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 © Helmut Meisl

 Evangelische Gemeinde
Diese Seite als Druckausgabe


Die wahre Kunst der Kommunikation ...

… liegt darin, nicht nur das Richtige am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sagen, sondern das Falsche im verlockenden Augenblick ungesagt zu lassen.

Dorothy Nevel


Am „Sonntag der Barmherzigkeit“ hören wir Mahnungen, die heute fremd klingen.
Statt sich selbst der Nächste zu sein, fordert dieser Sonntag auf, „des anderen Last zu tragen“.
Das können wir nicht aus uns selbst – auch dazu brauchen wir noch Gottes Hilfe. Jesus trägt uns, damit wir tragen können.
Und wenn ich eines anderen Menschen Lasten trage, werden meine eigenen Lasten leichter.
Das kann man nicht beweisen, das kann man nur erleben.



27. Juni 2010 - 4. Sonntag nach Trinitatis II

Irgendwann stehe ich vor dem Richterstuhl Gottes. Wie das aussehen mag, weiß ich nicht, doch ich glaube, ich werde dann mit all dem konfrontiert, was ich in meinem Leben versäumt und falsch gemacht habe.

Ausgelegt!
Bibelwort: Römer 14,10-13

Ich glaube, dieser schmerzhafte Prozess wird mir nicht erspart bleiben. Und weil das so ist, versuche ich mir jeden Tag die Worte Albert Camus’ ins Gedächtnis zu rufen: „Warte nicht auf das Jüngste Gericht! Du stehst jeden Tag vor deinem Richter.“ Will heißen: Mir jeden Tag vor Augen zu führen, was misslungen ist, zum Beispiel, dass ich über andere Menschen gerichtet habe. Das passiert und ich schäme mich. Doch dabei brauche und darf ich nicht im Bodenlosen versinken. Denn der, der mir Richter ist, ist zugleich mein Anwalt: Jesus Christus. Kein Pflichtverteidiger, sondern jemand, der mich liebt. Der mich aufrichtet. Der sein Augenmerk nicht darauf richtet, was ich momentan bin – mit all meinen Fehlern –, sondern mir helfen möchte, der zu werden, der ich in seinen Augen sein kann. Ein liebender Mensch, der nicht über andere richtet, sondern versucht, sie aufzurichten. Bei Gott habe ich Bewährung, ich werde nicht auf meine Fehler festgenagelt, sondern darf immer wieder neu anfangen. Danach möchte ich mich richten.





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen / Michael Tillmann

Beitrag online bis 8.7.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (24.6.10 - 01.07.10 - ) / 2807 / 234