Diese Seite als Druckausgabe
Prälat Dr. Hansjörg Hofer begrüßt den Referenten
em. Weihbischof DDr. Helmut Krätzl, Wien
Bestens besucht war auch der letzte Vortrag der Aktion im Pfarrsaal Rehhof
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em. Weihbischof DDr. Helmut Krätzl, Wien
Bestens besucht war auch der letzte Vortrag der Aktion im Pfarrsaal Rehhof
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Was heißt "von den Toten auferstehen"?
"Auf ein Weiterleben auf den Tod hofft fast jeder, an die eigene Auferstehung glauben aber eher weniger", so beginnt der wohl prominenteste Referent der Fastenaktion 2009, Weihbischof DDr. Helmut Krätzl aus Wien seine Ausführungen.
Zwei Drittel der Menschen in Österreich glauben an ein Weiterleben nach dem Tod, aber nur 50% an die biblische Osterbotschaft. Noch viel dramatischer sind diese Zahlen jüngsten Umfragen zufolge in Deutschland und – nicht unerwartet – ganz extrem im Bereich der „neuen Bundesländer“ unseres Nachbarn. Wo bleibt da die Kernaussage des Christentums, wo bleibt da die Hoffnung, die über das Grab hinausreicht?
Tod und Auferstehung des Herrn ist Kernstück der christlichen Verkündigung. „Christus ist für unsere Sünden gestorben gemäß der Schrift und ist begraben worden, er ist ab 3. Tage auferstanden gemäß der Schrift und erschien dem Kephas und dann den Zwölf“. Paulus sagt: „wenn es keine Auferstehung gibt, ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos.“ Auferstehung ist nicht nur ein ferner, abstrakter Glaubenssatz, sondern trifft unsere eigene Existenz.
Was heißt „von den Toten auferstehen“? Wiederholt spricht Jesus von der Auferstehung, aber auch Jesus wurde nicht verstanden von seinen Jüngern, sie sind an der Vorhersagen des Leidens hängen geblieben. „Ich bin die Auferstehung und das Leben“, das ist wohl eine der wichtigsten „ich bin“ Aussagen. Bei all diesen Aussagen geht es um das Leben und zwar um ein Leben „in Fülle“. Die Aussage „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ sagt Jesus in einer makabren Situation. Er kommt zu spät um Lazarus noch vor dem Tod zu heilen und zu retten. Die Trauer der Schwestern und der ganzen Gemeinde erregen ihn so tief, dass er selbst am Grab weint. Doch der trauernden Martha sagt er, „dein Bruder wird auferstehen“. Martha erwidert „ich weiß, dass er auferstehen wird am jüngsten Tag“. Darauf antwortet Jesus „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, auch wenn er stirbt, wird leben und jeder der Lebt und an mich glaubt wird nicht sterben in Ewigkeit.“ Auf einmal überschneiden sich hier Gegenwart und Zukunft, irdisches Leben und ewiges Leben. Das Leben „hier“ und „dort“ ist untrennbar verbunden. Das sakramentale Zeichen dafür ist die Taufe, hier ereignet sich schon Auferstehung. Der alte Mensch, der sündhafte, wird untergetaucht, steigt damit gleichsam ins Grab, damit er aufsteigt aus diesem Quell als neuer Mensch und Christus anzieht im Glauben und ihn ähnlich wird im Sinnen und Denken. In diesem Leben gehen wir Jesus wohl dem Kreuzweg nach, aber nicht bis Golgotha, sondern darüber hinaus bis in die Herrlichkeit. Af einmal fragt man sich, ob die Aufweckung des Lazarus tatsächlich und eine „Reanimation“ war oder nicht die zeichenhafte Hineinnahme in die Herrlichkeit.
So wie die Jünger damals beschäftigt auch uns die Frage nach dem „Danach“. Auch in der Bibel wächst der Auferstehungsglaube erst allmählich. Welche Folgen sollte das richtige Osterfeiern haben? Der Auferstehungsglaube in der Zeit nach dem Tod Jesu wächst durch die Begegnung mit dem Auferstandenen. Die ersten Stunden des Ostermorgens haben nichts vom Jubel über den Auferstandenen mit sich sondern Trauer, Ratlosigkeit und Schrecken. Zunächst dreht sich alles zuerst um das Grab. Die Frommen Frauen konnten den ersten Morgen nicht erwarten um die Salbung des Leichnams nachzuholen, nichts ist von Auferstehungsglaube erkennbar. Der Auferstehungsglaube wächst erst mit der Begegnung mit dem Auferstandenen, aber auch in ihm liegt zuerst eine ganz eigenartige Spannung. Jesus war „anders“, das mussten die Jünger erst langsam lernen; glauben. Jesus ist nicht aus dem Totenreich in dieses begrenze Leben zurückgekehrt. Er tritt vielmehr in diese raum- und zeitlose Welt Gottes ein. Die Auferstehung ist im Raum der Geschichte erfolgt, hat sich an der geschichtlichen Person Jesu ereignet und seine eigene irdische Geschichte vollendet; zugleich aber auch die Vollendung aller Geschichte eingeleitet. Das lässt sich nicht beweisen, sondern gehört in den Bereich des Glaubens. Den Auferstandenen haben nur jene erkannt, die an ihn glauben und mit viel Liebe suchen. Diesen Bildern sollten wir auch nachgehen. Auch Petrus wird erst vollends erzeugt, als er am See von Tiberias dreimal nach seiner Liebe gefragt wird. Den Auferstandenen erkennt nur der, der ihn in Liebe sucht. Fragen wir nicht zu oft, wenn überhaupt, nach dem Auferstandenen mit dem Verstand statt mit sehnsüchtiger Liebe? Das die Botschaft der Auferstehung weitergeht, gründet in der Glaubwürdigkeit der Zeugen, die sie übermittelt haben.
