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Abt Otto Strohmaier OSB

Ausgezeichneter Besuch im Pfarrsaal Rehhof
Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.
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Sakramente brauchen unsere Entscheidung
Sehr lebendig und geprägt von vielen Erfahrungen aus seinem eigenen Glaubensleben war der Vortrag von Abt Otto Strohmaier sehr mutmachend und dazu angetan, sich mit seiner Gottesbeziehung auseinanderzusetzen.
Obwohl ihn sein Bruder, der ihn zum Pfarrsaal Rehhof lotsen sollte, „abgehängt“ hatte und das Navigationsgerät mit „Batterie leer“ antwortete, kam Abt Otto Strohmaier doch noch pünktlich an: Dank Ladekabel konnte das Gerät an die Stromversorgung des Autos angedockt werden. Dieses „Andocken“ sollte inhaltlich an diesem Abend noch einmal zum Thema werden.
Ein scheinbar nicht sehr attraktives Thema, scheinbar sehr fromm und trotzdem hat er das Thema des Abends „ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben …“ sehr gern. Menschen brauchen diese Verbindung, wie die eines lebendigen Weinstockes. Wir brauchen diese Verbindung zur Wurzel. Das Elend der modernen Menschen besteht darin, dass er keine Wurzeln (mehr) hat, dass er entwurzelt, ausgeliefert ist. Er rennt allem nach, was ihm angeboten wird, er ist für alles offen, was ihm angeboten wird. Höchst gefährlich ist das, ein williges Produkt in einer Konsumgesellschaft zu sein, das alles in sich hineinfrisst. Verführbar, da ohne Wurzel, heimatlos, manipulierbar. Oder haben auch diese Menschen „Wurzeln“? Es gibt auch bei diesen Menschen Wurzeln, von irgend etwas lebt er immer. Sie können im Geld der Wirtschaft bestehen, im Dogma der Wachsens der Wirtschaft, in der Gier oder auch in ideologischen „Wurzeln“ wie der Nationalsozialismus eine war. Diese Wurzeln sind sehr gefährlich, die aktuelle Situation der Wirtschaft zeigt einmal mehr diese Gefahr sehr deutlich auf.
Die Worte Jesu „ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben …“ scheinen fast lächerlich zu sein. „Wer ist dieser Jesus für mich, welche Rolle spielt er für mich?“, das sind sehr wichtige Fragen, die sich alle Christen unbedingt stellen sollten. Für viele ist Jesus zumindest ein Vorbild, ein Mensch, auf den man schauen kann, der einen begeistert. Mit dieser Einstellung ist Jesus aber immer noch „ausser uns“. Was Jesus meint, ist viel mehr als ein Vorbild. Wir Menschen können von ihm die Lebensenergiekräfte „saugen“, so wie der Weinstock die Säfte des Bodens aufsaugt. Für viele Menschen aber ist diese Sichtweise fremd.
