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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
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Wer alles gibt, bekommt alles, anders nicht.
(Marguerite Porète)


Unser Leben ist gottlos geworden im Sinn der Leere: Gott ist nicht mehr bei uns, – und im Sinn der Haltung: Gott wird übersehen, geleugnet, ihm jeglicher Anspruch über das Leben verweigert. Wir sind nicht nur Gottes nicht mehr teilhaft, wir sind nicht nur Gottes nicht mehr willig und bedürftig, wir sind Gottes nicht mehr fähig. Das sind die sehr harten Sätze über unser Leben.

6. Oktober 2002
27. Sonntag im Jahreskreis


04.10.2002: Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.

Die Voraussetzungen für den Weinberg in der Bibel scheinen bestens. Er wird von der Sonne verwöhnt. Licht und Wärme fluten darüber. Er schlägt Wurzeln in gutem Boden. Seine Früchte wachsen gut und edel. Sie versprechen Lachen und Freude. Der Weinberg ist eine Goldgrube für den Besitzer. Jesaia und Mathäus lassen einen Weinberg wachsen. Doch zwischen diesen Weinbergen liegen mehr als ein paar Jahrhunderte. Die Besitzverhältnisse scheinen ungeklärt. Wem gehört der Weinberg? Die dort leben und auf ihm arbeiten, wollen mehr als ihren Anteil. Sie wollen alles. Aber sie sind nur die Pächter. Sie sollen den Weinberg bestellen, dürfen davon leben. Aber sie sollen auch an die denken, die nach ihnen kommen. Die Welt ist eine Erbpacht. Sie gehört uns nicht. Wer sie ausbeutet, wird saure Beeren ernten und wenig Freude haben. Und den Besitzer verärgern und enttäuschen. Der hat zwei Möglichkeiten. Die erste nennt Jesaia. Gott lässt seinen Weinberg ganz einfach verdorren. Die Winzer haben ihre Chance gehabt. Aug um Auge, Zahn um Zahn. Ihre Welt verödet. Die zweite Möglichkeit: Gott sucht sich neue Winzer. Davon erzählt Matthäus. Es wäre ja auch schade um den schönen Weinberg. Der Weinberg steht noch immer. Heute leben und arbeiten wir darin. Aber auch wir scheinen vergessen zu haben, wem er gehört. Die Besitzverhältnisse scheinen noch immer nicht geklärt. Hin und wieder bringt sich der Eigentümer in Erinnerung. Aber seine Boten werden nicht ernst genommen, ihre Botschaft nicht geglaubt. Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er wohl mit solchen Winzern tun?




Autor / Quelle: Bernd Kaut

Beitrag online bis 18.10.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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