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Erntedank-Gottesdienst im Pfarrzentrum Neualm (oben), Dankgottesdienst in der Kapelle (unten)
Wolfgang Ebner im Gespräch mit Koop. Rainer Winter
Hallein-Neualm
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21. Dezember 2008 - Die "Sahara-Geiseln" und das Pfarrzentrum Neualm
Die beiden Halleiner Andrea Kloiber (43) und Wolfgang Ebner (51), die sich 253 Tage in Geiselhaft in Mali befanden, sind freigelassen. Für die Pfarre Neualm war dies eine Zeit des Bangens und der Hoffnung. Gemeinsame Not und gemeinsame Freude haben die Gemeinde eng verbunden.
18. Februar: Die Salzburger Individualtouristen Ebner und Kloiber, zuletzt im Süden Tunesiens auf Wüstentour unterwegs, werden als vermisst gemeldet.
Die ersten Gedanken waren, es handle sich um „Gerüchte“, die Vermissten werden hoffentlich bald wieder auftauchen. Es kann doch nicht sein, dass so etwas Furchtbares in unserem näheren Pfarrgemeindekreis geschehen kann. Die Eltern von Andrea Kloiber arbeiten seit Jahrzehnten in der Pfarre mit. Wie soll man reagieren? Was kann man tun?
10. März 2008: Die Al Kaida im Islamischen Maghreb gibt bekannt, dass sich die zwei österreichischen Touristen in ihrer Gewalt befinden. Das Wiener Außenministerium richtet einen Krisenstab ein.
Das einzige, was wir in so einer außergewöhnlichen Situation tun können, ist zu beten. Es haben sich ca. 15 – 30 Personen gefunden, sich fast täglich für Anliegen der Pfarrgemeinde zu einer Vesper (Abendgebet) zu treffen. Es wurde für die Sahara-Geiseln, aber auch für schwer erkrankte Personen in unserer Gemeinde gebetet. Auch die umliegenden Pfarren, Klöster und Gebetsgemeinschaften wurden eingeladen, uns im Gebet zu unterstützen.
16. März: Die Geiselnehmer und die Entführten halten sich nach Angaben des malischen Militärs in der Region Kidal im Norden Malis auf. Der frühere österreichische Botschafter Anton Prohaska reist in die Region. Am gleichen Tag verlängern die Kidnapper das Ultimatum bis zum 24. März. Medien berichten von einer Lösegeldforderung. Außerdem sollen die Entführer die Freilassung von zehn islamistischen Anführern aus tunesischen und algerischen Gefängnissen gefordert haben.
Die Eltern von Andrea sind fast täglich beim Gebet anwesend. Im Anschluss wird immer gehofft, ermutigende Neuigkeiten zu erfahren, was selten der Fall war. Immer war die gleiche Antwort zu hören: „Danke fürs Gebet, keine Neuigkeiten“. Das Schlimmste war die Ungewissheit, das „nichts tun können“, und die Zweifel. Zermürbend waren auch Telefonate und Reaktionen von Übermotivierten, die außer Schuldzuweisungen nichts beizutragen hatten, und immer wieder wollten Fernsehen und Radio Interviews und Bildaufnahmen.
22. März: Gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen der malischen Armee und Tuareg-Rebellen im Norden Malis werden bekannt 24. März: Auch die zweite Frist verstreicht. Die Entführer der beiden Salzburger verlängern ihr Ultimatum bis 6. April.
Man hat keine Vorstellungen, welche schlimmen Verhältnisse in diesen Ländern herrschen. Am liebsten würde man selbst ins Land reisen und etwas unternehmen. Mitarbeiter vom Krisenstab beruhigen durch Informationen und setzen auf Zeit. Befürchtungen werden immer lauter, was vorher niemand zu denken wagte, wird erwogen.
Anfang Juni: Außenministerin Plassnik reist in die Region. Mit der zunächst geheim gehaltenen und nur wenige Stunden dauernden Visite in Algerien und Mali wollte sie „durch persönliche Gespräche auf höchster Ebene die Wichtigkeit dieses österreichischen Anliegens neuerlich unterstreichen.“ Laut der algerischen Zeitung „Liberté“ richtete die Außenministerin ein Hilfsgesuch an Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika.
