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Einige mutige Reiseteilnehmer begaben sich auf eine Ballonfahrt, um die spektakulären Felsgebilde von oben zu sehen
Nur ein kleiner Eindruck von der Wanderung durch das "rosarote Tal"
Höhlenwohnungen im Zelve Tal
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Antiochien in Pisidien und Kappadokien
Ein Bericht von der Reise des Arbeitskreises "Wir in der einen Welt" im April 2009 von Roman Anlanger
Nur gute 2 Stunden braucht man von der südtürkischen Hafenstadt Antalya in Richtung Norden zur Kleinstadt Yalvac, in deren Nähe der antike Ort Antiochien in Pisidien liegt. Bereits jenseits des Taurus liegt dieses Antiochien. Da steht nun die Halleiner Gruppe vor den Ausgrabungen mit den ausgetretenen Platten eines römischen Weges, der den Hang hinauf führt, gesäumt von einsamen Säulenresten und schließlich vor den Resten einer frühchristlichen Basilika. In der Ferne leuchten die noch mit Schnee bedeckten Hänge des Taurusgebirges und in den grünen Wiesen stehen die dunkelroten Mohnblumen.
Der Überlieferung nach ist der Apostel Paulus auf seiner 1. Missionsreise auch hier gewesen. Hier war auch der Ort, wo sich seine Missionsarbeit änderte und er sich vermehrt den Heiden zuwandte, nachdem er und sein Begleiter Barnabas von einer aufgebrachten Judenmenge aus der Stadt vertrieben wurde, als er seine neue Lehre verkündete.
An dieser Stelle versuche ich Paulus von einer anderen Seite zu sehen. Nicht als den Verkünder, sondern als den Reisenden, der unwahrscheinliche Mühen auf sich genommen hat um das Evangelium zu verkünden. Wie lange wird er wohl für die Strecke, die man heute im klimatisierten Autobus in 2 Stunden zurück legt gebraucht haben? Welches Schuhwerk hat er auf seinen beschwerlichen Wanderungen getragen, wie viele Blasen hat er wohl bekommen? Wo hat er bei seinen Märschen übernachten können? Wie orientierte er sich? Musste er sich vor den Wölfen und Bären, die es damals in diesem Gebiet sicher noch gab schützen und wie? Ich überlege, welche Kleidung er hatte, welchen Wetterschutz, denn damals gab es noch keine Goretex-Jacken. Was hatte er in seinem Gepäck, welche Geldmittel standen ihm zur Verfügung, wie finanzierte er seine Reisen?
Fragen um Fragen ergeben sich um die Figur des hl. Paulus, den ich schon in meiner Jugend wegen seiner Reisen bewunderte. Und dann entsteht neben dem Bild des Verkünders ein anderes Bild des Paulus. Es ist das Bild eines wagemutigen Reisenden, eines Abenteurers. Das Bild eines Paulus der immense Wegstrecken zu Fuß zurück legt, sich auf unsicheren Segelbooten dem Wind anvertraut, Schiffbruch erleidet, ins Gefängnis geworfen wird, aufgebrachten Volksmengen gegen über steht. Ein Paulus der auf seinen Reisen sicherlich Hunger und Durst erleben muss, der unterwegs sicherlich auch Krankheiten geplagt wird, der irgendwo, nicht immer in einem weichen Bett, seinen Körper zur Ruhe legt, in der Nacht friert, am Tag vom Regen durchnässt wird oder die sengende Sonne des Mittelmeerraumes ertragen muss. Paulus muss neben seiner Kraft des Wortes auch eine unwahrscheinliche körperliche Konstitution gehabt haben, sonst hätte er seine Reisen nicht durchstehen können.
Es ist für mich eine große Freude, dass ich mit Freunden nun ein wenig auf den Spuren des Völkerapostels Paulus unterwegs sein kann, dessen Gestalt wohl wie keine andere das Christentum in den ersten Jahren nach Christus Richtung weisend bestimmt hat. Für mich ist Paulus einer der größten der Geschichte, vor allem auch deswegen, weil er nicht als Feldherr, Herrscher zerstörte, sondern das verbindende Gebot der Liebe weiter gab. Spektakulär im wahrsten Sinne des Wortes ist der 2. Teil der Reise „Kappadokien“. Dort wo einst mächtige Vulkane Asche und Gestein heraus schleuderten, haben in Millionen von Jahren Wind und Wasser eigenartige Felsformationen, bizarre Felsgebilde aus dem Tuffgestein heraus geschnitten. Wir stehen vor einem Weltwunder im Herzen der anatolischen Hochebene. Neben der faszinierenden Landschaftsszenerie besitzt diese Region auch ein reiches Erbe aus der byzantinischen Zeit. Mehr als 1.000 Höhlenkirchen gibt es hier, nicht wenige mit prachtvollen Felsmalereien oder Fresken ausgestattet. Nur ein Bruchteil dieser Kirchen sind bislang zugänglich. Noch vor 50 Jahren gab es hier keine Spur von Tourismus, heute besuchen jährlich Millionen das Weltkulturerbe von Göreme, Ortahisar um zwei der bedeutendsten Orte zu nennen. Zwei Tage verbringt die Gruppe hier um sich die Kirchenmalereien erklären zu lassen, die surreale Landschaft im „rosa Tal“ zu durchwandern, oder im Zelve Tal die Höhlensiedlungen, die bis 1953 bewohnt waren, zu besuchen.
Erwähnenswert auf der Reise wäre noch ein Abend, bei dem man der mystischen Aufführung der tanzenden Derwische aus Konya beiwohnen konnte, wie auch das Spektakel einer morgendlichen Ballonfahrt über die nicht nur formenstarke, sondern auch farbintensive Landschaft Kappadokiens. Da parallel zur Halleiner Gruppe auch unser ehemaliger Kooperator Erwin Neumayer mit einer Gruppe aus Tirol unterwegs war, konnten wir zwei mal an einer Messe teil nehmen. Darüber hinaus gab es durch Gertrud Bohuny, die Familien Hansbauer und Strubegger Morgenbetrachtungen auf der Fahrt im Autobus.
Da man ein Land mit allen Sinnen erleben soll, hat die Gruppe die ausgezeichneten Buffets mit frischem Gemüse genossen, wie auch die nicht zu verachtenden türkischen Weinen in frohen Stunden in ausreichender Menge verkostet.
Es war eine große Gruppe, 42 Österreicher, 1 Engländerin und eine Irin. Trotz der großen Gruppe gab es keinerlei Probleme. Die Reisenden waren vorbildlich pünktlich, es gab kein Gedränge bei den Buffets und das fröhliche Klima in der Gruppe war ausgezeichnet. Es war eine Reise, die meines Erachtens für alle Teilnehmer eine Bereicherung dar gestellt hat und auch den Apostel Paulus in einer neuen, ergänzenden Sicht gezeigt hat.
Autor / Quelle: Roman Anlanger
Beitrag online bis 19.11.2009 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (19.5.09 - 19.06.09 - ) / 2508 / 802
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