„Ich bin“ diese Worte sind im Judentum heilige Worte, die sie nicht wagen auszusprechen. Die Stimme aus dem Dornbusch, die zu Moses diese Worte spricht, bringt die Juden innerlich vor Ehrfurcht zum erzittern. Jesus nimmt dieses heilige Wort „ich bin“ in den Mund und brachte bei den Zuhörern vor 2000 Jahren einiges zum Aufleuchten, zum Erahnen. Wenn Jesus diese Worte spricht, leuchtet Gottes Herrlichkeit auf. Christ sein bedeutet, „du musst es schaffen, in Jesus dein Energiezentrum zu finden und an ihn angeschlossen zu sein“, damit etwas von ihm zu uns fließen kann. Christen haben in ihm ihr Kraftzentrum, von dem her sie alle ihre Kräfte beziehen. Als Christen können wir dann lebendig sein, wenn wir diesen Kontakt immer wieder schaffen. Doch wie soll das gehen, wodurch wird das so, wann kann das geschehen? Dieser „Anschluss an Jesus“ muss irgendwann ganz bewusst passieren. Eigentlich geschieht dieser „Anschluss“ bei der Taufe. Bei der Taufe werden wir „eingetaucht“ in Jesus, der dann wie eine Quelle der Vitalität ist. Es fließt etwas in uns, ganz geheimnisvoll, genauso wie der Strom, der ein Radiogerät unsichtbar zum Ertönen bringt. Die meisten Menschen haben die Taufe als Kleinkind nicht willentlich vollzogen, haben diese Entscheidung dabei (noch) nicht getroffen. Die Taufe muss daher später einmal, wenn man geistig wach wird, sehr bewusst nachvollzogen werden. Dieses unbewusste Geschenk bei der Taufe, dieses „Angeschlossen werden an Jesus“ muss einmal bewusst gewollt werden. Eine Gelegenheit dafür könnte die Firmung sein, obwohl viele auch in diesem Alter noch gar nicht so weit sind, dies zu realisieren. Eine bewusst mitgefeierte Osternacht könnte ebenso ein Anlass sein, wenn wir uns dabei auch die dafür notwendige innere Stille zugestehen. Das Sakrament, das wir unbewusst empfangen haben, können wir so „lebendig“ machen, können ihm durch unsere Entscheidung Wirkung verleihen.
Sakramente brauchen unsere Entscheidung, sind kein Paket göttlicher Energien, die uns nachgeworfen werden. Sakramente sind eine Begegnung mit Jesus; eine Beziehung ist nur dann möglich, wenn „beide Seiten“ dazu etwas beitragen. Auch unter Menschen sind einseitige Beziehungen nicht dauerhaft möglich. Christus hat das Seine gemacht, er hat sich uns angeboten, wir müssen unser Ja dazu aber aussprechen. Auch in einer Liebesbeziehung ist immer der Bezug auf das Ganze notwendig, wenn Liebe nur Berechnung ist, kommt nichts heraus ausser einer persönlichen Befriedigung. Bei aller Schwäche die Menschen haben, können sie sich hingeben, können sie ja sagen und lieben. Wenn wir uns Gott nicht hingeben, werden wir uns einem Ersatz, einer Sache hingeben. Wer diesen „Anschluss“ an Christus will, den durchströmt ein Lebenssaft, der von Christus herkommt. Wenn wir diese Beziehung zulassen, wird diese wachsen, werden wir einen anderen Geist, eine andere Kraft bekommen. Christ sein in diesem Sinne ist ein Prozess, in dem wir ständig wachsen. Jesus in uns leben und wirken zu lassen, darum müssen wir im Gebet bitten, dafür müssen wir uns bewusst entscheiden.
Jesus beim Abendmahl bzw. der Eucharistie wie eine Tablette „einzuwerfen“, bewirkt gar nichts, da geschieht keine Begegnung, die ein inneres Wollen voraussetzt. Wir müssen Jesus bei uns aufnehmen wollen, soll er in uns wirken. Jesus Christus steigt hinab in unsere Tiefen, die wir nicht kontrollieren können, wenn wir ihn darum bitten und uns dessen bewusst sind. Wenn wir das sehen, ist das ein Prozess der inneren Reinigung, die wir aushalten müssen, die nicht billig ist. Christus wird uns sehr fest auf unsere Füße stellen, wird dafür sorgen, dass wir nicht abheben und davon schweben, wird uns helfen, dass wir uns selbst und andere uns aushalten.
Welche Früchte bringen wir, wie sie Jesus von uns verlangt? Wenn wir in Christus sind und es uns gelingt, dass wir von ihm her leben, wird alles in unserem Leben „Frucht“ sein, dann brauchen wir keine Angst vor dieser Frage zu haben, weil alles was wir tun Sinn gibt und wir uns selber mitbringen. Unsere Leben wird sehr fruchtbar werden und die Frucht wird bleiben, weil sie aus der Liebe wächst.
Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl
Beitrag online bis 24.3.2009 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (10.3.09 - 24.03.09 - ) / 2448 / 299
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