Diese Seite als Druckausgabe
Der Fußball ist einer der am weitesten verbreiteten religiösen Aberglauben unserer Zeit. Er ist heute das wirkliche Opium des Volkes. (Umberto Eco)
Und sein umjubeltes Idol ist der Spieler. Doch das Fundament, auf den sie gestellt werden, ist wackelig. Der Absturz vom Zig-Millionen-Einkauf zum „Chancentod“ oder zum „Fliegenfänger“ kann schnell gehen. Oder wie es der ehemalige Fußballspieler Tomislav Maric sagte: „Im Fußball bist du entweder Gott oder Bratwurst.“
|
Jabulani
„Jabulani“ – so heißt der offizielle Spielball der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Das Wort bedeutet in der Sprache der Zulu „Feiern“.
Was soll gefeiert werden? Das scheint auf der Hand zu liegen: der Sport, speziell der Fußball. Doch das Motto der Spiele weist in eine andere Richtung: „Ke Nako. Celebrate Africa’s Humanity.“ – „Es ist Zeit, Afrikas Menschlichkeit zu feiern“. Die Tatsache, dass 2010 die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden stattfindet, wird dem Turnier seinen Stempel aufdrücken und ist ein Hoffnungszeichen; Grund genug, das Klischee von Afrika als Kontinent von Krieg, Hunger und AIDS zu überdenken. Das Motto soll Afrikas größte Ressource, nämlich die Wärme, Freundlichkeit, Bescheidenheit und Menschlichkeit seiner Einwohner, herausstellen. Und darin liegt zugleich die Gefahr, Erwartungen zu haben, die den Sport überfordern. Auch wenn Milliarden Menschen zuschauen und es zugleich um Milliardensummen geht, bei aller Gigantomanie, bleibt Fußball ein Spiel. Ein Spiel, das Freude macht, das Emotionen entfacht, das Menschen näher bringen kann. Vielleicht ein neues „Sommermärchen“ – und das wäre schon viel, aber eben auch nicht mehr. Wenn Fußball ein Spiel bleiben darf, kann er uns Freude machen, haben wir einen Grund zum Feiern. Jabulani!
Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen / Michael Tillmann
Beitrag online bis 11.7.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (9.6.10 - 10.07.10 - ) / 2801 / 277
|