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 © Helmut Meisl

 Adventkalender
Diese Seite als Druckausgabe


FL Löffelberger (links) und FL Oberlacher


Beispiele von Arbeiten der Steinmetzschüler. Die Dank-Steinplatten für Spender für die Kirchenrenovierung haben vielen Freude bereitet (Bild Mitte).


Beim praktischen Unterricht in der Werkstätte


Wir freuen uns über Ihren Kommentar über diesen Beitrag des Adventkalenders in unserem Gästebuch

5. Dezember 2008 - Steinmetz - Fachschule Hallein

Die vierjährige Fachschule für Steinmetzen an der HTL Hallein ist die einzige derartige Schule in Österreich und wird deshalb von Schülern aus ganz Österreich besucht. Stein ist dauerhaft, hart, spröde und kalt - diese Eigenschaften gelten aber nicht für diejenigen, die hier lernen und lehren!

Es ist schön, mitzuerleben, wie die Schüler der 2. Klasse alle fleißig und mit Freude an ihren Werkstücken arbeiten.
Lukas aus Hallwang: „Echt klass ist es hier, die Arbeit und die Schule passt! Ich hoff auf einen guten Abschluss und später auf einen guten Betrieb!“
Lukas aus Virgen in Osttirol wohnt im Berufsschülerheim: „Mein Papa war schon hier als Bauhandwerker. Für mich ist es der richtige Platz!“
Raphaela aus Wien möchte Restaurateurin werden. Ist es manchmal schwierig als einziges Mädchen in der Gruppe? „Die Arbeit macht viel Spass. Die Lehrer kümmern sich sehr um uns, als Mädchen bekommt man schon manchmal eine andere Arbeit, oder wenn was Schweres zu heben ist. Und manchmal gehen die Burschen auf die Nerven…“
Noch ein Lukas, aus Altenmarkt/Pongau: „Mein Dad hat einen Marmorsteinbruch, mir taugt die Ausbildung sehr. Nach der Schule möchte ich den Meister machen, in der Wirtschaft arbeiten. Und die neue Schule wird so schön!“
Günther aus Piesendorf fährt jeden Tag 1½ Stunden mit dem Zug heim. „Derzeit ist mein Hauptinteresse die Schule, später möchte ich andere Länder kennenlernen!“
Christoph aus Eugendorf ist durch Zufall und das Internet auf die Schule gestoßen. „Die Arbeit ist schon körperlich anstrengend, aber ich seh´ das als Herausforderung. Ich möcht später den Steinmetz-Meister machen, aber kein allzu braves und biederes Leben haben - andere Länder kennenlernen und so.“




Die im Text genannten Schüler bei der Arbeit

Fachlehrer Georg Obererlacher nennt seine Grundprinzipien „Realistische Sicht der Dinge und mit Bemühung an die Aufgaben herangehen! Wer in der Früh ein williges Gesicht macht, der ist schon einen Schritt vorn.“ Ihm imponiert die geringe drop-out-Rate aus diesem Beruf; die Absolventen sind gefragt und benötigt. Er war früher als Bauhandwerker an der Schule, wollte aber Lehrer werden und traf mit 31 diese Lebensentscheidung. Aber die optimale Beschreibung für ihn wäre doch, findet er: „Schibergsteiger und künstlerischer Gestalter!“

Mag. Johann Gutschi ist zugleich Religionslehrer und Designer, kann dadurch den Religionsunterricht der jeweiligen Ausbildung anpassen, den Steinmetzen etwa Stilkunde, Symbolik oder Kirchen-Ausgestaltung vermitteln. „Der Stein bietet auch Charakterschulung, die über das Fachwissen hinausgeht: Durchhalten, Präzision, Formgeben, Flexibilität…“

FL Josef Löffelberger hat hier die Fachschule besucht, war dann 16 Jahre Techniker bei Marmor-Kiefer, bevor er hier Lehrer wurde. „In dieser Abteilung wird auch vermittelt, was über den Bereich der Steinmetzerei hinausgeht: Das Miteinander, die gegenseitige Wertschätzung, Unterstützung und Hilfe, der positive Umgang miteinander, die Fähigkeit, Unterschiede zu akzeptieren, und nicht zuletzt bei Empfindlichkeit sich eine dickere Haut zulegen!“

FL Franz Russegger aus Golling ist seit 1981 Lehrer an der Fachschule, war dann einige Jahre Werkstättenleiter.
Er hat es geschafft, sich in zwei Bereichen aus Verhältnissen zu befreien und zurückzuziehen, die ihm nicht entsprochen haben: In der Schule und in seiner Pfarre. Dazu darf man ihm eigentlich gratulieren!
In der Schule war es, dass die zunehmend komplizierte Verwaltung ihm Nerven gekostet hat - „bis ich das alles in den Computer eingegeben hab´, brauch ich dreimal so lang, als wenn ich es mit der Hand mach´; viel lieber tu ich arbeiten und mach was Gscheites, als am Computer zu sitzen und die Bürokratie zu füttern…“ Weiters ist es ihm zunehmend schwergefallen, sich mit den Anliegen der relativ kleinen Steinmetz-Abteilung durchzusetzen; er ist wenig gewohnt, seine Ellenbogen einzusetzen oder auf den Tisch zu hauen, und möchte es auch nicht. So ist er wieder normaler Fachlehrer geworden.
In seiner Pfarre war er vor einigen Jahren im PGR, wurde aber hier mit Aufgaben betraut, die ihm nicht lagen. „Ich sollt´ im Ausschuss für Ehe und Familie mitarbeiten, nicht im Bauauschuss. Und ich hab nicht zuschauen können, wie die dann ungeschickt geplant, gearbeitet, Geld verplempert haben. Und da sollt ich dann Spenden sammeln gehn…“
So hat er sich auch hier zurückgezogen, „ang´speist und übers Kreuz“… aber doch auch wieder zufrieden, sich nicht verbogen und angepasst zu haben.

Hofrat Walters, vor langer Zeit Direktor der Schule, hat einmal von den Steinmetzen gesagt: „Die weichen Männer vom harten Stein!“ Recht hat er gehabt, damals wie heute; und gut ist es, dass sie so sind: Bitte bleibt so!


Autor / Quelle: Wilfried Kaaser, früher Rel.-Lehrer in der Fachschule und HTL Hallein

Beitrag online bis 31.12.2008 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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