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 © Helmut Meisl

 Evangelische Gemeinde
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„Im Menschen, nicht in Gott, ist Gott die Sünde leid: Und so sehr, dass er sich am Kreuz zu Tode schreit.“

Daniel Czepko von Reigersfeld (1605–1660)

Wir wissen, dass Menschen fähig waren und sind, anderen noch viel entsetzlichere Qualen zuzufügen als zu kreuzigen. Das Besondere an der Kreuzigung Jesu sind nicht die Schwere des Leidens, nicht die Schmerzen und Qualen. Was aber dann, das diesen Tod zu mehr macht als zum Symbol für das Leiden der Menschen? Jesus sagt es uns selbst, wenn er sich am Kreuz zu Tode schreit – nach Gott, der ihn in diesem Moment verlassen hat. Er schreit nach Gott wie viele, die den Tod nahe fühlen – doch er bleibt ohne Antwort. In seinem Tod stürzt sich Jesus in einen Abgrund, wo Gott nicht mehr ist, er stürzt sich in die Gottverlassenheit. Noch weiß er nicht, dass er gerade durch seinen Tod Gott dahin bringt, wo er bisher noch nicht war: in die Gott verneinende Nacht des Todes.





21. März 2010 - Lätare (5. Sonntag der Passionszeit) II

So dunkel dieser 5. Passionssonntag in seinen Texten und Liedern auch immer ist, in diesem Jahr leuchtet darüber hell und klar der 325. Geburtstag von Johann Sebastian Bach (1685–1750).

Ausgelegt!
Bibelwort: Hebräer 5,7-9

Wer weiß, wie evangelische Gottesdienste heute gestaltet wären ohne seine Musik in den Orgelwerken, Kantaten und Passionen …? Zu Bachs Zeit war Treue zur Heiligen Schrift selbstverständlich. Also erfüllt Bach ein wesentliches Merkmal dieses Textabschnitts aus dem Hebräerbrief: Er war mit seinem ganzen Leben ein gehorsamer Diener des Wortes Gottes.

Sonst ist das Wort „Gehorsam“ ja aus der Mode gekommen. Mit Recht stehen viele diesem Wort mit Frösteln gegenüber, hat es doch im Dritten Reich alle Auswüchse erfahren, die nur denkbar sind. Das ändert aber nichts am Inhalt des Wortes. Es gibt im Leben Situationen, da muss ich gehorchen, also dem Wort anderer folgen. Nicht nur als Kind, auch als Erwachsener. Ich bin oft regelrecht abhängig von dem, was ein anderer anordnet, und wäre verloren, wenn ich den Worten nicht folgte. Genau darum bittet mich Gott, wenn das Wort Gehorsam fällt: Vertraue mir, lässt Gott mir sagen. Im Zweifel vertraue mir mehr als den vielen anderen Worten. Aus diesem gehorsamen Vertrauen nämlich wächst neues Leben.





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen / Michael Becker

Beitrag online bis 1.4.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (18.3.10 - 25.03.10 - ) / 2737 / 222