Fehlt es heute an glaubwürdigen Zeugen an der Auferstehung, dass heute der Glaube so selten geworden ist? Bleibt unsere Verkündigung zu stark am irdischen Jesus hängen? Lassen unsere Eucharistiefeiern etwas davon erahnen oder bleiben wir nicht oft bei der Leidensvorhersage, beim Gedächtnis ans Kreuz und Leid hängen und lassen die Freude am Auferstandenen - der nun real in uns ist in der Abendmahlsfeier – vermissen? Firmlinge finden unsere Messen oft zu traurig, wenn sie in die Gesichter der Menschen schauen und glauben, sich auf einer Beerdigung wieder zu finden. Bei der Messe sollte Jesus mitten unter den Menschen sein – in ganz neuer Gestalt, wahrlich kein Grund zu trauern, sondern zu feiern und festlich zu sein.
Viele Menschen glauben an die Auferstehung der Toten, können sich dieser aber nicht vorstellen – was kein Wunder ist. Daran könnte auch eine ausgeklügelte Glaubenslehre schuld sein, die vergisst, dass der Mensch in Leib und Seele einer ist und wir den Leib für gut und würdig halten sollen, da er zur Auferstehung für den jüngsten Tag bestimmt ist. Es wird ein Leib anderer Art sein, aber doch der eigene – in Leib und Seele sind wir eins, tragen wir die Auferstehung bereits in uns. Dieser Leib ist Tempel des Heiligen Geistes, in ihm wohnt Gott und in ihm sind bereits jetzt Glanz und Schönheit.
Die Bilder der Schrift verleiten uns, den Himmel allzu irdisch auszumalen. Jesus selbst spricht vom „heiligen Mahl“, wo er mit jedem wieder essen und trinken wird. Der Himmel ist aber nicht das „Schlaraffenland“. Selbst Christen haben eine sehr eigenartigen Vorstellung von der Ewigkeit, wer aber geht bewusst auf die Ewigkeit zu, nimmt dieses Thema wirklich ernst? Wenn der Glaube an die eigene Auferstehung so vage bleibt, wo ist dann der Kern des christlichen Glaubens? Verdrängen nicht auch Christen heute den Tod, weil sie nicht recht an die Auferstehung glauben. Wir sollten in unserer Verkündigung eher von der Sehnsucht der Menschen ausgehen, dass nach dem Tod eben nicht alles aus ist. Auch der Ungläubige will nicht ausschließen, dass nach dem Tod alles aus ist, hofft, das von all dem Schönen nach dem Tod etwas übrig bleibt.
Die Urgemeinde hat sich mit der Deutung des Todes Jesu lange Zeit schwer getan. Mit der Taufe ist Christi Tod und Auferstehung in unser Leben hinein genommen, sind wir mit Christus Jesus auferweckt. Auferstehung ist schon jetzt wirksam, das Tor dazu ist die Taufe und die Konsequenz ein neues, anderes Leben hier in dieser Welt. Jesus taufte nicht, aber die Urkirche hat die Taufe so praktiziert und beschrieben, dass an keiner Stelle auch nur eine Andeutung zu erkennen wäre, dass dieses Sakrament umstritten war. Der Auferstandene ist nicht nur im geheimnisvollen Sakrament der Eucharistie gegenwärtig, jeder getaufte lebt in ihm, hat ihn gnadenhaft angezogen wie ein Kleid und die Gemeinschaft der Getauften zusammen bildet den Leib des erhöhten Christus. So wirken Tod und Auferstehung in die Gemeinde und wird dort zu einer heilsamen Kraft zur Veränderung in dieser Welt.
Durch die Taufe setzen wir Christen ein geheimnisvolles Zeichen, dass das getaufte Kind längst von Gott geliebt und angenommen ist und den Weg mit Gott gehen soll. Einen Weg, den der Schöpfer von Anfang an den Menschen zum Heil zugedacht hat. Die christlichen Gemeinden sind aufgerufen, sich dieser Verantwortung der Begleitung auf dem Weg eines Täuflings bewusst zu werden.
Die Welt ist herzlos und oft auch geistlos. Den Christen hat Gott in der Taufe ein neues Herz geschenkt und seinen Geist ausgegossen. Wo sind die Christen, die dem Auftrag der Welt zu mehr Herz und der Gesellschaft zu einem neuen Geist verhelfen? Wahrhaft österliche Menschen verändern die Welt, sollten sie verändern!
Durch die Taufe bilden wir alle Christen den einen Leib, wir sind uns viel näher als Kirchenleitungen da und dort oft zugeben. Wenn wir schon den einen Leib bilden, warum teilen wir dann (noch) nicht den eucharistischen Leib miteinander? Wenn österliche Menschen das leben, das Gott in ihnen grundgelegt hat, verwandelt sich die Welt, dann weicht der Aussatz, dann blüht die Heiligkeit auf, dann gibt es Hoffnung, dass auch unter uns das Unmögliche möglich wird.
Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl
Beitrag online bis 14.4.2009 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (31.3.09 - 14.04.09 - ) / 2470 / 360
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