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Thomas Hobby fotografieren
Thomas und Lydia
Vor dem Wohnhaus - mit der Gruppe
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22. Dezember 2008 - Thomas Kaindl: Alles Gute zum Geburtstag!
Seit Monaten freut sich auf seinen Geburtstag und bereitet sich darauf vor. Thomas ist seit seiner Geburt durch einen Gen-Defekt mental behindert und Saler Franz ist sein Sachwalter und Freund. Sie berichten über sein Leben, seine Hoffnungen und Wünsche.
Ein herzliches Grüß Gott allen, die diese meine Seite lesen!
Ich bin der Thomas Kaindl und feiere heute meinen Geburtstag und bin 41 Jahre alt. Mein Geburtstag ist mir immer ganz wichtig, und schon Wochen vorher bin ich gedanklich damit beschäftigt und ziemlich nervös. Drei Feiern gibt es für mich: Im Wohnhaus, in der Werkstätte und mit meinen Angehörigen.
Meine Eltern sind schon verstorben, und da ich nicht selbst für mich sorgen kann, brauche ich einen Sachwalter. Eigentlich eine nicht ganz passende Bezeichnung, da ich ja keine Sache bin und er ist ja auch mein Freund. Es ist der Saler Franz, der sich um mich und für mich sorgt. Seine Frau und er waren immer schon Freunde und auch verwandt mit meiner Familie. Er schreibt auch diese Seite für mich.
Mein Zuhause ist im Wohnhaus der Lebenshilfe in der Salzachtalstrasse. Ich wohne dort gemeinsam mit elf Freunden/innen seit zehn Jahren. Zwölf sehr nette Betreuer sorgen sich dort abwechselnd um unser Wohl und stehen uns zur Seite, wenn wir Hilfe brauchen, kochen für uns und machen uns die Wäsche. Wir sind rund um die Uhr betreut. Was ich selbst kann, muss ich aber selber tun. Eine Bezugsbetreuerin kümmert sich noch ganz besonders um mich, zu ihr kann ich mit meinen Sorgen kommen. Für meine Geburtstagsfeier macht sie mir eine Torte. Zu Viert haben wir ein Wohnzimmer mit Kochecke, und wenn ich mich zurückziehen will, gehe ich in mein Zimmer, dann habe ich „Zeitfürmichzeit“.
An den Wochentagen bin ich am Tag in der Werkstätte Oberalm. Dort gibt es Arbeit und sinnvolle Beschäftigung, und auch eine gute Gemeinschaft in den verschiedenen Gruppen und nette Betreuer/innen.
Fernsehen tue ich sehr gerne, am liebsten schaue ich Sendungen mit volkstümlicher Musik. Aber auch Nachrichten schaue ich mir an, denn da erfahre ich sehr viel, denn ich bin auch sehr interessiert am Geschehen und am Sport. Jedes zweite Wochenende bin ich eingeladen bei Freunden. Abwechselnd bei Tante Hilda, dann bei Tante Hannelore, und bei Tante Lisl und Franz. So bin ich auch noch in der anderen Welt vertreten.

Thomas Kaindl und Franz Saler. Thomas trägt ein Weihnachtsgedicht vor
Ich bin auch beim ZIV. Die Verantwortlichen vom ZIV sorgen auch für Abwechslung für mich: Sie organisieren Ausflüge, Stammtisch, Kegeln, und auch von verschiedenen Vereinen werden wir eingeladen, dafür sind wir sehr dankbar. Ich möchte am liebsten überall mitmachen.
Ich bin auch ein glaubender Mensch: Gerne gehe ich zur Messe, dort bete ich immer für meine Freunde und besonders für die Kranken. Gehe ich nicht zur Kirche, ich kann ja nur gehen, wenn mich jemand mitnimmt, so feiere ich die Radiomesse mit. Zur Predigt habe ich immer viele Fragen.
Mein Lieblingshobby ist das Fotografieren. Ich habe schon viele Alben gefüllt. Jetzt habe ich eine Digitalkamera und kann mir die Bilder am Bildschirm ansehen. Gerne gehe ich Langlaufen und fahre jedes Jahr zu den Lungauer Langlauftagen. Noch lieber gehe ich Schwimmen und ich liebe besonders das warme Wasser in den Thermen.
Eigentlich habe ich ein gutes Leben mit vielen Freuden und Erlebnissen, die ich dann jedem gerne erzähle. Ich rede viel und ich stelle viele Fragen und wiederhole mich immer, was oft ein bisschen mühsam ist für meine Begleiter.
Der Schreiber dieser Seite möchte nun selbst das Wort ergreifen:
Ich möchte ihnen mit dieser Seite einmal ein anderes Leben vorstellen, eben das vom Thomas, um einem Vorurteil entgegen zu wirken, dass Behinderte eben nicht automatisch arm sind. Sie können nicht allein leben und brauchen unsere Mithilfe. Aber auch sie leben gerne, erleben Freude und Kummer. Sie haben Freundschaften und Beziehungen und stehen einander bei.
Einiges haben sie uns vielleicht voraus: Sie können sich sehr freuen und das auch zeigen. Ich bin sehr froh, dass Thomas ein so gutes Zuhause und gute Freunde hat. Seine Eltern machten sich große Sorgen, wie das alles einmal sein wird, wenn sie nicht mehr für ihn sorgen können. Nun würden sie sehen: es geht ihm gut und er ist glücklich. Vielleicht auch eine Hoffnung für andere Eltern von Behinderten. Zum Nachdenken für die Pfarren: Haben sie schon bemerkt, dass es ein Wohnhaus der Lebenshilfe in Hallein gibt, wo gute Arbeit im Sinne des Christentums (Dasein für Andere) geleistet wird?
Für ihr Interesse dankt ihnen Franz Saler.
Autor / Quelle: Franz Saler, Gasteiweg 12, 5400 Hallein / Thomas Kaindl
Beitrag online bis 31.12.2008 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (21.12.08 - 26.12.08 - ) / 2359 / 640
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