht! Deshalb warnt uns Jesus davor, die Menschen vorschnell in gut und böse einzuteilen. Wir richten dadurch nur noch größeren Schaden an. Gott allein hat das Recht, die Menschen in gut und böse einzuteilen. Denn nur er kennt und „erkennt“ jeden Menschen. Und nur er hat die Einsicht, die für solch eine folgenschwere Unterscheidung notwendig ist.




Autor / Quelle: Peter Schott

Beitrag online bis 26.7.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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