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 © Helmut Meisl

 Evangelische Gemeinde
Diese Seite als Druckausgabe


Gott und Mensch ganz dicht beisammen. Auf dass das ganze Haus voll werde. Viele sind zu Gast im Gotteshaus. Über ihnen scheint der goldene, göttliche Glanz den ganzen Kirchenraum zu erfüllen. Ein Baldachin schmückt und schützt den Altar. Im Kirchenschiff stehen keine Kirchenbänke, sondern lange Tischreihen. Von beiden Seiten sind Stühle aufgestellt. Jeder Stuhl ist besetzt, die gefüllten Teller sind auf dem Tisch. Ein Festmahl in einem Festsaal.

(Weihnachtsessen der Gemeinschaft Sant‘Egidio Santa Maria in Trastevere, Rom, Foto: Archiv Comunità di Sant‘Egidio, Rom)





18. Juli 2010 - 7. Sonntag nach Trinitatis II

Die Erzählung von der Jerusalemer Urgemeinde wird der heutigen Kirche oft als Spiegel vorgehalten.

Ausgelegt!
Bibelwort: Apostelgeschichte 2,41a.42-47

Ich meine zu Recht, jedoch nicht in dem oft zu hörenden Tenor, von einer Kirche, die alles Hab und Gut veräußert. Gerade dieser Aspekt ist meiner Ansicht nach der damaligen Situation, der Erwartung einer baldigen Wiederkunft Christi, geschuldet. Es sind die anderen Aspekte, die kritische Anfragen an die heutige Kirche stellen: die regelmäßigen Gottesdienste, das beständige Gebet, das Hören auf die Lehre der Apostel, die gelebte Gemeinschaft. Wie soll das heute noch gelebt werden – in immer größeren Gemeinden, mit immer weniger Gottesdiensten? In der Jerusalemer Gemeinde war der Glaube Teil des Alltags, heute bekommt er immer mehr den Charakter des Außergewöhnlichen, des Events. Und was für die Gemeinde gilt, trifft auch – so stelle ich leider fest – immer mehr auf das religiöse Leben des Einzelnen zu. Gottesdienst, religiöse Feier, auch Gebet nicht als gute Gewohnheiten – die erst in der Regelmäßigkeit ihren wahren Wert offenbaren –, sondern als – oft nicht wertvolle – Raritäten. Der Glaube gehört in den Alltag. Oder wie es Meister Eckhart erkannte: „Der Mensch, der Gott beim Stallmisten nicht hat, hat ihn auch nicht beim Chorgebet.“





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen / Michael Tillmann

Beitrag online bis 29.7.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (15.7.10 - 22.07.10 - ) / 2819 / 236