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 © Helmut Meisl

 Evangelische Gemeinde
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Besonnenheit

Ein schönes Wort. Dahinter versteckt sich das Bild, in Gottes Licht zu stehen. Die sich dessen gewiss sein dürfen, die leuchten tatsächlich. Und weil sie wissen, dass ihre Kraft nicht nur aus ihnen selbst kommt, werden sie anders handeln: Besonnener, bedachter, demütiger. Mit Hilfe dieses Geistes wird die Welt nicht völlig erneuert. Die Erneuerung von Gottes Seite steht noch aus, die Hoffnung darauf nährt die Christen. Aber mit Gottes Hilfe wird durch einzelne Menschen in diesem Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit ansatzweise offenbar, was es bedeuten kann, wenn einst das Reich Gottes kommen wird in seiner Gerechtigkeit. Ewiges Leben kommt uns entgegen.





19. September 2010 - 16. Sonntag nach Trinitatis II

Einer der schönsten Sätze im Neuen Testament steht – leider etwas versteckt – in diesem Text aus dem 2. Timotheusbrief: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Ausgelegt!
Bibelwort: 2. Timotheus 1,7-10

Seit der Taufe, so meint es der Apostel, haben wir einen Geist, der selbst den Tod nicht fürchten muss, so schlimm er uns bisweilen begegnet. Die größte Furcht im Leben macht ja der Tod, der plötzlich alles einreißt – oder auch viel zu lange auf sich warten lässt, wenn das Alter und die Hinfälligkeit einfach nicht enden wollen. Doch Furcht, so wertvoll sie oft ist und vor Gefahren warnt, soll das Leben nicht von Grund auf bestimmen.

Etwas anderes soll das Leben bestimmen: Kraft, Liebe und Besonnenheit. Dafür bürgt Gott. Das darf ich mir aneignen, wo immer es geht: Im Umgang mit anderen Menschen – vor allem bei denen, die nicht wollen wie ich. Da ist gleich alles gefragt: Kraft zur eigenen Meinung; Liebe und Achtung dem anderen gegenüber, der ja eine andere Meinung hat; zuletzt Besonnenheit, die nicht poltert oder wütet, sondern abwartet und zu verstehen versucht. Da kann es helfen, in schwierigen Momenten still vor sich hinzusagen: Gott, bitte gib mir Kraft, und Liebe, und Besonnenheit.

Michael Becker





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen

Beitrag online bis 30.9.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (16.9.10 - 23.09.10 - ) / 2847 / 186