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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
Diese Seite als Druckausgabe


Eine Chance für Durchhänger

Gott hilft Menschen,
die einen Durchhänger haben,
aber er mag es nicht,
wenn man sich hängen lässt.


Wo das Vertrauen fehlt, spricht der Verdacht.
(Lao-tse)



11. August 2002
19. Sonntag im Jahreskreis


09.08.2002: Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Gegenwind bekommen – um zu erfahren, was das heißt, muss man nicht aufs Meer hinausfahren. Es kann im Büro oder im Klassenzimmer, in der Gemeinde oder am heimischen Küchentisch passieren, dass einem die Widerworte und Meinungen plötzlich kalt und scharf um die Ohren pfeifen. Sich gegen einen solchen Wind zu bewegen, kostet Kraft. Lähmende Angst kommt auf, wenn die Wogen so richtig hoch schlagen. Umso erstaunlicher, wie Jesus sich von den naturgegebenen Gesetzen solcher Winde und Wogen nicht aufhalten und verunsichern lässt. Doch Staunen allein – was bedeutet das schon? Petrus fordert Beweise. Jetzt erst recht. Er fordert Jesus heraus. Und Jesus hält ihn nicht zurück. Er befähigt ihn, Schritte übers Wasser zu wagen. Petrus hätte ohne Mühe auf Jesus zugehen können. Und dann? Nein, Jesus offenbart sich nicht als der große Zauberer. Glauben im Gegenwind – genau darauf kommt es ihm an. Und genau damit hat Petrus nicht gerechnet, als er sich mit den ersten wundersamen Schritten seiner Sache schon so sicher war.

Glauben im Gegenwind – sich darauf einzulassen, schließt immer auch das Überraschende mit ein. Das ist es, wovon die Geschichte erzählt. Aber sie erzählt ebenso von einer Hand. Und von einem Jesus, der um unsere wahren Ängste weiß, noch bevor wir sie uns selbst eingestanden haben.





Autor / Quelle: Susanne Brand

Beitrag online bis 16.8.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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