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 © Helmut Meisl

 Fastenaktion
Diese Seite als Druckausgabe




Univ. Prof. Dr. Wilhelm Pratscher


Der vollbesetzte Pfarrsaal der evangelischen Gemeinde

Gelungener Auftakt

Erfolgreich war der Start der diesjährigen Fastenaktion im vollbesetzten evangelischen Pfarrsaal.

In einem überaus dichten und ansrpuchsvollen Vortrag gliedert Univ. Prof. Dr. Wilhelm Pratscher von der Universität Wien seinen Vortrag in 3 Teile: Im ersten Teil gibt er eine kurze Einführung in das Johannesevangelium, der zweite Teil handelt von den „Ich bin Worten“ in diesem Evangelium und im dritten Teil schließlich geht er auf das Thema des Abends, „Ich bin das Brot des Lebens…“ ein. Nachstehend der Versuch einer Zusammenfassung.

Das Johannesevangelium unterscheidet sich sehr stark von den anderen biblischen Schriften. Manche Worte kommen besonders häufig vor, wie Wahrheit, Leben, Freunde u.dgl.. Andere Ausdrücke fehlen aber wie Apostel, Evangelium, Glauben. Es hat eine ganz eigene Sprache. Die Darstellungsweise unterscheidet sich ebenfalls. Es gibt große, zusammenhängende Reden, die relativ schwer zu durchschauen sind. Jesus verkündet sich selbst in diesem Evangelium den vom Himmel gekommenen Offenbarer. Die Gruppe von Christen, in der diese Schrift entstanden ist, ist aus anderen Dokumenten nicht bekannt und kann nur aus sich selbst erklärt werden. Eine Gestalt, die in den anderen Evangelien fehlt, ist der „Lieblingsjünger“, wobei sehr umstritten ist, ob es sich dabei tatsächlich um eine historische Figur gehandelt hat. Durch die Niederschriften dieses Jüngers dürfte dieses Evangelium entstanden sein. Ein Teil dieses Kreises von Christen geht den Weg in Richtung einer Großkirche und isoliert sich nicht in einer gnostischen Form des Christentums.

Die „Ich Bin Worte“: Diese spezifische Form der Worte gibt es nur im Johannesevangelium. Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, damit wir durch ihn leben. Dieses „himmlische Wesen“ Jesus ist „Fleisch“, ist angreifbar geworden. Diese Sendungsgeschichte zieht sich durch das ganze Evangelium wie ein roter Faden. Gott ist in Jesus präsent und handelt durch ihn. Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch nicht mehr in der Gottesferne lebt. Der Offenbarer offenbart sich selbst, als der vom Himmel kommender Erlöser.
Der „Name“ ist im Denken der damaligen Zeit nicht nur „Schall und Rauch“, sondern hatte eine ganz tiefe Bedeutung. Offenbarung ist das Aufdecken des göttlichen Hintergrundes. Wenn Jesus sagt, wer er ist, dann sagt er, wer Gott ist, er redet von Gott, wenn er von sich redet. In den „Ich bin“ Worten versucht das Evangelium dies zu vermitteln. Diese Worte sind in „göttlicher Vollmacht“ entstanden. Die Zahl 7 spielt im Johannesevangelium öfters eine Rolle. Es wird nicht nur von 7 Wundern berichtet, es gibt auch 7 dieser „Ich bin“ Worte, die eine übereinstimmende Struktur aufweisen. Der Offenbarer stellt in diesen Worten dar, welche Bedeutung er hat und verwendet dabei sehr leicht verständliche Bilder. Gott bringt nicht diese „Gaben“ (das Brot, das Licht, das Leben …), es ist selbst das Leben, das Licht, das Brot … Wer diese Wahrheit annimmt, der erhält das Leben, das Licht, das Brot …

„Ich bin das Brot des Lebens“: Jesus redet von sich als das Lebensbrot, wobei das Brot nicht wörtlich zu verstehen ist, sondern als Bild für alle Bedürfnisse des Lebens gilt. Hineingestellt ist dieses Wort in den Wunderbericht der Speisung der 5000. Es geht dem Evangelisten dabei nicht um das Wunder selbst, sondern in der Rede die dem Wunder folgt, sagt Jesus wer er ist und versucht damit die Menschen vom Wunder wegzubringen. Er stellt sich einer äußeren Wundergläubigkeit entgegen, Jesus ist nicht der Brotlieferant und der Gläubige braucht dann nichts mehr zu tun. Jesu Brot will kein Brot bringen, das immer wieder Hunger macht, er will den Menschen das Brot vom Himmel bringen, dass nicht mehr hungrig macht. Das Brot vom Himmel macht, dass der Mensch nicht mehr sterben kann (natürlich nicht im irdischen Sinne).
Der Gegensatz von der vergänglichen Speise zur geistlichen Speise, die nicht mehr hungrig macht, zieht sich durch den ganzen Text. Die Anhänger Jesu, die Glaubenden bekommen einen Anteil an dieser Verbindung mit Jesus. Was im Leben wirklich zählt, kann man nicht wirklich verdienen, das muss man sich schenken lassen. So ist es auch mit dem Beziehungsrahmen zu Gott; die Liebe und Gnade Gottes kann man sich nicht als „Anspruch“ durch ein bestimmtes Leben „erwerben“, sie ist immer ein Geschenk.
Wer zu Gott kommt, der wird nicht verstoßen werden; diese Zusage findet sich in gewissen Variationen auch in den anderen „Ich bin“ Worten. Jesus bringt nicht nur das Brot, Jesus ist das Brot, er ist unser „Lebensmittel“.
Ob von Leib, von Brot oder Fleisch in diesem Zusammenhang die Rede ist, meint immer das Gleiche, gibt aber durch unterschiedlichen Bewertungen der Worte diesen eine unterschiedliche Bedeutung – vielleicht auch ein Grund, weshalb zwischen lutherischer und katholischer Tradition scheinbar noch immer unüberwindbare Differenzen gesehen werden. Das Dasein Gottes in uns soll durch die Eucharistie, wo Jesus in „Fleisch und Blut“ gegessen wird, nachvollzogen werden. Christus ist in uns, stärker ist diese innerste Verbundenheit Gottes zu den Menschen nicht aufzeigbar.
Die Botschaft der Eucharistie ist das Hineingenommewerden in das innergöttliche Geschehen von Gott und seinen Sohn in eine ewige Verbindung.





Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl

Beitrag online bis 17.3.2009 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (3.3.09 - 17.03.09 - ) / 2440 / 365