So unverständlich es auch klingen mag, es ist natürlich ebenfalls für die Entführer gebetet worden. Die Gebetsatmosphäre wurde als sehr dicht empfunden, das Vater-unser hat eine ganz andere Dimension erhalten, wenn von Betroffenen „Dein Wille geschehe“ ausgesprochen wird. Natürlich kamen immer wieder Zweifel auf. Was ist, wenn das Vertrauen zu Gott erschüttert wird? Wo ist Gott, der aus Dunkel und Knechtschaft befreit, und den wir immer als unseren Retter und Erlöser preisen? Hoffnung und Lähmung wechselten ab.
6. Juni: Satelliten-Telefonat Ebners mit Verwandten in englischer Sprache. Das Außenministerium bestätigt später ein Telefon-Gespräch und nennt es ein „unzweideutiges Lebenszeichen“.
Nach Bericht von Reinhard Lenz klang die Stimme seiner Tochter sehr schwach, man machte sich Sorgen um den Gesundheitszustand der beiden, aber dass ein Lebenszeichen zu hören war, gab Hoffnung und große Zuversicht. Man rechnete beinahe täglich mit der Freilassung, doch wochenlang immer der gleiche Abschluss bei der Vesper: „Danke fürs Gebet, keine Neuigkeiten“.
22. August: Die Geiselhaft der beiden Salzburger dauert bereits ein halbes Jahr. Der tägliche Zwiespalt zwischen Hoffen und Bangen zerrt an den Kräften der Angehörigen. Dennoch überwiegt die Zuversicht. „Was anderes hat auch keinen Sinn“, sagt Ebners Sohn Bernhard im APA-Gespräch. „Die Hoffnung stirbt zum Schluss. Man weiß definitiv, dass sie am Leben sind.“
Im Sommer haben wir das öffentliche Gebet unterbrochen und aufgefordert, dort, wo man sich gerade befindet, weiterzubeten und aneinander zu denken. Das tägliche Leben ändert sich, wenn man in Sorge um andere ist: Ein Schluck Wasser, das satte Grün der Wiesen, das Schwimmen im See wird anders wahrgenommen als zuvor. Täglich ist der Blick ins Internet mit Hoffnung verbunden, ob von der Befreiung der Geisel berichtet wird. Mitte September wird das öffentliche Gebet mit einer Hl. Messe am Mittwoch wieder aufgenommen. Dieselben treuen Menschen wie zuvor begleiten uns im Gebet. Der Krankheitszustand einer Krebskranken verschlimmert sich, ein Todesfall erschüttert die Gemeinde.

Dankgottesdienst nach der Befreiung der Sahara-Geiseln mit den Teilnehmern der Gebetsgruppe
31. Oktober: Die Nachrichtenagentur Reuters meldet kurz nach 14.00 Uhr die Freilassung der beiden Salzburger. Wenige Minuten später wird die Meldung von Außenministerin Ursula Plassnik bestätigt.
Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Neuigkeit von der Freilassung, Telefone laufen heiß, Medien versuchen Interviews zu erhaschen. Die totale Erleichterung und Freude darüber mischen sich jedoch mit Trauer um den Tod der krebskranken Frau. Freud und Leid liegen im Leben ganz eng beisammen. Der Dankgottesdienst für die Befreiung von Andrea und Wolfgang fand bewusst nur im Kreis derer statt, die sich wochenlang zum Gebet getroffen haben. Auch wenn Gott keiner ist, der „auf Knopfdruck“ und auf immer wiederkehrende Gebeten funktionieren soll, so ist er doch einer, der unserer Wirklichkeit viel näher ist als wir es erahnen. Das Gebet hat uns geholfen, Zusammenhalt und Zuversicht zu finden, es hat den Betroffenen in schweren Zeiten geholfen und es wird uns auch weiterhin begleiten. Wir vertrauen auf die unscheinbare Macht unseres Gottes.
Autor / Quelle: Robert Golderer, Pastoralassistent Pfarrzentrum Neualm / Fotos vom Dank-Gottesdienst: Stefan Bohuny
Beitrag online bis 31.12.2008 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (20.12.08 - 24.12.08 - ) / 2358 / 564
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