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 © Helmut Meisl

 Adventkalender
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10. Dezember - Mag. Michael Neureiter

Im Frühjahr dieses Jahres bedeutete eine Alkohol-Fahrt das Ende seiner politischen Karriere und damit das Ende vieler seiner Hoffnungen und Wünsche. Er hat seine Angelegenheiten mit Vernunft und Anstand geklärt und vermag nun seinen Blick auf das Wesentliche und Bleibende zu richten. (KW)

„Worauf es ankommt, das sind Begegnungen!“

Irgendwann im Juni haben wir uns im Pfarrhof Bad Vigaun getroffen, um die Bildungswoche im November vorzubereiten. Es hat dabei nicht lang gedauert, bis die Frage nach einem Gesamtthema auftauchte, und schnell war der erste Vorschlag da: „Begegnung.“ Das Wissen um die vielen Mitwirkenden, die vielen verschiedenen Veranstaltungen und um Hunderte Teilnehmer machte dann klar: Es muss „Begegnungen“ heißen! Bald danach entstand auch die Idee zur Darstellung des Themas: Wir machen eine Sesselaktion!

Die „Begegnungen“ brauchten ein Titelbild. Weil ich meinen Führerschein noch nicht wieder besaß, bat ich meine Frau Franziska, mich mit ein paar alten Sesseln zum Platz vor der Hauptschule zu fahren: Dort nahmen wir uns Zeit, die Beziehung der drei Sessel zueinander zu entwickeln. Sie konnten nicht einfach zueinander schauen - so total harmonisch sind Begegnungen nicht. Die Sessel waren ganz bewusst unterschiedlich gebaut, höher und weniger hoch, komfortabler und strenger, im Alter recht verschieden. (Bild oben)

Und so gings weiter: Im September gab es am Rupertitag das erste Sesselmalen - bald machten sich 73 Hauptschülerinnen und Hauptschüler an die Gestaltung ihrer Sessel - bis die ersten Sessel an den Straßen und Plätzen des kleinen Dorfs zwischen Schlenken und Salzach auftauchten - bis sich schließlich während der Bildungswoche an einem kühlen Novemberabend die „Sesselinstallation“ auf dem Dorfplatz ereignete.

Die Verschiedenheit der Bauweisen der Sessel wurde durch ihre Farben überhöht: Die Bildungswoche wurde zum Ereignis der Buntheit des Zusammenlebens, der Offenheit und der Überwindung von Vorbehalten. Sie wurde eine Ermutigung: Mag sein, dass der Eine oder die Andere sich ein kleines Stück hinwendet, ein freundliches Wort sucht, einen Gruß versucht? (Bild Mitte)

Dass mir im April der Führerschein entzogen wurde, war mein gravierender und schuldhafter Fehler. Dass das ziemlich öffentlich wurde, machte es für mich nicht einfacher. Dass diese Wochen und Monate leichter waren als erwartet, lag an Begegnungen, an Anrufen und an Mails, an Briefen und an Gesten, an Transportangeboten und auch am Vermeiden von Kommentaren. Ob es digitale Signale sind oder sehr persönliche Zuwendungen: In kritischen Zeiten kommt es noch mehr auf Begegnungen an!

Wenn das schmiedeeiserne Turmuhrwerk in unserem Wohnzimmer in St. Margarethen nicht aufgezogen wird, bleiben die Zeiger am Zifferblatt auf der Fassade unseres Hauses stehen. Für ihre nächste Begegnung ist die Energie notwendig, das Werk aufzuziehen. (Bild unten)

Ich wünsche für diese adventlichen Wochen viel Energie, damit Begegnungen gelingen!





Autor / Quelle: Mag. Michael Neureiter, Zweiter Landtagspräsident a. D.

Beitrag online bis 31.12.2008 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (9.12.08 - 13.12.08 - ) / 2333 / 550