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 © Helmut Meisl

 Fastenaktion
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Univ. Prof. Dr. Susanne Heine, Professorin für Praktische Theologie an der Evang.-theologischen Fakultät der Universität Wien


Interessierte Besucher im Pfarrzentrum Neualm

Ich glaube nicht an den Tod

Glaube ist keine Nachricht über die Wirklichkeit, sondern eine Sichtweise auf die Wirklichkeit. Im 4. Vortrag der Fastenaktion 2009 hat dies Prof. Dr. Susanne Heine eindrucksvoll den Zuhörern näher gebracht.

Mit einem auf den ersten Blick sehr exklusiven Text „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ setzt sich Prof. Dr. Susanne Heine aus Wien im vierten Vortragsabend der Fastenaktion 2009 auseinander und erklärt gleich zu Beginn, warum dieser Text denn doch nicht ganz so exklusiv gemeint ist als man vorerst denken könnte.
Als dieser Text entstand, saß Jesus mit seinen Jüngern bei Paschahmahl beisammen, hatte ihnen die Füße gewaschen und sie gelehrt, dass auch sie einander dienen und Liebesdienste erweisen sollten. Der Verräter, Judas, war noch dabei und verlässt dann die Runde. Es war noch Nacht, eine Beschreibung im Johannesevangelium, die doppeldeutig gemeint ist, so wie alle Beschreibungen in dieser Schrift. Judas ist im wörtlichen Sinn umnachtet, lebt in der Finsternis. Die äußere Finsternis wird zu einem Bild des inneren Zustandes.
Der Weg ans Kreuz, der dem Verrat folgt, wird ein ganz realer Weg. Johannes redet von diesem realen Weg nicht, sondern wechselt in der Beschreibung in die Gegenwartsform um darauf hinzuweisen, dass es jetzt besonders wichtig wird. Es liegt ein himmlischer Glanz auf diesem Weg nach Golgotha, von außen sieht es aus wie ein Weg in die Finsternis, doch von innen betrachtet ist es ein Weg ins glänzende Licht.

Ich bin der Weg
Religiöse Erfahrungen stellen eine Verbindung her mit etwas Unsichtbarem, nicht Greifbaren. Dies kann aber sehr bestimmend sein, wie die Menschen die Welt sehen, welche Haltungen sie einnehmen, welche Handlungsweisen sie setzen. Alles das kommt aus diesem „Zug zum Unsichtbaren“. Glaube ist daher keine Nachricht über die Wirklichkeit, sondern eine Sichtweise auf die Wirklichkeit. Diesbezüglich ist das Johannesevangelium so etwas wie eine „Schule des Sehens“. Eine solche sinnliche Erfahrung ist „der Weg“, der auch ein Symbol ist für innere geistige Prozesse ist. Das Ziel dieses Weges ist „erkennen wollen“. Es geht darum, Zusammenhänge zu erkennen und diese in die bisherige Sichtweise des Lebens zu integrieren.
Erkennen ist etwas anderes als Wissen. Wissen lässt sich lernen und dementsprechend dann auch abfragen – davon lebt unser Schulsystem bis hinauf zu den Universitäten in sehr hohem Ausmaß. Wer viel weiß muss noch lange nichts erkannt haben. Erkennen lässt sich nicht lernen und auch nicht lehren. Erkennen wird empfangen - „mir geht etwas auf“ - ist eine passive Eigenschaft. Johannes bedient sich dieser Bildsprache um einen geistigen Erkenntnisakt zu provozieren, will die Leser zu einem Erkennen hinführen. Glaube ist keine Nachricht über die Wirklichkeit, sondern eine Sichtweise auf die Wirklichkeit. Über das Erkennen, wer dieser Christus ist, erschließt sich die Erkenntnis Gottes. Wer Gott kennen lernen will, der schaue auf Christus.

