Diese Seite als Druckausgabe
Licht der Gnade
Wer den Reichtum der Gnade Gottes selbst erfahren hat, der kann nicht anders, als das weiterzugeben und abzugeben. Auf der Erde zu leben und vom Himmel zu wissen, dass das, was wir haben und sind, aus Gnade geschenkt ist – das macht mich frei. Das ist der Rahmen, um als Christ zu leben.
|
15. August 2010 - 11. Sonntag nach Trinitatis II
Der ganze biblische Text dieses Sonntags kreist um ein einziges Wort: Das Wort „Gnade“. Schon der Wochenspruch benutzt dieses Wort: Gott gibt dem Demütigen Gnade. Was ist das, Gnade?
Ausgelegt! Bibelwort: Epheser 2,4-10
Gnade ist das Wissen, ihrer zu bedürfen. Auch mein ganzes Leben, wenn ich es nur recht bedenke, kreist um das Wort „Gnade“. Dass ich morgens aufstehen kann, dass ich zu essen und zu trinken habe, dass ich arbeiten darf, dass ich gesund bin oder meine Schmerzen erträglich sind – alles das ist Gnade. „Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können“, wie Paul Gerhardt dichtet (EG 447,3), ist reine Gnade. Oder habe ich dazu etwa selbst beigetragen? Eben nicht. Was ich erlebe, ist Gnade. Und wie ist das bei den anderen, denen es weniger gut geht?
Das kann ich für mich im Stillen vielleicht beantworten, aber den anderen nicht aufdrängen. Sie müssen ihre eigene Antwort finden im Angesicht Gottes. Können sie loben und danken? Können sie auch dann von „Gnade“ sprechen, wenn ihnen das Leben nicht gelingt? Das weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass sie die Antwort finden müssen, wenn sie nicht am Leben verzweifeln wollen. Man muss sich einfach antworten auf die Frage nach dem Warum. Eine Antwort kann ja mit dieser Frage beginnen: Könnte es Gnade sein, die ich jetzt nicht verstehe?
Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen / Michael Becker
Beitrag online bis 26.8.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (12.8.10 - 19.08.10 - ) / 2829 / 246
|