... die Wahrheit
Im Erkennen gewinnen wir eine innere Sicherheit von etwas. Erkennen ist kein Beweis. Wenn sich uns etwas erschließt, etwas „einleuchtet“, wir eine Gewissheit gewinnen, reden wir von Erkenntnis. Erkennen hat immer einen Bezug zu etwas Bestimmten. Dieses „Erkennen“ bezieht sich bei Johannes zunächst einmal auf Christus. Dieser Christus war daher nicht nur ein Mensch und nicht nur ein Prophet. „Ich bin vom Vater aufgegangen und in die Welt gekommen und ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater“. Jesus kehr zum Vater „nach Hause“ zurück. Das Ziel ist Kunde zu bringen von Gott, den niemand je gesehen hat. Christus ist der Weg zu Gottes Erkenntnis. „Wer mich erkennt, der erkennt Gott“, sagt Jesus an anderer Stelle im Johannesevangelium, daher ist Christus der Weg und die Wahrheit.
Diese Erkenntnis hat auch einen ganz klaren Inhalt: „Gott ist die Liebe“. Wer auf Christus schaut, erkennt Gott und erkennt Gott als die wahre Liebe. Johannes geht es nicht darum, Aussagen über Gott an sich zu machen, sondern immer über Gott für uns.
Schon bevor es Menschen gab, war Gott die Liebe. Gott ist nicht erst durch die Menschen ein Liebender geworden, er war es schon vorher und er wird es immer bleiben. Die Liebe zwischen Gott Vater und Sohn ist Ausdruck dessen, dass innige Verbundenheit zum Wesen Gottes gehört und zwar unabhängig davon, ob Menschen das erkennen oder nicht. „Niemand kommt zum Vater ausser durch mich“. Erkennen bezieht sich immer auf etwas Bestimmtes und nicht auf etwa Unbestimmtes, Universales. Die Offenbarung Gottes in Jesus Christus ist wichtig für das christliche Selbstverständnis ist das Grundgerüst, das Zentrum für den christlichen Glauben. Da Johannes keine Aussagen über Gott an sich macht sondern nur über Gott für mich, den ich nur erkennen kann, lässt sich daraus kein objektiver Absolutheitsanspruch ableiten. Der Weg zu Gott geht nur über Christus, das kann man nicht lernen und daher lässt sich daraus auch kein Absolutheitsanspruch ableiten. Gott gibt sich als Gott der Liebe erkennen, diese Liebe aber gilt allen Menschen. Der Weg zu Gott geht zwar über Christus, die Erkenntnis der Liebe Gottes führt aber zu allen Menschen. Liebe heißt in diesem Fall nicht, dass alles in einem „Einheitsbrei“ zusammengerührt wird. Wer nicht erkennt, dass Gottes Liebe und Barmherzigkeit die gesamte Schöpfung durchflutet, der sitzt „im Finstern“, d.h. wer nicht lieben kann, dem geht es nicht gut.

... und das Leben
Johannes setzt immer wieder bei dem an, was unserer sinnlichen Erfahrung zugänglich ist (das Wasser, das Brot, die Tür, der Weinstock, der Weg …). Und er lädt uns ein, durch diese vordergründigen Dinge hindurchzuschauen in eine andere Dimension, aus der Finsternis ins Licht hineinzuschauen. Diese andere Dimension hat entscheidend mit dem Sinn des Lebens zu tun. Einen Sinn des Lebens kann man nicht beweisen, man kann ihn auch nicht aufheben, er muss einem Menschen „aufgehen“. Dafür gibt es keine Beweise, keine Rezepte, er kann nur „einleuchten“.
Wer bei Tag umhergeht, stößt nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht. Wer bei Nacht umhergeht, stößt an, weil das Licht nicht in ihm ist. Menschen, die das Licht in sich haben (das Erkennen die Liebe Gottes durch Jesus Christus), die finden ihren Weg auch im Finstern. Wer auf das Kreuz schaut, soll durch das Kreuz durchschauen, dann kann er das Licht des Lebens erkennen, eines Lebens, dem der Tod nichts anhaben kann. Gott ist die Liebe und indem er die Liebe ist, ist er zugleich das Leben.

Für Johannes ist der Tod nur eine kurze Unterbrechung, die den Strom des Lebens nicht aufhalten kann. Weil Gott das Leben ist, ist das Leben ewig. Das Evangelium des Johannes ist ein großes Plädoyer dafür, trotz des Todes und der Schatten die ihm vorausgehen, an das Leben zu glauben.

„Ich glaube nicht an den Tod“, so die Zusammenfassung der Referentin zu den Ausführungen ihres Vortrages.





Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl

Beitrag online bis 7.4.2009 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (24.3.09 - 07.04.09 - ) / 2462 / 346